Pendler: Thema 3 Kommunikation
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Der Blick auf das Handy oder die Zuganzeige am Gleis sorgt bei Bahnpendlern häufig für Verwirrung. Denn die Informationen sind oft falsch oder widersprüchlich. Wie kommt es dazu? Wir haben Ihre Fragen Verantwortlichen und Experten gestellt.

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Volle Züge, verspätete Bahnen und unzureichende Informationsmöglichkeiten: Wer mit dem öffentlichen Personennahverkehr in Hessen unterwegs ist, kennt diese Probleme. In den vergangenen Wochen hat hessenschau.de seine Nutzer gefragt: Was nervt Sie besonders? Wo gibt es dringend Änderungsbedarf? Über 500 Anliegen haben uns erreicht.

Wir haben die spannendsten Fragen an die Verantwortlichen und einen Experten weitergereicht: an den Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV), Knut Ringat, an den Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn für das Land Hessen, Klaus Vornhusen, und an Carsten Sommer, Professor für Verkehrsplanung an der Universität Kassel.

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Wer ist für was zuständig?

In Hessen sind drei Verkehrsverbünde für den öffentlichen Personennahverkehr zuständig: der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV), der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN). Innerhalb dieser drei Verbünde gibt es verschiedene Verkehrsunternehmen, die sich um den Betrieb kümmern. Dazu zählen Stadtwerke und Busbetriebe sowie Betreiber auf der Schiene wie die Hessische Landesbahn (HLB) und die Deutsche Bahn, die unter anderem den S-Bahn-Verkehr unterhält.

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Warum antwortet der RMV nicht oder nur unzureichend?

Pendler Dieter Pache (Braunfels): "Besonders nervig ist die Behördenmentalität des RMV. Mails werden nicht beantwortet und wenn überhaupt mit nichtssagenden Phrasen."

Das sagt der RMV

In Spitzenzeiten gehen täglich über 1.000 Beschwerden beim RMV ein, sagt Geschäftsführer Knut Ringat. Er verstehe, dass Kunden vernünftig informiert werden möchten, wenn es eine Verspätung oder Ausfälle gebe.

"Wir haben vor ein paar Jahren die 24-Stunden-Hotline eingerichtet, da haben wir den Zugriff verbessert", sagt Ringat. Das Kundenmanagement wachse mit den steigenden Fahrgastzahlen mit. Dennoch sehe er auch einige Schwierigkeiten.

Häufig gebe es Probleme im System, beispielsweise bei der Deutschen Bahn, sodass einzelne Informationen der Bahn dem RMV nicht vorliegen. "Dann können wir nicht konkret darauf eingehen, sondern müssen pauschal darauf antworten", sagt Ringat. Die besten Informationsquellen seien momentan die RMV-App oder der DB-Navigator.

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App soll RMV-Kunden ihr Geld zurückbringen

Die 10-Minuten-Garantie des RMV besagt: Sobald Bus, Bahn oder Tram mindestens zehn Minuten zu spät kommen oder gar ausfallen, kann der Kunde sein Geld zurückverlangen. Doch die Anträge sind meist kompliziert und aufwendig am Computer auszufüllen. Mit der App "LateBack" soll das nun einfacher auch von unterwegs funktionieren. Michael Zierlein und Sebastian Hennig haben die App entwickelt, die es momentan für iOS und Android gibt. Mit nur wenigen Klicks sollen RMV-Kunden ihren Antrag einreichen können. Der Dowload ist kostenlos, ebenso wie eine begrenzte Anzahl von Anträgen pro Monat. Das Abholen des Geldes muss allerdings vor Ort in einer RMV-Servicestelle mit Vorlage des Originaltickets erfolgen.

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Welche Info-Probleme gibt es bei der Bahn?

Bahnfahrer Frank Quadejacob:"Am schlimmsten finde ich die 'Informationspolitik' der Deutschen Bahn. Oft kommen gar keine Informationen. Noch häufiger falsche und sich widersprechende Informationen."

Das sagt die Deutsche Bahn

Der Normalbetrieb sei schon deutlich besser geworden, sagt Vornhusen. Es gebe überall gute Displays an den Stationen und für Störungen ein Dispositionsprogramm. So wisse jeder Mitarbeiter, was informiert werden müsse bei einer Störung. "Jeder weiß zum Beispiel, welche Züge nur bis Rödelheim fahren und welche Züge nicht durchfahren können."

Schwierigkeiten gebe es vor allem bei außergewöhnlichen Situationen, zum Beispiel nach einer Störung wieder in den Normalbetrieb zurückzugehen. "Wir haben pro Stunde 1.300 S-Bahn-Halte an verschiedenen Stationen. Das erfordert gute IT", sagt Vornhusen. Die Informationstechnik werde jedes Jahr besser, aber die Deutsche Bahn sehe durchaus, dass nicht alles rosig laufe. Daran müsse weiter gearbeitet werden.

Wie soll die Kommunkation verbessert werden?

Das sagt der RMV

Die Frage sei immer, wo man sich informiere - über eine App, eine Internetseite, einen anderen Dienstleister oder vor Ort am Bahnhof. "Wir wissen, dass das noch nicht gut genug funktioniert", sagt Ringat. Deshalb arbeite der RMV gemeinsam mit der Deutschen Bahn zusammen daran, dass das Reisendeninformationssystem (IRIS+) verbessert werde. Die Tests dazu liefen schon.

Im kommenden Jahr solle es mithilfe des Systems dann eine bessere und konsistentere Information geben. "Das heißt, es gibt auf allen Kanälen die gleiche Information."

Das sagt der Verkehrsplaner

Es sei wichtig, dass man zwischen den verschiedenen Dienstleistern eine gemeinsame Datengrundlage anbiete. Das Problem sei kein technisches, sondern viel mehr ein kommunikatives. Doch es gebe auch schon gute Informationsquellen. "Die App zum Beispiel bietet ja minutengenaue Auskünfte. Am Gleis werden Verspätungen nur im fünf Minuten Takt angezeigt", sagt Professor Sommer. Da müsse sich etwas ändern.

Weitere Infos finden Sie auch zu den Themen Pünktlichkeit und Auslastung.

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hrpendler: hessen extra Tom Tagebuch

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#hrpendler - So geht es weiter

Dieser Beitrag gehört zum multimedialen Projekt “#hrpendler”, mit dem der Hessische Rundfunk untersuchen will, wie es den Pendlern in Hessen geht. Während in der ersten Runde vor allem beschrieben wird, wie die Lage bei den ÖPNV-Pendlern ist, wird es Anfang 2019 auch um Autofahrer sowie um mögliche Verkehrskonzepte für die Zukunft gehen.

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137 Kommentare

  • Auf meiner Strecke gibt es derzeit leider keine Alternative zum Auto: 24km einfach. Mit dem Auto (wenn alles frei ist): 17 Minuten. Mit Öffis (2 mal Laufen, 2 mal Umsteigen): 59 Minuten. Selbst mit Staus auf der Autostrecke verbrauche ich mit dem Auto immer noch weniger Zeit...

    Das liegt aber fast ausschließlich an der Bus/Bahn Streckenführung...

  • Ich dachte immer Bahnfahrer dürfen Ihr Fahrrad nur mitnehmen, wenn ausreichend Platz ist und es während der Stoßzeiten verboten ist ein Fahrrad mitzunehmen. Mich würde es nicht wundern, wenn die Fahrradfahrer so frech sind, ( wie oben erwähnt ) und sich nicht um das Verbot kümmern. Die meisten Radfahrer sind ja auch farbenblind - Rote Ampeln kennen die überhaupt nicht - und von einer intakten vernünftigen Beleuchtung am Fahrrad haben die meisten auch noch nichts gehört. Hier sollte mehr kontrolliert werden und härtere Strafen ( Geldstrafen und Punkte für den Führerschein ) eingeführt werden
    Außerdem müsste das Bahnpersonal einschreiten und den Radfahrer der S-Bahn verweisen.Aber welches Bahnpersonal - an den meisten S-Bahnhöfen gibt es ja schon lange kein Personal mehr. Und die Fahrradbesitzer, die auch noch frech werden, gehören wahrscheinlich den unteren Schichten an - Manche Mitmenschen sind halt Proleten und haben keine gute Erziehung genossen.

  • Die Radfahrer blockieren gerne in S-Bahnen (S6) oder Stockheimer Lieschen mit Ihrern Rädern Sitze und Bänke, das Ein-und Aussteigen der Reisenden mit und ohne Rad wird dann bei sich füllender S-Bahn zur Chaos-Veranstaltung. Spricht man die Radfahrer darauf an, werden die auch noch frech.

    Merke: Ein Fahrrad ist zum Fahren auf der Strasse da und nicht um die S-Bahn zu verstopfen!

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