Fachwerkhäuser, davor stehen ein paar leere Tische und Bänke

Ferien im eigenen Bundesland - das planen offenbar auch dieses Jahr wieder viele Hessen. Im Odenwald sind jetzt schon viele Ferienwohnungen ausgebucht. Dabei ist ein Ende des Lockdowns bislang nicht in Sicht.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Odenwälder Hotels und Pensionen fast ausgebucht

Burg Breuberg aus der Luft aufgenommen.
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Noch ist der Bauernhof der Familie Weyrauch-Bardohl in Mossautal (Odenwald) eine Oase der Ruhe: Enten ziehen auf dem Teich ungestört ihre Kreise, frisch geborene Kälbchen schlummern im Stall. Doch mit der Stille könnte es bald vorbei sein. Die beiden Ferienwohnungen auf dem Siefertshof sind für den Sommer bereits komplett ausgebucht.

"Dieses Jahr sind viele wiederkehrende Gäste dabei", sagt Ursula Weyrauch-Bardohl, die gemeinsam mit ihrem Mann von der Landwirtschaft und der Vermietung der Wohnungen lebt. Sie vermutet, dass viele Urlauber befürchten, Auslandsreisen könnten in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie ins Wasser fallen - und sich deswegen lieber gleich ein Feriendomizil in der Region gesichert haben.

Ferienhäuser und Urlaub auf dem Bauernhof beliebt

Kornelia Horn von der Odenwald Tourismus GmbH kann das bestätigen: "Ab den Osterferien sind die Unterkünfte in der Region gut gebucht", sagt sie. Im Vergleich zum Buchungsaufkommen von 2019 liege man derzeit bei 87 Prozent - trotz Corona. Vor allem Ferienhäuser, Ferienwohnungen und Urlaub auf dem Bauernhof seien beliebt, "weil die Menschen da unter sich sind". Pensionen und Hotels würden weniger profitieren.

Nicht nur der Odenwald ist in Corona-Zeiten ein beliebtes Urlaubsziel. Für das aktuelle Jahr liegen dem hessischen Landesverband des Deutschen Hotel- und Gastronomieverbands (Dehoga) zwar noch keine Zahlen vor. "Aber wir haben sehr viele Rückmeldungen, die einen klaren Trend aufzeigen", sagte Hauptgeschäftsführer Julius Wagner in Wiesbaden. Sowohl für Ostern als auch für den Sommer gebe es viele Buchungen in Hessen, gerade in den ländlichen Destinationen.

"Zitterpartie" für die Hoteliers

Gefragt seien etwa der Odenwald, Waldeck-Frankenberg, der Edersee, die Rhön und der Vogelsberg. Dort tummelten sich im vergangenen Sommer bereits die Touristen. Mit Blick auf die unklaren Öffnungsperspektiven sagt Wagner aber auch: "Es wird für die Hoteliers eine Zitterpartie." Denn wenn die Politik den Lockdown nicht bald lockere, müsse umgebucht oder storniert werden.

Vielerorts sind Stornierungen schon jetzt ein Thema. Birgit Meister von der "Edersee-Auszeit" in Edertal (Waldeck-Frankenberg) erzählt, bereits für Februar sei ein Teil der zwölf Ferienwohnungen vermietet gewesen. Anreisen durften die Gäste im Lockdown natürlich nicht. "Bis Oktober sind unsere Wohnungen für Familien eigentlich durchgehend ausgebucht. Die Leute stehen in den Startlöchern."

Blieben die Gäste auch im Sommer aus, würde das die vor zwei Jahren erst eröffnete Anlage in große Schwierigkeiten bringen, sagt Meister. "Jeder Monat tut uns wirklich weh. Was jetzt wegfällt, können wir später nicht mehr auffangen. Mehr als die zwölf Wohnungen können wir nicht vermieten."

Feriendorf auf der Wasserkuppe: Ostern zu 70 Prozent ausgebucht

Auch in Hessens höchstgelegenem Feriendorf auf der Wasserkuppe warten die Gastgeber auf eine Planungsgrundlage von der Politik. Bis mindestens 7. März dürfen in dem Feriendorf in Gersfeld in der Rhön ebenso wie in den benachbarten Hotels nur Geschäftsreisende beherbergt werden.

Die Entscheidungen der Politik habe man nur schweren Herzens akzeptieren können, sagt der Geschäftsführer des Feriendorfs, Boris Kiauka. Der Verlust des Wintergeschäfts sei wegen des vielen Schnees auf der Wasserkuppe allerdings besonders schmerzhaft gewesen.

Holzhaus im Feriendorf auf der Wasserkuppe

Bei den Urlaubsplanungen gebe es in der Rhön zwar auch eine gewisse Zurückhaltung. Aber viele Gäste hätten dennoch bereits gebucht oder zumindest Unterkünfte reserviert. Für Ostern sei man bereits bei einer Auslastung von 70 Prozent, für den Sommer bei 60 Prozent.

"Wenn wir die Info bekommen, wieder in den Normalbetrieb gehen zu können, werden die Zahlen in die Höhe schnellen", ist sich Kiauka sicher. "Gäste fassen vermehrt Destinationen ins Auge, zu denen sie nicht fliegen oder lange fahren müssen."

Städte sind die Verlierer

Dass ein Normalbetrieb vor Ostern bereits möglich sein wird, bezweifelt der Geschäftsführer des hessischen Tourismusverbands, Hartmut Reiße. "Im Sommer werden wir hingegen dank der Impfungen weiter sein." Reiße geht davon aus, dass davon aber nur der ländliche Raum profitieren wird. "Große Verlierer werden 2021 die Städte sein."

Zahlen des statistischen Landesamts stützen diese Annahme. Bereits im Jahr 2020 brach die Zahl der Übernachtungen in Frankfurt demnach um 65 Prozent ein, in Wiesbaden um 48. Im ländlicheren Kreis Waldeck-Frankenberg waren es dagegen nur 30 Prozent weniger Übernachtungen. Auch der Odenwald stehe noch vergleichsweise gut da, findet Kornelia Horn von der Tourismus GmbH. Im Vergleich zu 2019 seien die Umsätze dort um 34 Prozent zurückgegangen.

Lassen sich Besucherströme lenken?

Doch wie könnte er aussehen, der Urlaub im zweiten Corona-Jahr? Hartmut Reiße vom Tourismusverband ist der Ansicht, dass ein System entwickelt werden muss, um Besucherströme zu lenken. So solle beispielsweise an Flussufern, auf Rad- und Spazierwegen vermieden werden, dass sich unkontrolliert große Menschenmenge bilden.

Wie genau das aussehen könnte, wisse er noch nicht. "Aber es ist nötig. Das haben wir an den sonnigen Wintertagen gesehen, als Ausflugsziele im Schnee schnell zu Hotspots wurden."

Sendung: hr4, 22.02.2021, 15.15 Uhr