Volle Züge, Stau auf der A5
Volle Züge, Stau auf der A5 - Pendler im Rhein-Main-Gebiet brauchen oft viel Geduld. Bild © picture-alliance/dpa

32.000 Berufstätige fahren aus dem Main-Kinzig-Kreis nach Frankfurt, 34.000 aus dem umliegenden Kreis nach Darmstadt - und das täglich. Pendlerströme reizen die Verkehrswege in der Region aus. Höchste Zeit für den Umbau, mahnt eine IHK-Studie.

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Es ist sehr viel Bewegung in der Metropolregion Rhein-Main, und das mal mehr, mal weniger in allen Richtungen. Die Region ist stark vernetzt. Rund jeder zweite im Rhein-Main-Gebiet lebt nicht in dem Kreis, in dem er arbeitet. Das hat eine Studie der Industrie und Handelskammer (IHK) ergeben.

Die meisten Pendlerbewegungen gibt es der Studie zufolge innerhalb der Rhein-Main-Region, nur jeder zehnte verlässt den Ballungsraum, um zur Arbeit zu kommen. "Dies ist erfreulich, weil es ein Ausdruck der Wachstumsdynamik ist, führt aber auch zu wachsendem Druck auf allen Verkehrsträgern", sagte IHK-Präsident Mathias Müller bei der Vorstellung der "Stau- und Pendlerstudie 2018" am Dienstag in Frankfurt.

In diese Kreise pendeln die meisten Menschen zur Arbeit

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S-Bahn Frankfurt

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Täglich über eine Million Pendler rund um Frankfurt

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Frankfurt als größte Stadt in der Metropolregion steht erwartungsgemäß im Zentrum aller Pendlerströme. Rund 280.000 Menschen kommen aus der Region zwischen Mainz, Limburg, Vogelsbergkreis, Fulda, Aschaffenburg und Bergstraße täglich zum Arbeiten in die Stadt. Manche kommen sogar von noch weiter her. Insgesamt pendeln täglich mehr als 362.000 Menschen jeden Tag nach Frankfurt hinein.

Dabei verläuft der größte Strom mit knapp 36.500 Menschen aus dem Kreis Offenbach. Aus dem Main-Taunus-Kreis kommen knapp 33.000 Berufstätige nach Frankfurt. An dritter Stelle steht der Main-Kinzig-Kreis: Von dort kommen gut 32.000 Pendler angereist.

Grafische Darstellung der größten Pendlerströme im Rhein-Main-Gebiet
Bild © hessenschau.de

Auch nach Wiesbaden und Darmstadt zieht es täglich Zehntausende zum Arbeiten. Während der größte Strom nach Darmstadt aus dem Kreis Darmstadt-Dieburg anfährt, kommen Wiesbadens Pendler mehrheitlich aus dem Rheingau-Taunus-Kreis.

Aus diesen Kreisen fahren die meisten Menschen zum Arbeiten weg

Ein Kennzeichen der eng vernetzten Rhein-Main-Region ist es, dass Pendlerströme keine Einbahnstraßen sind: Auch bei der Zahl der Menschen, die zur Arbeit in einen anderen Kreis fahren, liegt Frankfurt vorne. Fast 72.000 Berufstätige verdienen ihr Geld in anderen Kreisen: Vorne liegt hier mit gut 17.000 Menschen der Main-Taunus-Kreis. Auch in den Hochtaunuskreis (gut 11.000) und in den Landkreis Offenbach (rund 10.000) zieht es zahlreiche Berufstätige.

Karte zeigt die größten Pendlerströme im Rhein-Main-Gebiet
Bild © hessenschau.de

Aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg, der mit gut 68.000 die zweitmeisten Pendler abgibt, fahren die meisten nach Darmstadt. Aus dem Main-Kinzig-Kreis, den morgens knapp 65.000 Menschen verlassen, kommt fast die Hälfte nach Frankfurt.

Über die Hälfte ist mit dem Auto unterwegs

Zwar wertet die Studie nicht aus, wie viele der Pendler tatsächlich täglich unterwegs sind oder etwa Zweitwohnungen am Arbeitsort haben. Auch schlüsselt die Bundesagentur für Arbeit, auf deren Zahlen die IHK-Studie fußt, nicht auf, mit welchen Verkehrsmitteln die Pendler unterwegs sind. Bundesweit ist der Studie zufolge für 68 Prozent der Pendler das Auto das Verkehrsmittel der Wahl. Die Pendlerströme belasten die Straßen und sorgen für Staus - wie jeder Autofahrer in der Region weiß.

Straße, Schiene - alles ist übervoll

Die IHK stellt in ihrer Studie fest, dass die Kapazitätsgrenzen auf allen Wegen so gut wie erreicht oder mancherorts überschritten seien. Das treffe nicht nur Pendler, sondern auch den Wirtschaftsverkehr. Besonders die A67 zwischen Darmstadt und Mannheim, die A3 zwischen Hanau und Obertshausen und die A5 zwischen dem Nordwestkreuz Frankfurt und dem Bad Homburger Kreuz sind absolute Stau-Hotspots.

S-Bahn-Projekte im Rhein-Main-Gebiet
Geplante S-Bahn-Projekte im Rhein-Main-Gebiet Bild © picture-alliance/dpa

Entspannter geht es auch nicht in den S-Bahnen, Regional- und Fernzügen zu. Die Bahnen in alle Richtungen sind übervoll. Zugausfälle und Verspätungen sind an der Tagesordnung.

IHK-Forderungen decken sich mit vielen Landesprojekten

Die IHK mahnt, die wirtschaftliche Stärke der Rhein-Main-Region sei stark von einer funktionierenden Verkehrsinfrastruktur abhängig. Sie stellt einen Katalog an konkreten Forderungen auf, um die starken Verkehrsströme in den Griff zu bekommen (Studie Seite 13). Sie schlägt einen "Masterplan Mobilität" vor, der alle Verkehrswege umfasst: Straße, Schiene, Wasserstraßen, Flughafen und Radwege.

Eine zentrale Forderung hierbei ist, dass Genehmigungsprozesse für Verkehrsprojekte erheblich beschleunigt werden müssten. Derzeit dauere die Umsetzung wichtiger Projekte viel zu lange. Erfreulich sei, dass die Landesregierung die Mittel etwa für den Landesstraßenbau auf 177 Millionen Euro in diesem Jahr erhöht habe. "Aus unserer Sicht reichen die Finanzmittel aber noch immer nicht aus, um den Sanierungsstau vollständig aufzulösen", sagte IHK-Präsident Müller.

Das Verkehrsministerium betont, die meisten der von der IHK angemahnten Projekte seien bereits in der Planungs- oder Umsetzungsphase. Das Ministerium verweist auf ihren eigenen Masterplan, den sie "Hessenstrategie Mobilität 2035" nennt und der im März 2018 vorgelegt wurde. Bis die ersten Projekte – etwa die Wiederbelebung stillgelegter Bahnstrecken - tatsächlich fertig sind, werden aber noch Jahre bis Jahrzehnte vergehen.

Weitere Informationen

Pendler-Studie 2018

Die "Stau- und Pendlerstudie 2018" wurde von der IHK Frankfurt erstmals für die Initiative "Perform" der Wirtschaftskammern in Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz erstellt. Die statistischen Daten, die der Studie zugrunde liegen, stammen von der Bundesagentur für Arbeit und den Statistischen Landesämtern in Hessen, Bayern und Rheinland-Pfalz (Einwohnerdaten Stand Dezember 2016). Der ADAC Hessen-Thüringen hat die Staudaten geliefert.

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