Audio

Audioseite Die Hotelkette Fleming's muss sich verkleinern

Fleming's Hotel Frankfurt-Messe am Abend

Die Luft für Hotels in Frankfurt wird immer dünner: Jetzt schließt auch Fleming's drei seiner Häuser. Nach dem Hessischen Hof trifft es wieder ein privat geführtes Unternehmen. Eine Entwicklung, die die Stadt verändern könnte.

Seit Monaten schon brennt in den drei Hotels der Kette Fleming’s in den Frankfurter Stadtteilen Hausen, Bockenheim und Innenstadt coronabedingt kein Licht mehr. Daran wird sich nicht mehr viel ändern. Ohne Messen und Touristen aus aller Welt fehlen der bekannten hessischen Hotelfamilie die Gäste und das Geld.

Drei Hotels schließen zum 30. September

"Um die Zukunftsfähigkeit der Unternehmensgruppe Flemings Hotels während der Corona-Pandemie und darüber hinaus zu sichern, hat die Geschäftsführung nach intensiver Prüfung die unternehmerische Entscheidung getroffen, diese Hotels zum 30. September dieses Jahres zu schließen", teilt das Unternehmen am Mittwoch mit.

Damit stehen das Flemings Conference Hotel Frankfurt, das Flemings Hotel Frankfurt-Messe, das Flemings Hotel Frankfurt-Hamburger Allee vor dem Aus. Von den insgesamt neun Fleming’s-Hotels in Frankfurt hat nur ein einziges zurzeit für Besucher geöffnet. Eine weiteres Hotel in Zürich wird ebenfalls geschlossen. 65 von rund 650 Mitarbeitern der Kette müssen sich jetzt nach einer neuen Arbeit umsehen.

Hotels im Raum Frankfurt nur zu 20 Prozent belegt

Die Luft wird dünn für Hotels in Frankfurt – nicht nur für Fleming’s: "Wir haben 70 Prozent an Übernachtungen verloren", fasst Ines Philipp von der Tourismus und Congress GmbH Frankfurt die Lage zusammen. "Wir finden es schade, wenn drei tolle Häuser den Markt verlassen.“ 300 Hotels mit 25.000 Betten gab es in der Stadt vor Corona. Geblieben sind Stand jetzt 225 geöffnete Hotels - und deren Betten blieben häufig leer, sagt der Hotel- und Gastronomieverband Dehoga. Im Schnitt sind Hotels im Raum Frankfurt gerade nur zu 20 Prozent ausgelastet.

Das reicht für viele kaum, um ihre Häuser geöffnet zu halten. Intercontinental, das nach eigenen Angaben zweitgrößte Hotel in Frankfurt, lässt seine Türen lieber gleich zu und nutzt die Zeit zum Kernsanieren. Andere sehen gar kein Land mehr.

Familienunternehmen in Not

"Wir erwarten, dass sich gerade viele kleinere Häuser überlegen, ob sie überhaupt einen Neustart wagen", sagt Robert Mangold, Dehoga-Vorstandsmitglied und Chef der Tiger und Palmen-Gastronomie in Frankfurt. Viele Kolleginnen und Kollegen aus der Hotelbranche hätten ihm solche Zweifel während des letzten Lockdowns gespiegelt, sagt er - gerade private Betreiber, Familienunternehmerinnen und -unternehmer. Ihre Namen will er nicht nennen: "Das ist sehr schambehaftet."

Im Jahr 2020 hatte ein großer Name unter den Frankfurter Hotels aufgegeben: Der Hessische Hof, privat geführtes Grandhotel im Art-déco-Stil mit Antiquitäten- und Kunstsammlung aus hessischen Schlössern, musste schließen.

Luminale Nutzerbilder

Das Frankfurter Unternehmen Fleming’s ist bis heute in Familienhand: 2005 eröffnete Ignaz Blodinger sein erstes Hotel. Heute sind es 20 Hotels und Boarding-Houses in Deutschland, der Schweiz und Österreich.

Hinter dem Firmen-Namen steckt eine gern erzählte Anekdote: Anfang der 60er Jahre, so geht die Geschichte, sei Blodinger Chauffeur in New York gewesen. Einer seiner Stammgäste: James-Bond-Erfinder Ian Fleming. Mit ihm habe er so angeregt über "das ideale Hotel" gefachsimpelt, dass er viele Jahre später sein Unternehmen nach ihm nannte: Fleming’s. Heute führt Nachfahre Filip Blodinger die Fleming’s-Kette und muss sich mit Corona-Hygienekonzepten auseinandersetzen.

Dehoga: Corona-Auflagen zu streng

Zwar müssen Gäste seit den jüngsten Lockerungen nur noch einmal bei Anreise einen negativen Corona-Test vorlegen und nicht mehr wöchentlich. Trotzdem bleibe es schwierig, zu streng seien die Regeln, findet Dehoga-Vorstand Mangold: "Wir sind umzingelt von sechs Bundesländern, die alle viel liberalere Öffnungsstrategien gewählt haben als Hessen – sodass zumindest Binnentourismus möglich ist." Er fordert von der Landesregierung, weniger auf Inzidenzen zu schauen als auf Krankheitsverläufe und weiter zu lockern.

Hotel-Sterben könnte Frankfurt verändern

Für die Stadt Frankfurt könnte sich einiges ändern, wenn coronabedingt immer mehr familiengeführte Hotels ihre Häuser schließen müssen, befürchtet Dehoga-Vorstand Mangold: "Es wird eine Konzentration auf große Marken und Konzerne geben" – und das könne einen Unterschied für die Stadt machen: "Weil Familienbetriebe im Miteinender von Frankfurt oft mehr mitwirken, sich engagieren." Ines Philipp von der Tourismus GmbH  hält sich da neutral: "Wir sind froh um jedes Unternehmen, das Konzepte und Ideen in der Stadt einbringt."

Einig sind sich beide in einem Punkt: Dass Geschäftsreisende und Touristen nach der Pandemie womöglich kein Zimmer mehr in Frankfurt finden könnten, sei unwahrscheinlich. "Wenn der Tourismus wieder in Schwung kommt, steigt auch wieder das Angebot", glaubt Philipp. Doch bis es soweit ist, dürfte es noch eine lange Durstrecke für die Hotels in der Stadt werden: "Wir hoffen, dass wir 2025 wieder auf dem Stand von vor der Pandemie sind", sagt Philipp.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen