Was meinen Sie: Sollte das Radwegenetz in Hessen besser ausgebaut werden, auch wenn das bedeutet, dass Fahrspuren für Autos wegfallen?
Was meinen Sie: Sollte das Radwegenetz in Hessen besser ausgebaut werden, auch wenn das bedeutet, dass Fahrspuren für Autos wegfallen? Bild © infratest dimap/ hessenschau.de

Mehr Radwege – auch auf Kosten von Fahrspuren für Autos? 73 Prozent der Hessen finden das gut, zeigt eine hr-Umfrage. Sogar Autofahrer sind für mehr Platz fürs Rad. Die Politik ist davon nicht überrascht - sie sieht sich bestätigt.

Audiobeitrag
Radweg

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Warum Hessen mehr Radwege braucht

Ende des Audiobeitrags
Weitere Informationen

hessen extra

Mittwoch, 29.05.2019, 18.25 Uhr
Fahrradland Hessen - Utopie oder klimapolitische Zukunft?

Ende der weiteren Informationen

Die Mehrheit der Hessen ist für mehr Radwege und zwar auch, wenn Autos dann weniger Platz haben auf den Straßen. Das ist das Ergebnis einer Studie von Infratest dimap im Auftrag des Hessischen Rundfunks. 73 Prozent sagen, es soll mehr Radwege geben - auch, wenn dann Fahrspuren für Autos wegfallen.

Auch Autofahrer für mehr Radwege

Große Zustimmung gibt es dabei auch unter denen, die selbst im Alltag hauptsächlich mit Auto, Roller oder Motorrad unterwegs sind: 69 Prozent von ihnen wollen mehr Radwege, auch wenn das auf Kosten der Autos geht.

Nur 8 Prozent der Befragten gaben an, im Alltag vor allem Fahrrad zu fahren. Bei ihnen sind 95 Prozent für den Ausbau des Radwegenetzes. 19 Prozent sind mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs, von ihnen wollen 78 Prozent den Ausbau des Radnetzes. Mit dem Auto sind insgesamt 69 Prozent der Hessen im Alltag unterwegs.

Antworten aufgeteilt nach Nutzern - Zustimmung ist blau, Ablehnung lila.
Mehr Radwege auch wenn Autospuren wegfallen? Antworten aufgeteilt nach Nutzern - Zustimmung ist blau, Ablehnung lila. Bild © infratest dimap/ hessenschau.de

Für mehr Radwege trotz Nachteil für Autos

Nur 20 Prozent der Befragten in der Studie sind überhaupt gegen den Ausbau des Radwegenetzes auf Kosten der Autofahrer. Die meisten motorisierten Hessen gibt es unter Anhängern der AfD und FDP, je über 80 Prozent von ihnen gaben an, täglich mit Auto oder Motorrad unterwegs zu sein. Trotzdem stimmten bei FDP-Anhängern 67 Prozent für den Ausbau der Radwege, bei der AfD waren es immerhin fast die Hälfte der Befragten.

Weitere Informationen

Was sie über Umfragen wissen müssen

Was ist eine Fehlergrenze? Was bedeutet eigentlich repräsentativ? Und wie kann ich an einer Umfrage teilnehmen? Die wichtigsten Fragen und Anwtorten zu Meinungsumfragen finden Sie hier.

Ende der weiteren Informationen

Die Infratest-Studie fragte auch nach dem Wohnort der Befragten. Die Zustimmung für mehr Radwege trotz Wegfall von Autospuren schwankt dabei kaum zwischen Bewohnern von Orten mit weniger als 20.000 Einwohnern (70 Prozent) und Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern (74 Prozent).

Zwischen Städten und ländlichen Regionen dürfte es trotzdem einen großen Unterschied geben: Während Frankfurter mit einem Arbeitsplatz in der Stadt zügig auf dem Rad unterwegs sein können, wird das im Vogelsberg oder im Schwalm-Eder-Kreis deutlich schwierig. Hier kann ein Auto für die Mobilität und das Pendeln zum Arbeitsplatz wichtig sein, gerade wenn es wenige Busse und Bahnen gibt.

Al-Wazir: Straßenraum neu aufteilen

Der hr konfrontierte auch Politiker mit den Kernaussagen der aktuellen Umfrage. Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) sieht sie als Zeichen eines Wandels, die Zahlen belegten, dass "sich die Menschen Gedanken über die Zukunft der Mobilität machen". "Wir hatten in den 1960ern und 1970ern die autogerechte Stadt, das ist gleichzeitig eine menschenfeindliche Stadt", sagte Al-Wazir. Jetzt zeige sich: "Wir müssen den Straßenraum neu aufteilen."

Audiobeitrag
Radweg in Baden-Württemberg

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Was passiert, wenn das Fahrrad Vorrang hat?

Ende des Audiobeitrags

Das Land unterstütze Städte und Kommunen mit Fördermitteln zum Ausbau der Radwege. Außerdem verwies Al-Wazir auf das hessenweit geplante Radwegenetz mit insgesamt 2.900 Kilometern und auf zusätzliche Radschnellverbindungen für Pendler.

Darmstadt: Zwei tote Radler 2018

Städte und Kommunen stehen vor großen Herausforderungen. Lkw und Autos brauchen nicht nur Platz, sie werden auch zu einer Gefahr für Fahrradfahrer. Allein im vergangenen Jahr starben in Frankfurt sieben Radler bei Verkehrsunfällen, in Darmstadt waren es zwei. Auf die Gefahren haben in beiden Städten auch die Radentscheide aufmerksam gemacht und versucht, mehr, bessere und geschütztere Radwege mit Bürgerentscheiden durchzusetzen. In Darmstadt wurde der Radentscheid wegen Mängeln im Kostendeckungsplan 2018 für unzulässig erklärt - gleichzeitig wurden allerdings millionenschwere Sonderprogramme angekündigt.

Zum Ergebnis der hr-Umfrage sagte Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne), er sehe darin eine klare Ansage an die Politik. Schritt für Schritt würde in Darmstadt etwas geändert, allerdings gebe es regelmäßig Diskussionen in Politik und Stadtgemeinschaft, sobald der Platz für Autos zugunsten eines Radweges weniger werde.

Kassel: "Da muss sich etwas ändern"

Er sieht die Politik in Darmstadt durch die Umfrage dennoch bestätigt: "Es wird bei der Begrenztheit der Fläche nur so funktionieren, dass wir den motorisierten Individualverkehr weiter ermöglichen, aber zurückdrängen." Auch nach dem Scheitern des Radentscheids arbeite man mit mehreren Radler-Inititativen zusammen, etwa bei der Frage der Sicherheit in besonders gefährlichen Bereichen.

Videobeitrag
Startbild Rad

Video

zum Video Radfahren in Zahlen

Ende des Videobeitrags

Auch der Kasseler Radentscheid scheiterte im April an formalen Fehlern. Verkehrsdezernent Dirk Stochla (SPD) sagt, die hr-Umfrage stütze die Kasseler Politik so wie es auch die tausenden Unterschriften für den Radentscheid getan hätten. "Da muss sich etwas ändern", sagt Stochla, rund drei Millionen Euro seien alleine 2019 für den Ausbau des Radverkehrs in Kassel vorgesehen. "Ich denke, wir haben den Schalter längst umgelegt", sagt er, allerdings brauchten Planung und politische Abstimmungen immer auch Zeit.

Frankfurt: "Radverkehr boomt"

In Frankfurt ist der Radentscheid vom Magistrat im April formal als unzulässig abgelehnt worden. Seitdem saßen Initiatoren mit der Stadt bereits in sieben Gesprächsrunden. Mit den Inhalten habe die Ablehnung gar nichts zu tun gehabt, sagt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) und obwohl er anfangs skeptisch war, sieht er die Gesprächsrunden nun positiv.

Dass 73 Prozent der Befragten in der hr-Umfrage mehr Radverkehr wollen, wundert ihn nicht: "Der Radverkehr boomt, insbesondere in Frankfurt. 18 Prozent der Verkehrswege werden durch Radfahrer eingenommen. Der Druck nach dem Ausbau der Radwege steigt", sagt Oesterling. Es sei schon viel passiert, nun müssten die schwierigen Fälle wie die Friedberger Landstraße und andere Hauptverkehrsachsen angegangen werden.

Sendung: hr-iNFO, 29.05.2019, 06.00 Uhr

Ihre Kommentare Was sollte sich für Radfahrer in Hessen ändern?

103 Kommentare

  • Ich fahre täglich ca. 10 km (einfache Strecke) mit dem Fahrrad um meinen Arbeitsplatz zu erreichen. Durchgängige Radwege, die kein ständiges auf und abfahren von Fußgängerwegen bedeuten würden, wären ein segen für den Rücken und die Langlebigkeit des Fahrrads.

    Fahrradwege auf der Straße mit einer raumlichen Trennung, dass würde ich mir in der Zukunft wünschen. So würde der Kampf zwischen Mensch (Fahrradfahrer) und Maschine (Autofahrer) endlich ein Ende nehmen.

    Und ja, auch ich fahre gerne mal mit dem Auto, aber halt nicht auf die Arbeit :)

  • Die Stadt Wiesbaden wird von den Fahrradfahrern lediglich die Schulnote 4,4 vergeben. Warum

    nicht gleich die Note 6! Diese Stadt ist einfach die reinste KATASTROPHE für Radfahrer!

  • Hessische Radfahrer haben ein ganz anderes Problem,

    Sie schreien rum wegen zu wenig Radwegen und wenn es welche gibt fahren Sie auf der Strasse.

    Was soll man davon halten?

    Natürlich finde auch ich gut wenn es viele oder mehr Radwege gibt aber man sollte auch mal an solche Sachen denken.
    Ob die Radfahrer auch mal Hindernisse auf Bundesstraßen sein können und hier ihr eigenes Leben riskieren und dann sogar die Autofahrer beschimpfen und beschuldigen, was soll das denn.
    Packt euch mal selbst an die Nase.

    Was hier in Deutschland abgeht ist echt unter aller Sau.
    In Holland z.B. gibt es das nicht.
    Da rasen weder die Autofahrer noch blinken Sie in den Kreisel rein.
    Auch hört man nicht das Radfahrer auf Autobahnen unterwegs sind.
    Ach ha, in Fußgängerzonen ist das Radfahren übrigens auch verboten.
    Naja, Hauptsache im Stau gaffen und Fotos machen statt die Rettungsgasse zu bilden, Deutschland ist schon klasse.

Alle Kommentare laden