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Audioseite Lebensmittelkette Tegut leidet noch immer unter Hackerangriff

Die Regale im Kühlschrank bei Tegut sind leer. "Neue Ware ist schon unterwegs", steht an den Fächern.

Halbleere Regale und Zettelwirtschaft bei den Nachbestellungen: Bei der Supermarktkette Tegut sind die Folgen eines Hackerangriffs weiterhin spürbar. Die Hoffnungen ruhen auf einer App und den Ermittlungen der Behörden.

Auch gut zwei Wochen nach einer Cyberattacke hat die Supermarktkette Tegut mit den Folgen zu kämpfen. Teilweise gebe es immer noch Lücken im Warenbestand, berichten unter anderem Kunden aus Fulda - dem Hauptsitz des Unternehmens. Besonders im Bereich der frischen Waren, etwa bei Milchprodukten, seien die Regale noch nicht vollständig aufgefüllt.

Die größten Engpässe seien mittlerweile aber überwunden, teilte Pressesprecher Matthias Pusch dem hr mit: "Wenn man sich umguckt, muss man sagen, dass alle Märkte wieder gut bestückt sind." Weitere Beeinträchtigungen für Tegut-Kunden gebe es derzeit nicht.

Warenverfügbarkeit teilweise noch eingeschränkt

Nach dem Hackerangriff habe man sämtliche IT-Netzwerksysteme der Zentrale heruntergefahren und vom Netz genommen. "Wir haben sofort reagieren können und den Notfallplan in Gang gesetzt", so Pusch. Er sei optimistisch, dass man bald zum Normalzustand zurückkehren könne.

Einige interne Prozesse seien aber noch immer abgeschaltet, unter anderem die E-Mail-Server des Unternehmens sowie die Warenwirtschaftsprogramme, die in der Logistik die Disposition steuern.

Logistik-App erlebt verfrühte Feuertaufe

Das hat weitreichende Folgen für die Warenverfügbarkeit: Das System stellt normalerweise sicher, dass die Filialen automatisch Nachschub aus der Zentrale erhalten. Weil das seit dem Abschalten des Programms nicht möglich ist, müssen Mitarbeiter der einzelnen Märkte ihren Bedarf manuell erfassen und - wegen des abgeschalteten Mail-Servers - telefonisch weitergeben.

Seit dieser Woche steht dafür außerdem eine neu entwickelte App zur Verfügung, wie Pressesprecher Pusch erklärt: "Das ist etwas, das schon lange in Planung war und jetzt aufgrund der Attacke schneller eingeführt wurde." Die App werde flächendeckend in den Tegut-Märkten zur Bestellung von Waren eingesetzt und soll auch zukünftig zum Einsatz kommen.

Erster Cyberangriff auf das Unternehmen

Wer hinter der Attacke steht und wie viele Daten abgegriffen wurden, ist noch unklar. Die Frage, ob das Unternehmen erpresst werde, wollte Pusch nicht beantworten. "Es ist nicht unsere Aufgabe, zu spekulieren oder zu vermuten." Das liege bei den eingeschalteten Ermittlungsbehörden. Für die kommende Woche kündigte das Unternehmen ein Update zur Situation an.

Für den Lebensmittelhändler war es der erste Cyberangriff dieser Größenordnung. Das Unternehmen betreibt rund 280 Märkte, hauptsächlich in Hessen, Thüringen und Bayern. Es gehört zur Schweizer Migros-Genossenschaft und erwirtschaftete zuletzt einen Jahresumsatz von 1,26 Milliarden Euro.

Sendung: hr4, 07.05.2021, 07.38 Uhr