In leuchtendem Gelb blüht der Raps auf einem Feld.

Sonnenblumenöl ist derzeit kaum noch zu bekommen. Gut, dass dafür der Raps sprießt. Die hessischen Bauern gehen von einer guten Ernte aus: Nicht nur Freunde frittierter Lebensmittel dürfte das freuen.

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Preis für Rapsöl steigt wegen Ukraine-Krieg

Rapsblüten
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Der April ist zwar mit Frost gestartet - der diesjährigen Rapsernte hat das nach einer ersten Einschätzung des Hessischen Bauernverbands aber nicht geschadet. Im Schnitt seien vier Tonnen Ernte pro Hektar möglich, sagte Präsident Karsten Schmal am Mittwoch in Hofheim (Main-Taunus).

Das wäre eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr, als 3,56 Tonnen Winterraps pro Hektar geerntet wurden. Zwar ließen sich mögliche Schäden an den Knospen noch nicht abschließend beurteilen. Die Schäden an den Pflanzenstängeln durch den nächtlichen Frost hielten sich aber in Grenzen, so Schmal. Die Rapsernte beginnt Anfang Juli.

Rapsöl als Ersatz für Sonnenblumenöl

Die positiven Ernteaussichten stimmten den Bauernverbands-Präsidenten besonders vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs zuversichtlich. Die Ukraine ist einer der weltweit wichtigsten Lieferanten für Sonnenblumenöl, über die Hälfte der weltweiten Exporte stammt laut dem Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrien (Ovid) aus dem osteuropäischen Land.

Der derzeitige Mangel an Sonnenblumenöl bedeute deshalb nicht, dass Verbraucher auf Pommes, Bratwurst, Berliner und andere frittierte Speisen verzichten müssten. Rapsöl sei ein geeigneter Ersatz für Sonnenblumenöl.

40 Prozent der Rapsernte werden laut Hessischem Bauernverband zu Speiseöl oder Biodiesel verarbeitet. Rapsöl steht hierzulande mit einem Marktanteil von 40 Prozent auf Platz 1 der Speiseöle, gefolgt von Sonnenblumenöl (29 Prozent) und Olivenöl (16 Prozent).

Zudem könnten durch den sogenannten Rapsschrot, ein Nebenprodukt der Pressung, Lieferengpässe bei Futtermitteln teilweise ausgeglichen werden, sagte Schmal. Der Pressrückstand des Raps wird als eiweißreiches Futter verwendet, etwa für Kühe. 

Preissteigerungen belasten Landwirte

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine beschäftigt die hessischen Landwirte laut Bauernverband dennoch. Preissteigerungen bei Diesel und Düngemittel - von 170 Euro pro Tonne im letzten Jahr auf zuletzt über 900 Euro pro Tonne - machten ihnen zu schaffen.

Für die Ernte dieses Jahres hätten die Landwirte zwar auch noch Dünger zu niedrigeren Preisen kaufen können. "Aber ich blicke mit großen Sorgen auf die Ernte 2023", sagte Schmal. Er gehe davon aus, dass wegen der hohen Preise generell weniger gedüngt und damit auch weniger geerntet werde.

Im Vergleich zum Vorjahr, als für eine Tonne zwischen 350 und 400 Euro gezahlt worden seien, seien zwar auch die Preise für Raps stark gestiegen; der Betrag habe sich mittlerweile nahezu verdoppelt. Wie der Preis im Sommer bei der Ernte sein werde, sei aber noch völlig unklar, so Schmal.

Rapsanbau in Hessen zuletzt gestiegen

Nach einem starken Einbruch 2019 hatte sich der Rapsanbau zuletzt wieder erholt. Wegen der langen Trockenheit hatte sich die Anbaufläche 2019 im Vergleich zum Vorjahr auf 27,5 Hektar halbiert. 2020 lag die Zahl bereits wieder bei 45,4 Hektar, im Folgejahr stieg sie leicht auf 45,8 Hektar. 

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