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Audioseite Hanau bekommt gigantisches Rechenzentrum

Luftaufnahme von Hanau.

Auf einer Fläche von rund 50 Fußballfeldern soll in Hanau eines der größten Rechenzentren Europas entstehen. Gigantisch wird auch der Energieverbrauch. Deshalb sollen unter anderem Blockheizkraftwerke gebaut werden.

In Hanau wird eines der größten Rechenzentren Europas entstehen. Die Stadtverordnetenversammlung stimmte am Montagabend entsprechenden Plänen zu. Die ehemalige Großauheim-Kaserne soll zu einem Gewerbegebiet umgewandelt werden, auf dem unter anderem das Rechenzentrum mit einer Größe von rund 50 Fußballfeldern entstehen soll.

56 von 59 Stadtverordneten gaben ihr Ja-Wort für die Pläne, lediglich die drei Vertreter der neu gegründeten "Fraktion" aus Linken und Die Partei enthielten sich - nach eigenen Angaben sieht sie das Bauvorhaben grundsätzlich positiv, stört sich aber daran, dass das Unternehmen hinter den Plänen nicht in Hanau sitzt, sondern in Luxemburg. Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) sprach von einer "Entscheidung von hoher Bedeutung". Ziel sei es, den Wohlstand der Stadt durch geschäftliche Diversifizierung zu erhalten.

Ein privater Investor hatte die Pläne angestoßen, der Magistrat stimmten dem Entwurf des Bebauungsplans bereits Anfang Mai zu. Vorangegangen seien schwere Verhandlungen mit dem Investor "P3 Hanau", schreibt die Stadt. Kaminsky ergänzte, der Antrag allein habe einen Umfang von 5.011 Seiten gehabt. In den Verhandlungen sei es vor allem um die Stromversorgung, die "Beanspruchung von Ressourcen wie Fläche und Trinkwasser sowie die Emissionen" gegangen.

Verbrauch von 180 Megawatt

Das Rechenzentrum könnte circa 180 Megawatt verbrauchen - etwa die doppelte Jahresleistung der Stadt Hanau. Deswegen sollen auch Blockheizkraftwerke, eine Freiflächen-Photovoltaikanlage und Umspannwerke gebaut werden.

Es werde vertraglich vereinbart, dass der genutzte Stromanteil bei Inbetriebnahme des Rechenzentrums zu 80 Prozent und nach fünf Jahren zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammen muss.

Stadt will Unternehmen nach Hanau locken

Da es sich um ein Thema mit regionaler Dimension handle, seien auf Arbeitsebene erste Kontakte mit Frankfurt, Offenbach, dem Regierungspräsidium Darmstadt und dem Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main geknüpft worden.

Die Stadt Hanau erhoffe sich "attraktive Unternehmensansiedlungen aus der IT-Branche" und ein steigendes Gewerbesteueraufkommen. Weitere Details zu den veranschlagten Kosten und dem Zeitplan der Bebauung wurden noch nicht bekannt.

Im Rhein-Main-Gebiet boomen die Rechenzentren

Die Rhein-Main-Region ist in Sachen Rechenzentren absoluter Vorreiter. Allein Frankfurt zählt insgesamt mehr als 60 unternehmensunabhängige Rechenzentren von mehr als 30 Betreibern, weitere sind in Planung oder werden derzeit gebaut. Auch die benachbarte Stadt Offenbach nennt fünf Rechenzentren ihr eigen, drei weitere weitere sollen gebaut werden - darunter das größte seiner Art in Deutschland. Die Corona-Pandemie hat solche Projekte mit der Schließung von Geschäften, Schulen, Büros und Kinos und dem einhergehenden Ausbau der digitalen Strukturen befeuert.

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Sendung: hr-iNFO, 17.05.2021, 21 Uhr