Die Mainfähre hat sich am Ufer bei Mühlheim festgefahren.

Keine Erfahrung, keine Betriebserlaubnis? Ein ehemaliger Bootsführer der Mainfähre zwischen Maintal und Mühlheim erhebt schwere Vorwürfe gegen den neuen Betreiber. Die Fähre war am Montag havariert.

Videobeitrag

Video

zum Video Fähre in Mühlheim mit Startschwierigkeiten

hs
Ende des Videobeitrags

Nur wenige Stunden nach der Wiederaufnahme des Fährbetriebs zwischen Maintal und Mühlheim war am Montag wieder Schluss: Zwei Seile, die das Boot mit dem eigentlichen Führseil verbinden, waren gerissen - die Fähre mitsamt zweier Autos und Insassen trieb vorübergehend manövrierunfähig auf dem Main. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand, die Fähre konnte nach kurzer Zeit wieder sicher am Ufer vertäut werden. Wie es zu der Havarie kommen konnte, ist noch unklar.

Ein ehemaliger Bootsführer der Mainfähre erhebt nun allerdings schwere Vorwürfe gegen die neuen Verantwortlichen des Fährbetriebs, der zuvor knapp zwei Jahre ruhte. Bernd Schwander, pensionierter Fährmann aus Maintal-Dörnigheim, sagte dem hr am Dienstag, weder der neue Betreiber Mahir Kolbüken noch dessen drei Angestellte hätten den notwendigen Fährpatentschein, um die Fähre allein steuern zu dürfen.

"Keiner darf diese Fähre bewegen, ohne dass jemand an Bord ist, der das Patent hat", betonte Schwander, "und das war ich". Schwanders Darstellung zufolge war er als vorübergehende Aushilfe für die Wiederaufnahme des Fährbetriebs engagiert worden. Er habe am frühen Morgen zusammen mit dem neuen Betreiber die Fähre in Gang gebracht und sei dann um 10 Uhr wie vereinbart von Bord gegangen.

Fuhr der Betreiber einfach weiter?

Um 15 Uhr hätte er nach eigenen Worten an Bord zurückkehren sollen - in der Zwischenzeit sollte das Boot ruhen. Doch das war laut Schwander nicht der Fall: "Die haben die Fähre losgebunden, und ohne Patent, ohne Fährführerschein wollten die den Betrieb bis nachmittags weiterfahren." Um kurz nach 11 Uhr sei die Fähre dann havariert - wegen eines Steuerfehlers, so Schwander. Für ihn war das nach der kurzen Einarbeitungszeit keine Überraschung: "In drei Stunden kriege ich nicht raus, wie die Fähre reagiert."

Den Schilderungen des früheren Fährmanns zufolge hätte diese Übergangszeit mindestens 45 Tage dauern sollen. Erst danach hätten die neuen Betreiber die notwendige Frist erfüllt, um eine Fährerlaubnis zu beantragen und alleine zu fahren. Das hätten auch die zuständigen Behörden gewusst: "Auch der Kreis Offenbach wusste, dass kein Patent vorhanden ist."

Kreis: "Rechtsgültiger Vertrag mit dem Betreiber"

Der Kreis Offenbach wies den Vorwurf zurück und nahm am Dienstag den Fährbetreiber in die Verantwortung: "Mit dem Betreiber haben wir einen rechtsgültigen Vertrag, der ihn verpflichtet, nur sachkundiges Personal mit entsprechenden Patenten zu beschäftigen", sagte Kreissprecherin Sandra-Kristin Klauß. Ob dies der Fall ist, hat der Kreis offenbar nicht geprüft. Der Betreiber selbst war auf mehrfache Nachfrage des hr am Dienstag nicht zu erreichen.

Zur Ursache des Vorfalls konnte Sprecherin Klauß noch keine Angaben machen. "Wir warten auf die Untersuchungsergebnisse der Wasserschutzpolizei und des Wasser- und Schifffahrtsamts."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 09.07.2019, 19:30 Uhr