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Hohe Strom- und Heizkosten - wie Verbraucher damit umgehen

Steckdosenverteilerleiste mit gerollten und eingesteckten Geldscheinen.

Zahlreiche Haushalte stöhnen unter den enorm gestiegenen Energiekosten - und sind sich womöglich nicht bewusst, wie sie unkompliziert und schnell im Alltag Geld sparen können. Tipps von einem Energie-Experten.

Schon im vergangenen Winter sind die Preise für Gas und Heizöl stark angestiegen. Doch der Ukraine-Krieg und die wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland lassen die Energiepreise noch weiter in die Höhe schnellen - auch die Preise für Strom, denn die werden indirekt von den Gaspreisen beeinflusst.

In der kalten Jahreszeit verbraucht eine durchschnittliche Familie am meisten beim Heizen, sagt Karsten McGovern, Geschäftsführer der Landes-Energie-Agentur Hessen. Im Haushalt gibt es auch viele Geräte, die unnötig Strom fressen - daraus folgt, dass sich dort viel einsparen lässt, meist mit einfachen Mitteln.

Viele Tipps würden manchen wahrscheinlich arg banal erscheinen, räumt der Energie-Experte ein - doch die Erfahrung zeige, dass sich manche Familien des Einsparpotenzials in ihren eigenen vier Wänden nicht bewusst seien. Es sei daher sinnvoll, immer wieder darauf hinzuweisen. Nebenbei leistet Stromsparen einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und, wie spätestens seit Beginn des Ukraine-Kriegs klar ist, zur möglichst unabhängigen Energieversorgung Deutschlands.

  1. Stoßlüften statt Fenster kippen
  2. Moderne Thermostate an Heizkörpern anbringen
  3. Zimmertemperatur um zwei Grad senken
  4. Optimale Energieeffizienzklasse bei neuen Geräten wählen
  5. Umstellung auf LED-Lampen
  6. Abschalten statt Stand-by
  7. Energie sparen beim Putzen
  8. Kochen mit Deckel
  9. Energie sparen beim Waschen
  10. Wäschetrockner vermeiden
Illustration Euroscheine, Gasflamme, Stromzähler

1. Stoßlüften statt Fenster kippen

Wie stark man heizen muss, hängt stark mit der Lüftungstechnik zusammen. Statt ein Fenster stundenlang zu kippen, sollte man besser alle zwei bis drei Stunden stoßlüften, sagt Karsten McGovern: "Um die gesamte Raumluft auszutauschen, reicht es meist schon aus, die Fenster einige Minuten lang weit zu öffnen."

Das Problem am dauerhaft gekippten Fenster sei, dass dadurch ständig eine Welle kalter Luft in den Raum dringe. Um das wärmetechnisch auszugleichen, müsse man kräftig gegenheizen, was zu einem enormen Energieverbrauch führe. Sinnvoll sei deshalb, Fenster geschlossen zu halten und in regelmäßigen Abständen zu lüften, erklärt der Energie-Experte.

Kosten: 0 €
Einsparpotenzial: ca. 200 € jährlich

2. Moderne Thermostate an Heizkörpern anbringen

Um effizient zu heizen, sollte man Thermostate an den Heizkörpern anbringen. Ein Thermostat sorgt dafür, dass sich die Raumtemperatur auf einem bestimmten Wert hält, wie McGovern erklärt. Es gebe auch intelligente, programmierbare Thermostate, die die Temperatur auch bei Abwesenheit oder in der Nacht regeln. "Ist keiner zu Hause, bleiben die Heizkörper kühler. Rechtzeitig vor der Ankunft im Haus springt das Thermostat auf Wunsch wieder an", erläutert der Energie-Experte. So könne man den Verbrauch optimal an den Tagesablauf anpassen und unnötige Heizkosten vermeiden.

Kosten: 50 bis 100 € Anschaffungskosten
Einsparpotenzial: ca. 60 € jährlich

3. Zimmertemperatur um zwei Grad senken

Der Energie-Experte hält es für sinnvoll auszutesten, ob man im Alltag mit einer Durchschnittstemperatur von ein oder zwei Grad weniger auskommen kann. "Kommt man beispielsweise statt mit 24 Grad mit 22 Grad aus, kann man jährlich zehn Prozent der Heizkosten einsparen", sagt McGovern.

Unter 15 Grad sollte die Temperatur in der Wohnung jedoch nicht fallen, sagt McGovern. Dann benötige man wieder zu viel Energie für das Aufheizen der Räume. Zu kalte Räume seien außerdem schlecht für das Mauerwerk eines Hauses, weil sich Schimmel bilden kann.

Kosten: 0 €
Einsparpotenzial: bei Altbauten ca. 395 €, bei 20 Jahre alten Häusern ca. 114 € jährlich

Karsten McGovern

4. Optimale Energieeffizienzklasse bei neuen Geräten wählen

Beim Kauf von Elektrogeräten wie beispielsweise Gefrierschränken oder Waschmaschinen sollte man auf die Energieeffizienzklasse achten. Die Energieeffizienzklassen A bis G geben an, ob ein Gerät viel oder wenig Strom verbraucht - Geräte der Kategorie G haben einen vergleichsweise hohen Stromverbrauch, Geräte mit A einen geringen.

Wenn ein Gerät alt ist, könne sich die Neuanschaffung mit einer besseren Effizienzklasse durchaus lohnen, sagt Karsten McGovern
- beispielsweise bei einem Gefrierschrank, der älter als zehn Jahre alt. Vorausgesetzt, das alte Gerät wandere nicht als Flaschenkühler in den Keller, wo es dann zusätzliche Kosten verursacht.

Bei einem konsequenten Gerätetausch könne man dank energieeffizienter Geräte rund 100 Euro Stromkosten im Jahr sparen, schätzt der Experte.

Kosten: 300 bis 700 € Anschaffungskosten
Einsparungspotenzial: ca. 50 bis 100 € jährlich

5. Umstellung auf LED-Lampen

Eine einfache Methode, um im Haus Strom zu sparen, ist der Umstieg auf LED-Leuchten. "Statt einer Halogen-Leuchte, die 80 oder 100 Watt verbraucht, kann man eine LED-Variante nutzen und hat damit nur noch ein Zehntel der Kosten", sagt der Energie-Experte. LED-Leuchten seien beim Kauf zwar etwas teurer als gewöhnliche Glühbirnen, dafür sei die Lebensdauer aber auch länger, so McGovern.

Kosten: ca. 15 € Anschaffunskosten pro LED-Lampe
Einsparpotenzial: ca. 40 € jährlich nach Austausch von zehn Lampen

6. Abschalten statt Stand-by

Viele Geräte wie der Fernseher seien oft nur im Stand-by-Modus und würden nie wirklich ausgeschaltet, berichtet McGovern: "Das liegt daran, dass diese Geräte schnell wieder angehen sollen." Um zu vermeiden, dass diese Geräte bei Nicht-Nutzung Strom verbrauchen, müsse man einfach nur den Ein- und Ausschaltknopf, der sich meist an der Hinterseite des Gerätes befindet, betätigen.

Eine weitere Möglichkeit sei die Nutzung einer Steckdosenleiste, bei der man den roten Ein- und Ausschaltknopf entsprechend nutzen und so mehrere Geräte gleichzeitig regulieren kann.

Nicht nur Bildschirme oder der Fernseher verbrauchten im Stand-by-Modus Strom, warnt der Experte. Auch Ladegeräte - beispielsweise für die elektrische Zahnbürste oder Handyladestationen - verbrauchten oft ungewollt Strom. Um Strom zu sparen, gilt daher auch hier: Bei aufgeladenem Akku oder Nicht-Nutzung den Stecker ziehen!

Kosten: 0 €
Einsparpotenzial: ca. 10 € jährlich

Weitere Informationen

Weitere Einspartipps

Die Landes-Energie-Agentur des Landes Hessen gibt Verbrauchern im Internet viele Tipps zum Energie- und Energiekostensparen: auf einer Seite zum
Strom, auf einer anderen zum Heizen.

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7. Energie sparen beim Putzen

Selbst beim Putzen kann man Energie sparen. Beispielsweise bei effizienter Nutzung des Staubsaugers, sagt der Experte von der Landes-Energie-Agentur: "Viele Leute denken darüber gar nicht nach, aber oft läuft der Staubsauger auf höchster Stufe." Je nach Saugkraft des Geräts sei das aber gar nicht nötig - besonders auf glatten Böden wie Fliesen oder Holz. Komme man auch mit einer niedrigeren Stufe aus, lohne es sich, diese zu nutzen, sagt Karsten McGovern.

Kosten: 0 €
Einsparpotenzial: ca. 5 € jährlich

8. Kochen mit Deckel

Kocht man Wasser in einem Kochtopf mit passendem Deckel, kann man den Energieverbrauch um rund ein Drittel senken. Wichtig sei auch, den Topf der Größe der Herdplatte anzupassen.

Außerdem gelte, so McGovern: "Alles, was dampft, kostet Energie." Wenn man beispielsweise ein Ei kocht, müsse das Wasser nicht durchgehend auf höchster Stufe sprudeln. Eine weitere Energiesparmaßnahme: einen Schnellkochtopf nutzen.

Kosten: 0 €
Einsparpotenzial: laut co2online.de rund 20 € jährlich

9. Energie sparen bei Waschen

Beim Wäschewaschen sollte man darauf achten, dass die Maschine voll ist. Das gelte auch für die Spülmaschine, sagt der Energie-Experte. In den meisten Fällen reiche es zudem aus, die Kleidung bei nur 30 bis 40 Grad zu waschen. 60- bis 90-Grad-Wäsche sollte man auf das Geringste reduzieren.

Generell gilt: Je heißer gewaschen wird, desto mehr Strom wird benötigt. Das sei für die meisten Kleidungsstücke aber gar nicht nötig, sagt McGovern.

Kosten: 0 €
Einsparpotenzial: bei konsequentem Wechsel von 60 bis 90 Grad auf 30 bis 40 Grad bei 50 Waschgängen ca. 40 €

10. Wäschetrockner vermeiden

Trocknet man seine Wäsche an der frischen Luft statt im Wäschetrockner, verbraucht man keinen Strom und spart Geld. Ein Tipp, der zwar selbsterklärend ist, aber trotzdem immer wieder mal genannt werden muss, wie Karsten McGovern findet.

Besonders in den warmen Monaten biete es sich wieder an, die Wäsche auf dem Balkon oder im Garten aufzuhängen. Sollte es aber mal nicht ohne Wäschetrockner gehen, sei es ratsam, auch bei dem Gerät auf die Effizienzklasse sowie eine volle Beladung zu achten.

Kosten: 0 €
Einsparpotenzial: bei 50 Trocknungen ca. 25 €

Hinweis: Für die Berechnung der Einsparpotenziale wurde ein Vier-Personen-Haushalt mit 100 Quadratmetern Wohnfläche zugrunde gelegt.

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