Kuhweide im Reinhardswald

Agrarministerin Hinz will den Ökolandbau massiv ausbauen. Ein neuer Aktionsplan bis 2025 sieht Fördergelder in Millionenhöhe und Beratungsprogramme für Landwirte vor. Der Bauernverband ist skeptisch.

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hessenschau vom 07.02.2020
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Hessen als bundesweiter Vorreiter für ökologische und regionale Landwirtschaft - das hat sich Agrar- und Umweltministerin Priska Hinz auf die Fahne geschrieben. Bis 2025 will die Grünen-Politikerin den Anteil des ökologischen Landbaus in Hessen von derzeit 15 auf 25 Prozent steigern.

Der Markt dafür sei durchaus vorhanden, sagte Hinz am Freitag bei der Vorstellung ihres Programms in Wiesbaden. "Das ist keine Frage." Es fehle aber aber an den Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen. Bislang würden viele Produkte noch durch ausländische Anbieter abgedeckt.

Erzeuger, Händler und Abnehmer zusammenbringen

Mit einem neuen Aktionsplan will Hinz das ändern. Wichtig sei, Erzeuger, Verarbeiter, Händler und Gastronomen zusammenzubringen. Potenzial für den Absatz regionaler und ökologisch erzeugter Produkte sieht die Ministerin etwa bei Großküchen wie Schul-, Kita- und Betriebskantinen. Hinz will auch die Beratung für Betriebe verstärken, die auf ökologische Erzeugung umstellen wollen.

Seit 2014 sei die Ökolandbaufläche in Hessen um 40 Prozent auf 113.000 Hektar gestiegen, so Hinz. Dies hänge maßgeblich mit dem bisherigen Ökoaktionsplan der Landesregierung zusammen. Für den neuen, bis 2025 angelegten Aktionsplan sollen 18 Millionen Euro zusätzlich zu weiteren Förderprogrammen bereitgestellt werden.

Ökolandbau im Fokus, aber nicht nur

Dabei stehe zwar der Ökolandbau im Fokus, doch auch nachhaltige Landwirtschaft konventioneller Betriebe sei wichtig. "Wir brauchen beides", betonte Hinz. So werden auch Maßnahmen zur Verbesserung des Tierwohls gefördert. Zu den Neuerungen gehört etwa eine mobile Schlachtanlage, die lange Tiertransporte verhindern soll.

Nach Einschätzung der Geschäftsführerin der Upländer Bauernmolkerei aus Willingen, Karin Artzt-Steinbrink, werden Bauern in Richtung Ökolandwirtschaft umstellen, wenn sie gute Vermarktungschancen für ihre Bioprodukte haben. Wichtig sei vor allem, dass die Biobauern faire Preise für die Lebensmittel erzielten.

Bauernverband sieht "drängendere Probleme"

Der Landesbauernverband warnte dagegen vor massiven Eingriffen in die Märkte. Wenn durch die Unterstützung von Bioprodukten die Produktion hochgefahren werde, könne dies bei zu großem Angebot und fehlender Nachfrage zu sinkenden Erzegerpreisen führen, sagte Generalsekretär Peter Voss-Fels. Dies zeige sich schon jetzt bei der Öko-Milch.

"Die Bauern haben gerade wesentlich drängendere Probleme als diesen Ökoaktionsplan", sagte Voss-Fels. Als Beispiele nannte er den anhaltenden Streit um Düngebeschränkungen und den Rückgang der Tierzahlen in der Landwirtschaft.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 07.02.2020, 19.30 Uhr