Ein Fön hängt in einem Friseursalson in einer Halterung.

Frisch frisiert an Weihnachten - daraus wird für viele dieses Jahr nichts. Die Salons trifft der Lockdown hart - auch wenn sie vorher zwei pickepackevolle Tage haben.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Friseure vor dem Lockdown

Scheren beim Friseur
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Wegen der Lockdown-Bestimmungen vom Wochenende begann für Friseurmeister Jürgen Ressel die Woche anders als sonst. Statt des branchenüblichen freien Montags heißt es nun: zwei Tage Vollgas und Dauerstress. "Das Telefon klingelt ununterbrochen. Wir versuchen alles, um so viele Kunden wie möglich noch mit einer schönen Weihnachtsfrisur nach Hause zu schicken", sagt Ressel.

Für den Endspurt hat Ressel, der acht Salons in Fulda und Umgebung mit knapp 70 Beschäftigten betreibt, die Öffnungszeiten verlängert - morgens und abends. Doch später als 20.30 Uhr können sie keine Kunden empfangen. Wegen der hohen Infektionszahlen hat der Kreis Fulda eine Ausgangssperre verhängt.

Salons in Kreisen und Städten ohne Ausgangssperre haben es da besser. Viele Haarkünstler kündigten an, an den beiden Tagen vor dem Lockdown länger als sonst für die Kunden da zu sein.

Verärgerung ist groß

Die Ansage aus der Politik, dass Friseursalons schließen müssen, hat Ressel nicht nur überrascht: "Die Verärgerung ist diesmal richtig groß." Denn es habe sich ja gezeigt, dass die Salons keine Corona-Hotspots seien, sagt der 52-Jährige. Er habe Tausende von Euros in die Umsetzung von Hygiene-Konzepten mit Plexiglaswänden und vielem mehr investiert - nun muss er trotzdem dicht machen.

Friseur Jürgen Ressel steht in Fulda in einem seiner Salons.

Gerade für Ketten und größere Betriebe sei Corona Gift - "wegen des größeren Kostenblocks", erklärt Ressel. Beispiel: Die Firma Klier, das Schwergewicht der Branche, ist in finanzielle Schieflage geraten. Der Umsatzeinbruch in der Pandemie drückte Deutschlands größte Friseurkette in die Insolvenz.

Innung: Böse Überraschung zum Fest

Der Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes Friseurhandwerk, René Hain, ist enttäuscht, dass der Lockdown auch seine Branche betrifft: "Das Weihnachtsgeschäft ist zerstört. Das ist eine böse Überraschung zum Fest. Der Dezember ist der umsatzstärkste Monat des Jahres." Hain hätte sich einen Kompromiss oder eine längere Übergangsfrist, an denen Friseure arbeiten dürften, gewünscht.

Mit Mundschutz und viel Abstand: Ein Friseur-Besuch während der Corona-Pandemie.

Bereits der erste Lockdown, als die Salons vom 23. März bis 3. Mai zusperren mussten, habe die Branche arg gebeutelt, sagt Hain. Dieses Mal treffe es die Salons auch ohne Vorwarnung. Friseurgeschäfte seien nicht als Infektionsherde bekannt geworden, findet auch Hain.

Wiedereröffnung frühestens am 11. Januar

Was den Kunden nun bleibt: Termin verschieben und abwarten - mindestens bis 11. Januar. Dann dürfen die Friseure wieder zu Kamm und Schere greifen, falls der Lockdown nicht verlängert wird.

Hain hofft, dass es in der Zwischenzeit nicht wieder Schlagzeilen geben wird. Im Frühjahr kam es zu illegalen Öffnungen. In Kellern, in Hinterhöfen, in Salons mit abgeklebten Scheiben sei heimlich geschnitten worden. "Da müssen die Ordnungsbehörden ran und das unterbinden", fordert der Innungschef.

Sendung: hr4, 14.12.2020, 14.30 Uhr