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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Pensionsfonds investiert verstärkt in Nachhaltigkeit

Sonnenblumenfeld, zum Teil abgeerntet

Der Pensionsfonds des Landes hat seine Anlagestrategie geändert: Er setzt auf Nachhaltigkeit. Investments in Fast-Food-Ketten, Triebwerkshersteller und Autofirmen sind da kein Widerspruch, findet ein Experte.

Der Pensionsfonds des Landes wurde geschaffen, um die Pensionen der hessischen Beamten mitabzusichern. Er ist mehr als vier Milliarden Euro schwer. Etwa ein Viertel dieses Geldes steckt in Aktien. Und die sucht die Bundesbank, die den Fonds für das Land verwaltet, seit dem vergangenen Jahr noch gezielter als bisher aus - nach nachhaltigen Kriterien nämlich. So teilt es das Finanzministerium dem hr auf Anfrage mit.

Der Fonds will demnach verstärkt in Unternehmen investieren, die zum Beispiel besonders umweltfreundlich wirtschaften oder auf soziale Aspekte und gute Unternehmensführung Wert legen. Ausgeschlossen würden etwa Atomkonzerne und die Kohle-, Öl- und Gasindustrie. Grundsätzlich setze das Land auf "eine möglichst große Diversifikation und Branchenvielfalt".

Nachhaltigkeit kann jeder für sich definieren

Tatsächlich steckte der Fonds zuletzt allerdings auch Geld in die Fast-Food-Kette McDonald's, den Softdrink-Hersteller Pepsico, den Tabakkonzern Philip Morris und die Automobilhersteller BMW und Peugeot, wie aus einer Auflistung des Portfolios hervorgeht, die dem hr vorliegt - nicht gerade der Inbegriff von Nachhaltigkeit. Wie kann das sein? "Der Begriff Nachhaltigkeit ist nicht definiert", sagt Thomas Küchenmeister von der Nichtregierungsorganisation Facing Finance, die sich für verantwortungsbewusste Geldanlagen einsetzt.

Autohersteller - Klimasünder oder nicht?

Ob etwa Autohersteller nachhaltig arbeiten oder nicht, darüber streiten die Experten. Für Facing Finance gelten sie als Klimasünder, wie Küchenmeister sagt: "Wir haben den Automobilsektor als nicht nachhaltig identifiziert, weil er mit sehr viel CO2 und Feinstaub-Emissionen in Verbindung zu bringen ist."

Christian Klein, Professor für Nachhaltigkeit an der Universität Kassel, sieht das etwas anders. Zwar sei Autofahren grundsätzlich schlecht für das Klima: "Aber deswegen nicht mehr die Automobilindustrie zu finanzieren, wäre der falsche Weg." Anleger, denen auch das Klima ein Anliegen sei, sollten vielmehr darauf achten, welche Hersteller eine CO2-neutrale Produktion anstrebten. "Das sind die Unternehmen, in die man gezielt investieren sollte", rät Klein.

Das Beispiel MTU Aero Engines

Umstritten sind auch die Investitionen des Landes in den Triebwerkshersteller MTU Aero Engines. Der produziert unter anderem Triebwerke für militärische Kampfflugzeuge und Hubschrauber. Unternehmen, die solche Rüstungsaufträge annehmen oder im Waffengeschäft tätig sind, sollte der Pensionsfonds des Landes ebenfalls nicht in sein Portfolio aufnehmen, findet Facing Finance.

Auch hier warnt Nachhaltigkeitsexperte Klein vor reinem Schwarz-Weiß-Denken und hebt hervor, dass bei MTU Nachhaltigkeit ein Teil der Unternehmensstrategie sei: "Es entwickelt Hybridantriebe und experimentiert mit alternativen Kraftstoffen, um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten." Damit nehme der Konzern in der Luftfahrtindustrie eine Vorreiterrolle ein.

Finanzministerium: Waffen sind nicht gleich Waffen

Eben solche Unternehmen, die in ihrer Sparte führend seien in puncto Nachhaltigkeit, wähle man aus und lasse sich dabei von der Ratingagentur Sustainalytics beraten, teilt dazu das Finanzministerium mit. Zu den Rüstungsaufträgen von MTU äußert es sich nicht.

Grundsätzlich investiere das Land nicht in Konzerne, die Kriegswaffen wie Streumunition, Landminen oder Bomben herstellen oder damit handeln, heißt ers aus dem Haus von Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) weiter. Produzenten und Händler von konventionellen Waffen wie Pistolen wolle man aber nicht ausschließen. Schließlich müsse das Land selbst Waffen anschaffen, um die Polizei auszurüsten.

Das Beispiel McDonald's

Wie komplex oder uneindeutig Nachhaltigkeit sein kann, zeigt sich auch am Beispiel McDonald's. Burger, Pommes, zuckerhaltige Getränke, viel Verpackung - die Fast-Food-Kette scheint alles andere als nachhaltig.

Christian Klein von der Universität Kassel blickt anders auf die Sache: "McDonald's war vor zwei Jahren das erste Restaurantunternehmen der Welt, das sich ein wissenschaftlich fundiertes Ziel gesetzt hat, um Treibhausgasemissionen weltweit deutlich zu reduzieren." Zudem habe es sich verpflichtet, seine Verpackung in den nächsten Jahren umweltschonender zu gestalten.

Der Professor für Nachhaltigkeit weist darauf hin, dass die Investitionen ja nicht nur nachhaltig, sondern auch sicher und rentabel sein müssten. Das Finanzministerium sieht sich in seiner Strategie bestätigt, wie es mitteilt: Der Wertzuwachs im Aktienportfolio habe zugelegt, seit man in Nachhaltigkeit investiere.

Sendung: hr-iNFO, 30.11.2020, 9.40 Uhr