Sauna für das eigene Zuhause

Weil Schwimmbäder und Wellnesszentren coronabedingt geschlossen sind, richten sich Menschen zunehmend Entspannungsoasen zu Hause ein. Poolhersteller und Saunabauer haben alle Hände voll zu tun.

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hessenschau vom 11.05.2021
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Wer es sich leisten kann, rüstet in Coronazeiten im eigenen Garten oder Keller auf. So wie Stefan Manke aus Grebenhain-Zahmen im Vogelsberg. "Es ist ein gewisser Überhang an Geld da, wenn man nicht in den Urlaub fährt. Die Kneipen sind geschlossen und auch die Wellnesscenter", sagt er. Wie Manke und seine vierköpfige Familie ziehen sich immer mehr Menschen seit dem Ausbruch der Pandemie zurück ins Private. Sie lassen sich eine Sauna im Haus oder einen kleinen Swimmingpool im Garten einbauen.

Die eigene Wohlfühloase lässt aber mitunter auf sich warten. Stefan Manke bestellte seine Sauna im vergangenen Oktober - erst jetzt, Anfang Mai, wurde sie eingebaut. "Ich hätte nicht gedacht, dass es so lange Lieferzeiten gibt", sagt der Familienvater, der für seinen privaten Schwitzkasten "einen unteren fünfstelligen Betrag" ausgab, wie er erzählt.

Stefan Manke mit seiner Familie in ihrer eigenen Keller-Sauna

Die Pandemie sorgt für einen wahren Sauna-Boom. Der Bundesfachverband Saunabau, Infrarot- und Dampfbad mit Sitz in Wiesbaden spricht von einem Verkaufsplus von 36,8 Prozent seit Beginn der Coronakrise.

Den Saunahersteller Saunalux freut diese Entwicklung. Die Firma produziert in Grebenhain, nur wenige Kilometer von Stefan Mankes Wohnort entfernt. Seit vorigem Jahr laufen die Maschinen in der Produktionshalle durchwegs an der Kapazitätsgrenze, wie Produktionsleiter David Niciewski berichtet: "Nicht nur unsere Kunden schwitzen, auch wir. Weil wir so viele Aufträge haben, arbeiten wir seit Beginn der Pandemie durchgängig." Normalerweise könnten er und die rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Sommer durchatmen, "aber jetzt sind wir immer am Anschlag".

Sauna-Hersteller kommt den Aufträgen kaum hinterher

Saunen aus Fichtenholz gibt es bei Saunalux ab etwa 5.000 Euro, günstigere Infrarotkabinen ab 3.500 Euro. Nach oben sind preislich allerdings keine Grenzen gesetzt, viele der Kabinen sind Unikate. Wer jetzt bestellt, muss sich darauf einstellen, seine Kabine erst zu Weihnachten geliefert zu bekommen.

Die stellvertretende Saunalux-Geschäftsführerin Isabell Wißner weiß, dass ihr Betrieb zu den Gewinnern in der Krise gehört: "Normalerweise haben wir ein Auftragsvolumen von circa 1.000 Kabinen im Jahr. Dieses Jahr haben wir schon 500 Kabinen geliefert und weitere 900 bereits in Auftrag." Dabei sei erst Mai. "So etwas ist noch nie vorgekommen", sagt Wißner. Um alle Aufträge bewältigen zu können, müsse sie neues Personal einstellen.

Kein Garten ist zu klein für einen Pool

Auch Poolhersteller und Baumärkte haben alle Hände voll zu tun. Sogenannte Home-Artikel wie Gartenmöbel, Grills und Swimmingpools gehen gut in der Coronazeit. Beim Pool- und Garten-Unternehmen Gramenz in Wiesbaden schnellen die Aufträge entsprechend in die Höhe. "Es gibt einen starken Trend zum Schwimmbecken im eigenen Garten", sagt Wolfgang Katz, beim Gramenz Ansprechpartner für den Poolbau.

Swimmingpool für den eigenen Garten

Katz führt das zum Teil auf Corona zurück. Und es betreffe nicht nur Menschen auf dem Land mit viel Platz rund ums Haus, sagt er: "Immer mehr Hessen bekommen einen Pool. Dabei ist die Grundstücksgröße meist nicht relevant, Schwimmbecken gibt es für jeden Garten." Rund 25.000 Euro seien für einen fest installierten Pool mit Grundausstattung fällig.

Auch Planschbecken sind gefragt

Eine stolze Summe. Günstiger kommen Menschen mit Privatpool-Wunsch beim Bauzentrum Maeusel in Bad Vilbel (Wetterau) davon. Hier waren Planschbecken jedweder Größe im vorigen Jahr ruckzuck ausverkauft, wie Benedikt Seeger, Bereichsleiter Garten, berichtet. Dieses Jahr habe er deshalb vorgesorgt und 20 bis 30 Prozent mehr Ware als im Vorjahr geordert. Planschbecken in allen Größen stapeln sich in dem Bauzentrum. "Wir hoffen natürlich, dass der Trend anhält - auch wenn das Wetter nicht so berauschend wird wie voriges Jahr", sagt Seeger.

Benedikt Seeger vom Bauzentrum Maeusel in Bad Vilbel inmitten des Angebots an Planschbecken

Tobias Springer und Cora Meineke schauen sich bei Maeusel um. Das Paar will diesen Sommer unbedingt ein Planschbecken im Garten aufstellen. "Wir hatten an 2.000 Liter Wassermenge gedacht, so dass man auch tauchen und schwimmen kann", sagt Springer. Für Cora Meineke liegen die Vorteile eines eigenen Pools klar auf der Hand: "Man ist nicht so nah dran an fremden Menschen, kann gezielt mit den Leuten aus dem eigenen Umfeld in den Pool gehen."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 11.05.2021, 19.30 Uhr