Szene aus dem Action-Thriller "Tenet", der wieder mehr Leute in hessische Kinosäle lockt.

Wegen des Corona-Mindestabstands können Hessens Kinos nur etwa ein Viertel ihrer Plätze anbieten. Selbst die blieben zuletzt oft leer. Der Blockbuster "Tenet" sorgt nun für Abhilfe – und Forderungen der Betreiber.

Der Agententhriller "Tenet" gibt Hessens Kinos neue Hoffnung. "Der Film hat eingeschlagen wie eine Bombe, es war der beste Start seit Corona", sagt Steffen Presse, einer der drei Gründer und geschäftsführenden Gesellschafter des Kinos "Lumos Lichtspiel & Lounge" in Nidda (Wetteraukreis).

Der Hollywood-Blockbuster habe gezeigt, was den Kinos zuletzt gefehlt habe: "Richtig zugkräftige Filme." Allerdings stoße man nun an die Grenzen der Corona-Beschränkungen. Um wirtschaftlich zu arbeiten, bräuchten Kinos eine Reduzierung der Mindestabstände im Publikum von 1,5 Metern auf einen Meter.

Ein Kino mit einer wegen Corona abgesperrten Sitzreihe

In anderen Bundesländern weniger Abstand nötig

Kein Hilfsprogramm könne fehlende Einnahmen ausgleichen, erklärt auch Erwin Heberling, Geschäftsführer des Film- und Kinobüros Hessen. Das setzt sich seit über 35 Jahren für Filmkultur in Hessen ein. Damit die Kinos wieder auf eigenen Füßen stehen könnten, sei eine Reduzierung des Sitzabstands wie in anderen Bundesländern nötig. "Dann kann man deutlich mehr Zuschauer in den Saal bekommen", sagt Heberling.

Nach dem sogenannten Lockdown hatten Hessens Lichtspielhäuser im Mai wieder öffnen dürfen - was ihnen aber nur bedingt half. Denn die bekannten Filme fehlten. "Neustarts gibt es nur, wenn der gesamtdeutsche Markt zur Verfügung steht", erklärt Heberling. Stattdessen wanderten Blockbuster direkt zu den Streaming-Anbietern ins Internet. Was die Betreiber kleinerer Kinos laut Presse besonders ärgerte: Sie hatten diese Filme vorher auf eigene Kosten beworben.

Wirtschaftlicher Betrieb nicht möglich

Vor der Pandemie lag die Zahl der Kinos bei 129 in 75 hessischen Städten. Nach Einschätzung von Heberling gab es in den vergangenen Monaten keine Kinopleiten. Allerdings seien einige Lichtspielhäuser weiter geschlossen. "Sie öffnen nicht, weil es sich wirtschaftlich nicht rentiert." Bisher könnten die Kinos im Schnitt nur 25 Prozent ihrer Plätze anbieten wegen der Mindestabstände. Ob diese dann auch besetzt werden, sei eine andere Sache.

Das Lumos steht dabei noch gut da. Es gilt aber auch als besonders beliebt, wurde auf der Münchner Filmwoche als "Lieblingskino 2019" ausgezeichnet. 4.000 Besucher habe man je im Juli und August gehabt, erklärt Presse. Vor Corona waren es in diesen Monaten je 14.000. Auch wenn man sich über die Zahlen freue, ein wirtschaftlicher Betrieb sei so nicht möglich - auch nicht mit Filmen wie "Tenet". Doch der Thriller habe etwas geändert, die Filmverleiher füllten wieder ihre Startlisten.

Kinoverband: Aerosolkonzentration niedriger als im Büro

Auch Heberling hält die Abstandsfrage für entscheidend. Das Publikum stehe für eine Rückkehr ins Kino bereit: "Die Kinos haben einen sehr starken Rückhalt bei den Besuchern." Open-Air-Angebote wie das "Sommerwanderkino" des Filmbüros oder die durch die Pandemie entstehenden Autokinos seien eine gute Sache gewesen, aber keine dauerhafte Rettung der Branche. 

Auch der Hauptverband Deutscher Filmtheater HDF Kino hat bereits eine Reduzierung des Mindestabstands gefordert. Er beruft sich auf eine von ihm in Auftrag gegebene Studie, wonach die Konzentration der für die Übertragung von Corona-Viren infrage kommenden Aerosole in bestimmten Kinosälen meist niedriger sei als in einem zum Vergleich herangezogenen Büroraum.

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hessenschau vom 16.07.2020
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