Trockener Waldboden mit Fichtenbestand

Der Wald reinigt das Trinkwasser und die Luft, schützt vor Lärm, ist das Zuhause vieler Wildtiere. Doch ihm geht es schlecht, die anhaltende Trockenheit setzt ihm zu. Hessenforst spricht von einer dramatischen Situation.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Der Tod geht um im Wald"

Der schwarze Borkenkäfer sitzt auf einer Baumrinde
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Für André Schulenberg, Sprecher des Landesbetriebs Hessenforst, ist eins klar: "Unser Wald, wie wir ihn kennen, wird sich dramatisch verändern." Grund ist nicht die aktuelle Hitzewelle, sondern die Trockenheit, die seit fast 16 Monaten anhält, sagt Schulenberg: "Die Wasserspeicher sind leer, und das setzt die Bäume unter enormen Stress."

Die Folge: Bäume vertrocknen, Schädlinge setzen geschwächten Bäumen zu: "Bei der Fichte ist es der Borkenkäfer, bei der Kiefer sind es Pilze, bei der Buche ist es eine Kombination aus Käfern und Pilzen." Hessenforst gehe davon aus, dass zum Beispiel im Hessischen Ried ein Drittel der Kiefern tot oder am Absterben sind. Besonders dramatisch: Es ist kein Ende der Trockenheit in Sicht.

"Versuchen, klimastabilen Wald aufzubauen"

"Dass sich der Klimawandel so radikal auswirkt, konnten wir uns lange nicht vorstellen", sagt Schulenberg. Derzeit entstünden riesige Freiflächen, auf denen es auch schwierig sei, Bäume nachzuzüchten. Trotzdem versuche die Landesbehörde, den Blick nach vorn zu richten: "Wir versuchen, mit neuen Baumarten einen klimastabilen Wald auf- und umzubauen."

Wissenschaftler und Experten der Behörde versuchen, neue Baumarten anzupflanzen, die Sonne und Trockenheit besser aushalten. Außerdem stehen sie mit Wissenschaftlern aus Südosteuropa in Kontakt, um Bäume zu finden, die Sonne, Trockenheit und auch mal Frost aushalten. All das brauche nur sehr viel Zeit.

Schäden sollen begrenzt werden

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In der Zwischenzeit versucht die Behörde, die Schäden so gut es geht zu begrenzen: "Wir schauen, dass wir vom Borkenkäfer befallene Fichten 'abfischen', bevor sich die Käfer voll entwickelt haben", erklärt Schulenberg.

Auch Sicherheitsaspekte nehmen die Experten von Hessenforst in den Blick. So werden Bäume an Straßenrändern und Parkplätzen überprüft, um Autofahrer und Spaziergänger vor herabfallenden Ästen zu schützen. "In bestimmten Bereichen sind wir allerdings kurz davor zu sagen: Wir müssen den Wald sperren, es wird hier für Spaziergänger viel zu gefährlich", sagt Schulenberg.

"So etwas hat noch keiner erlebt"

Derzeit sei man deswegen aber noch in Gesprächen: "Wir geben dann entsprechende Informationen heraus und die betroffenen Gebiete werden durch Sperrschilder gekennzeichnet", sagt Schulenberg - und fügt hinzu: "Von den Förstern, die ich kenne, hat noch keiner so eine dramatische Situation erlebt."

Sendung: hr-iNFO, 26.07.2019, 16.20 Uhr