Audio

Hessische Studierendenwerke planen Preiserhöhungen

Großaufnahme eines Tellers in einer Großküche, auf dem Knödel angerichtet sind. Jemand legt mit einer Zange Feldsalat auf den Teller.

Die gestiegenen Preise für Lebensmittel und Energie treffen auch die Studierenden in Hessen. Eine hr-Umfrage ergab, dass Studierendenwerke in mehreren Hochschulstädten die Preise erhöhen. Ein Überblick.

Nach der Vorlesung in der Mensa günstig zu Mittag essen - das ist für viele Studierende in Hessen Alltag. Doch wie auch viele andere Lebensbereiche wird das studentische Leben aktuell immer teurer. Wie eine hr-Umfrage zeigt, haben Studierendenwerke in mehreren Hochschulstädten die Preise in ihren Mensen erhöht oder planen diesen Schritt gerade. Als Gründe nennen sie unter anderem den Ukraine-Krieg, Umsatzeinbrüche in der Corona-Pandemie und steigende Energiepreise.

Studierendenvertretungen wie der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) in Darmstadt kritisieren die Preiserhöhungen als nicht sozialverträglich und verlangen vom Land Hessen mehr Unterstützung. Was sich an den großen Hochschulstandorten in Hessen ändert, finden Sie hier im Überblick:

Darmstadt: Hauptgerichte 10 Cent teurer

Die TU in Darmstadt

An der TU Darmstadt müssen die Studierenden für ihr Mittagessen ab sofort mehr bezahlen. Das Studierendenwerk hat die Preise für Hauptgerichte in den Mensen um 10 Cent erhöht. Grund dafür seien unter anderem die steigenden Energiekosten und die höheren Lebensmittelpreise. Ohne Preiserhöhung gehe es nicht, erklärte Wolfgang Rettich, Geschäftsführer des Studierendenwerks: "Bei einem Szenario, das weiterhin von vergleichsweise geringen Umsätzen ausgeht, würde sich unweigerlich ein bilanzielles Defizit ergeben."

Eine weitere Belastung kommt auf Studierende zu, die ein Zimmer in den Wohnheimen des Studierendenwerks mieten: Sie müssen ab Juli pro Monat 20 Euro mehr an Nebenkostenpauschale zahlen. Außerdem erhöht das Studierendenwerk den Sozialbetrag, der pro Semester gezahlt wird, ab Sommer des kommenden Jahres von 80 auf 93 Euro.

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der TU Darmstadt ist damit nicht einverstanden. "Wie viele Krisen sollen wir denn noch tragen?", heißt es provokant in einer Mitteilung. Studierende würden oft unter der Armutsgrenze leben und gerieten durch die Preiserhöhungen noch mehr in finanzielle Schwierigkeiten. Tim Lange, Vorstand im AStA der TU, fordert: "Die Landesregierung muss schnellstmöglich Sondergelder freigeben, um weiterhin sozial verträgliche Preise in den Betrieben des Studierendenwerks zu ermöglichen."

Marburg: Essenspreise dürfen um bis zu 25 Prozent steigen

Viele Menschen sitzen auf den Marburger Lahnterrassen.

Auch in Marburg sind die Preise für Gerichte in der Mensa gestiegen. Zum 1. Mai sei die Obergrenze für Preise in der Gastronomie um 25 Prozent erhöht worden, teilte das Studierendenwerk auf Anfrage mit. "Allerdings bewegen wir uns noch weit unterhalb dieser festgelegten Obergrenze", sagte Sprecherin Franziska Busch. "Man kann also nicht sagen, dass wir einfach alle Preise um ein Viertel erhöht haben, sondern wir prüfen sehr genau, wo wir etwas anpassen müssen und tun dies mit Bedacht und dem Wissen, dass Studierende nicht viel Geld zur Verfügung haben."

Man habe kein Interesse daran, das Essen zu hohen Preisen zu verkaufen, so Busch weiter. "Wir sind nicht gewinnorientiert. Unser Auftrag ist die wirtschaftliche und soziale Förderung der Studierenden." Deshalb sei man auf der Seite der Studierenden, die sich gegen hohe Preise aussprechen. "Aber natürlich können wir uns nicht vom Markt abkoppeln, sondern müssen selbst auch einkaufen", erklärte die Sprecherin des Studierendenwerks.

Die Mieten in den Wohnheimen seien bislang nicht erhöht worden. Die Nebenkostenabrechnungen seien abhängig vom Verbrauch und vom Energiemarkt.

Kassel: Preiserhöhungen geplant

Der Uni-Campus der Uni Kassel. An einem Gebäude steht in großen Buchstaben "Universität Kassel".

In Kassel müssen sich die Studierenden demnächst auf Preiserhöhungen in den Mensen einstellen. Das Studierendenwerk teilte auf Anfrage mit, man spüre wie alle Gesellschaftsgruppen die massiven Preisanstiege für Lebensmittel. "Wir werden daher zukünftig nicht mehr darum herumkommen, ebenfalls Anpassungen vorzunehmen", sagte Sprecher Matthias Nothnagel. "In welcher Höhe und Struktur steht noch nicht fest." Das werde auf der nächsten Sitzung des Verwaltungsrates diskutiert.

Erhöhungen bei den Mietnebenkosten habe es auch gegeben: "Diese wurden und werden von uns aber nicht im Nachhinein abgerechnet, sodass Wohnheimbewohnerinnen und -bewohner keine Nachzahlungen fürchten müssen und Planungssicherheit haben", sagte Nothnagel. Die durchschnittlichen Wohnheimmieten lägen in Kassel trotz der Erhöhungen mit rund 280 Euro immer noch deutlich unter der BAföG-Wohnpauschale von 325 Euro.

Ähnlich wie in Darmstadt soll in Kassel der Sozialbeitrag, den die Studierenden pro Semester zahlen, in zwei Schritten zum Sommer 2023 und zum Winter 2023/24 um insgesamt zehn Euro erhöht werden.

Frankfurt: Mieterhöhung um 1,5 Prozent

Zwei Studentinnen gehen auf dem Uni-Campus Westend in Frankfurt auf die Eingangstür des Uni-Gebäudes zu.

Das Studentenwerk Frankfurt hat die Preise in den Mensen bisher nicht erhöht, plant diesen Schritt aber zum Herbst. Auch eine Mieterhöhung um 1,5 Prozent in den Wohnheimen sei geplant, sagte Sprecherin Sylvia Kobus auf Anfrage. Gründe dafür seien auch hier unter anderem steigende Energiekosten und Umsatzeinbrüche durch die pandemiebedingten Schließungen.

Auch der Sozialbeitrag soll im Herbst erhöht werden. "Nichtsdestotrotz achten wir darauf, dass unsere Leistungen für Studierende weiterhin sozial verträglich und damit das Studium bezahlbar bleibt", so Kobus.

Gießen und Fulda: Preiserhöhungen nicht ausgeschlossen

Das Hauptgebäude der Universität Gießen, von unten nach oben fotografiert

Das Studentenwerk Gießen, das auch für die Hochschule Fulda zuständig ist, hat bislang keine konkreten Preiserhöhungen geplant. Der Anstieg der Lebensmittel- und Energiepreise sowie der Transportkosten beeinflusse allerdings die Planungen. "Insofern beobachten wir die aktuellen Kostensteigerungen und werden - wenn nötig - in Absprache mit unserem Verwaltungsrat Preisanpassungen vornehmen", sagte Sprecherin Julia Wintterlin auf Anfrage.

Die Nebenkostenpauschalen in den Wohnheimen würden standardmäßig einmal pro Jahr angepasst. Für 2022 sei das noch nicht erfolgt. "Aktuell liegen über 90 Prozent unserer Wohnheimplätze unter der BAföG-Wohnpauschale von 325 Euro", betonte Wintterlin. Bei den Semesterbeiträgen seien Erhöhungen ebenfalls nicht ausgeschlossen.

Weitere Informationen

Beratungsmöglichkeiten für Studierende in finanzieller Not

Studierende mit finanziellen Problemen können sich an die Beratungsstellen der Studierendenwerke wenden:

Ende der weiteren Informationen
Formular

hessenschau update - Der Newsletter für Hessen

Hier können Sie sich für das hessenschau update anmelden. Der Newsletter erscheint von Montag bis Freitag und hält Sie über alles Wichtige, was in Hessen passiert, auf dem Laufenden. Sie können den Newsletter jederzeit wieder abbstellen. Hier erfahren Sie mehr.

* Pflichtfeld

Ende des Formulars
Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen