hrpendler: Teil 2 Auslastung

Fehlende Wagen, überfüllte Bahnen: Jeden Tag quetschen sich viele Pendler in Hessen in S- oder Regionalbahnen. Woran liegt das? Und wie soll sich das ändern? Wir haben Ihre Fragen Verantwortlichen und Experten gestellt.

Videobeitrag

Video

zum Video Pendeln hat auch gesundheitliche Folgen

hrpendler: Gesundheit hessen extra
Ende des Videobeitrags

Volle Züge, verspätete Bahnen und unzureichende Informationsmöglichkeiten: Wer mit dem öffentlichen Personennahverkehr in Hessen unterwegs ist, kennt diese Probleme. In den vergangenen Wochen hat hessenschau.de seine Nutzer gefragt: Was nervt Sie besonders? Wo gibt es dringend Änderungsbedarf? Über 500 Anliegen haben uns erreicht.

Wir haben die spannendsten Fragen an die Verantwortlichen und einen Experten weitergereicht: an den Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV), Knut Ringat, an den Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn für das Land Hessen, Klaus Vornhusen, und an Carsten Sommer, Professor für Verkehrsplanung an der Universität Kassel.

Weitere Informationen

Wer ist für was zuständig?

In Hessen sind drei Verkehrsverbünde für den öffentlichen Personennahverkehr zuständig: der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV), der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN). Innerhalb dieser drei Verbünde gibt es verschiedene Verkehrsunternehmen, die sich um den Betrieb kümmern. Dazu zählen Stadtwerke und Busbetriebe sowie Betreiber auf der Schiene wie die Hessische Landesbahn (HLB) und die Deutsche Bahn, die unter anderem den S-Bahn-Verkehr unterhält.

Ende der weiteren Informationen

Warum sind die Bahnen häufig so voll?

Pendlerin Petra Oerter: "Ich fahre täglich Montag bis Freitag mit der S7 morgens von Walldorf (Groß-Gerau) nach Frankfurt. Einen Sitzplatz gibt es nie. Und stehen kann ich auch nicht vernünftig. Die Gänge in der S-Bahn sind voll von Leuten und oft kann man sich noch nicht mal richtig festhalten."

Das sagt der Verkehrsplaner

Grund für die vollen Züge seien vor allem die wachsenden Einwohnerzahlen, sagt Carsten Sommer von der Uni Kassel. Insbesondere die Stadt Frankfurt wachse massiv und somit auch die Pendlerzahlen. "Das Problem ist, wenn das Angebot nicht mitwächst."

Das sagt der RMV

Diese Aussage unterstützt RMV-Chef Ringat: "Je verdichteter und besiedelter unser Raum wird, desto mehr nähern wir uns den Entwicklungen an, die wir aus asiatischen Städten kennen". Das sei eine normale Entwicklung der Zeit.

Dennoch möchte er genügend Kapazitäten anbieten. Das bedeute zum Beispiel mehr Fahrzeuge. Bis 2020 sollen nach und nach 14 zusätzliche S-Bahn-Fahrzeuge im RMV-Gebiet eingesetzt werden. Daran müsse man anknüpfen.

Das sagt die Deutsche Bahn

Der RMV sei in großem Maße bereit, Verkehre zu bestellen. Daran würden Deutsche Bahn und RMV gemeinsam arbeiten. Vornhusen glaubt, dass immer mehr Pendler auf die Schiene umstellen und sich für das ökologische Verkehrsmittel Eisenbahn entscheiden werden. "Die Infrastruktur wird mitwachsen. Die Politik ist heute bereit, neue Projekte anzupacken."

Warum fehlen Wagen? Wie soll sich das ändern?

Bahnfahrer Daniel Scheich (Neuhof): "Seit Jahresanfang besteht zu den täglichen Verspätungen noch das Problem, dass bei den Zügen regelmäßig Wagen fehlen und sie absolut überfüllt sind. Im Jahresverlauf haben mindestens an 40 Prozent der Tage mindestens zwei Wagen gefehlt oder waren abgeschlossen, da diese defekt waren."

Das sagt der RMV

Der RMV beklagt zunehmend Probleme mit Vandalismus. Das führe häufig dazu, dass einzelne Wagen oder ganze Züge gesperrt oder in Reparatur gebracht werden müssen. Ersatzfahrzeuge gebe es, aber nur begrenzt.

Zu viele Züge anzuschaffen, die nicht aktiv in Nutzung sind, sei nicht wirtschaftlich, so der RMV. "Das was infrastruktur- und fahrzeugmäßig möglich ist, wird von uns bestellt. Mehr können wir erst anbieten, wenn Infrastruktur gebaut wird", sagt RMV-Chef Ringat.

Das sagt die Deutsche Bahn

Der Verkehr sei explodiert. "Das Rhein-Main-Gebiet wächst und belastet die Infrastruktur. Wir kommen an die Grenzen der Möglichkeiten", sagt Vornhusen.

Tut die Politik genug?

Das sagt der RMV

RMV-Chef Ringat ist der Ansicht, dass die hessische Politik beispielhaft für ganz Deutschland ist. Mehr erhofft er sich vom Bund. "Der Bund soll wieder in die Verantwortung für den ÖPNV gehen, aus der er sich herausgeschlichen hat."

Er hofft auf mehr Maßnahmen und Programme für einen Deutschlandtarif. "Wir müssen außerdem schneller bauen. In Zürich zeigt man, dass es funktioniert. Warum soll man das nicht in Frankfurt schaffen", sagt Ringat.

Das sagt der Verkehrsplaner

Kapazitätsprobleme gebe es jeden Tag, vor allem in den Morgenstunden, sagt Verkehrsplaner Sommer. "Der Bund sagt, dass er den Bahnverkehr verdoppeln möchte." Eine Bereitschaft, die Verkehrswende anzugehen, sehe er auf vielen Ebenen noch nicht. Da müsse mehr kommen. "Die Landesregierung in Hessen zeigt diesen Willen durchaus", sagt Sommer.

Infos zum Thema Pünktlichkeit gibt es hier.

#hrpendler - So geht es weiter

Dieser Beitrag gehört zum multimedialen Projekt “#hrpendler”, mit dem der Hessische Rundfunk untersuchen will, wie es den Pendlern in Hessen geht. Während in der ersten Runde vor allem beschrieben wird, wie die Lage bei den ÖPNV-Pendlern ist, wird es Anfang 2019 auch um Autofahrer sowie um mögliche Verkehrskonzepte für die Zukunft gehen.

Ihre Kommentare Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

137 Kommentare

  • Auf meiner Strecke gibt es derzeit leider keine Alternative zum Auto: 24km einfach. Mit dem Auto (wenn alles frei ist): 17 Minuten. Mit Öffis (2 mal Laufen, 2 mal Umsteigen): 59 Minuten. Selbst mit Staus auf der Autostrecke verbrauche ich mit dem Auto immer noch weniger Zeit...

    Das liegt aber fast ausschließlich an der Bus/Bahn Streckenführung...

  • Ich dachte immer Bahnfahrer dürfen Ihr Fahrrad nur mitnehmen, wenn ausreichend Platz ist und es während der Stoßzeiten verboten ist ein Fahrrad mitzunehmen. Mich würde es nicht wundern, wenn die Fahrradfahrer so frech sind, ( wie oben erwähnt ) und sich nicht um das Verbot kümmern. Die meisten Radfahrer sind ja auch farbenblind - Rote Ampeln kennen die überhaupt nicht - und von einer intakten vernünftigen Beleuchtung am Fahrrad haben die meisten auch noch nichts gehört. Hier sollte mehr kontrolliert werden und härtere Strafen ( Geldstrafen und Punkte für den Führerschein ) eingeführt werden
    Außerdem müsste das Bahnpersonal einschreiten und den Radfahrer der S-Bahn verweisen.Aber welches Bahnpersonal - an den meisten S-Bahnhöfen gibt es ja schon lange kein Personal mehr. Und die Fahrradbesitzer, die auch noch frech werden, gehören wahrscheinlich den unteren Schichten an - Manche Mitmenschen sind halt Proleten und haben keine gute Erziehung genossen.

  • Die Radfahrer blockieren gerne in S-Bahnen (S6) oder Stockheimer Lieschen mit Ihrern Rädern Sitze und Bänke, das Ein-und Aussteigen der Reisenden mit und ohne Rad wird dann bei sich füllender S-Bahn zur Chaos-Veranstaltung. Spricht man die Radfahrer darauf an, werden die auch noch frech.

    Merke: Ein Fahrrad ist zum Fahren auf der Strasse da und nicht um die S-Bahn zu verstopfen!

Alle Kommentare laden