Pendler: Thema4 Land

Während Pendler im Rhein-Main-Gebiet über verspätete und überfüllte Bahnen klagen, fehlt in Nordhessen häufig ein ÖPNV-Angebot. Viele fahren deshalb mit dem Auto. Doch wie macht man den ÖPNV auf dem Land attraktiv? Wir haben Ihre Fragen dem NVV und dem RMV gestellt.

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zum Video So ergeht es Pendlern auf dem Land

Pendler: ländlicher Raum
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Volle Züge, verspätete Bahnen und unzureichende Informationsmöglichkeiten: Wer mit dem öffentlichen Personennahverkehr in Hessen unterwegs ist, kennt diese Probleme. In den vergangenen Wochen hat hessenschau.de seine Nutzer gefragt: Was nervt Sie besonders? Wo gibt es dringend Änderungsbedarf? Über 500 Anliegen haben uns erreicht.

Wir haben die spannendsten Fragen an die Verantwortlichen und einen Experten weitergereicht: an den Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV), Knut Ringat, an den Geschäftsführer des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV), Wolfgang Rausch, und an Carsten Sommer, Professor für Verkehrsplanung an der Universität Kassel.

Weitere Informationen

Wer ist für was zuständig?

In Hessen sind drei Verkehrsverbünde für den öffentlichen Personennahverkehr zuständig: der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV), der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN). Innerhalb dieser drei Verbünde gibt es verschiedene Verkehrsunternehmen, die sich um den Betrieb kümmern. Dazu zählen Stadtwerke und Busbetriebe sowie Betreiber auf der Schiene wie die Hessische Landesbahn (HLB) und die Deutsche Bahn, die unter anderem den S-Bahn-Verkehr unterhält.

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Wie kann der ÖPNV auf dem Land verbessert werden?

hessenschau.de-Nutzerin: "Wenn man den Leuten erzählt, wie die Infrastruktur hier ist, denkt man, wir sind auf dem Dorf, wo noch mit der Kutsche gefahren wird."

Das sagt der NVV

NVV-Geschäftsführer Rausch möchte, dass der Nahverkehr im ländlichen Raum attraktiver wird. Das wichtigste sei immer das Angebot. "Die Leute wollen nicht, dass der Bus nur drei Mal am Tag fährt, auch im ländlichen Raum nicht." Ein kontinuierliches Angebot über den ganzen Tag verteilt würde dazu führen, dass auch mehr Leute den ÖPNV nutzen.

Deshalb plane der NVV eine Angebotsoffensive. "Wir wollen, dass auch im ländlichen Raum jede Stunde ein Angebot da ist", sagt Rausch.

Das sagt der RMV

Am Ende sei es eine Entscheidung des Menschen. "Habe ich eine günstige Wohnung im Vogelsberg und muss pendeln. Oder nehme ich die teure Wohnung in Frankfurt und hab den Aufwand nicht", sagt Ringat.

Das Problem sei die Finanzierung des Nahverkehrs in den vergangenen Jahren gewesen. "Wir mussten uns krank sparen. Da haben meine Vorgänger Linien streichen müssen." Heute gebe es Gelder, um neue Buslinien einzusetzen.

Das sagt der Verkehrsplaner:

Um den ländlichen Raum gut anzubinden, sei es wichtig, den ÖPNV dort zu stärken. Verkehrsplaner Sommer glaubt, dass mit einem steigenden Angebot auch die Nachfrage wachse und mehr Leute den ÖPNV nutzen.

Er schlägt vor, Busse im Stundentakt fahren zu lassen und auch bis Mitternacht anzubieten. Umgesetzt werden könne dieses Angebot aber nicht in allen Gemeinden. "Manchmal ist es wirtschaftlich einfach nicht sinnvoll."

Welche konkreten Vorschläge gibt es?

Sabine Hornke (PalliativTeam, Frankfurt): "Eine unserer Kinderkrankenschwestern, die seit fünf Jahren aus der Wetterau pendelt, hat uns in diesen Tagen mit Tränen in den Augen die Kündigung überreicht. Die Situation morgens nach Frankfurt rein hat sich in den letzten zwei bis drei Jahren nochmal so rasant verschlimmert. All ihre Versuche mit dem ÖPNV waren auch bitter enttäuschend, so dass sie jetzt aufgegeben hat."

Das sagt der NVV

"Wir müssen in den Fahrzeiten so schnell sein, dass wir in etwa mit dem Auto mithalten können", sagt NVV-Geschäftsführer Rausch. Er wolle es vermeiden, dass der Nahverkehr so große Schleifen fahre. "Momentan sammeln wir die Leute aus den ganzen Orten ein und die Gesamtfahrzeit wird dann zu lang."

Verbessern ließe sich das, indem der Bus direkter fahre. Zwischendurch könne man Autos auf Abruf einsetzen, mit denen der Fahrgast zum nächsten Bahnhof oder Ort gebracht werden könne.

Das sagt der RMV

RMV-Geschäftsführer Ringat möchte den ländlichen Raum mit mehr Schnellbus-Linien an die Stadt anbinden. Auch Fahrmöglichkeiten auf Abruf sollen stärker eingesetzt werden.

"In der Wetterau wird im nächsten Jahr ein großes Pilot-Projekt des RMV durchgeführt", sagt Ringat. Mit kleineren Linien auf Abruf solle in Zukunft besser auf die Kundenwünsche im ländlichen Raum eingegangen werden.

Das sagt der Verkehrsplaner

Es gebe schon gute Beispiele dafür, dass die Anbindung des ländlichen Raums funktionieren kann. "Ein Erfolgsmodell ist die Buslinie 500 von Bad Wildungen nach Kassel", sagt Verkehrsplaner Sommer.

Dort gebe es regelmäßige Verbindungen und hochwertige Busse mit WLAN. Davon brauche es mehr.

Weitere Infos finden Sie auch zu den Themen Pünktlichkeit , Auslastung und Kommunkation.

#hrpendler - So geht es weiter

Dieser Beitrag gehört zum multimedialen Projekt “#hrpendler”, mit dem der Hessische Rundfunk untersuchen will, wie es den Pendlern in Hessen geht. Während in der ersten Runde vor allem beschrieben wird, wie die Lage bei den ÖPNV-Pendlern ist, wird es Anfang 2019 auch um Autofahrer sowie um mögliche Verkehrskonzepte für die Zukunft gehen.

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137 Kommentare

  • Auf meiner Strecke gibt es derzeit leider keine Alternative zum Auto: 24km einfach. Mit dem Auto (wenn alles frei ist): 17 Minuten. Mit Öffis (2 mal Laufen, 2 mal Umsteigen): 59 Minuten. Selbst mit Staus auf der Autostrecke verbrauche ich mit dem Auto immer noch weniger Zeit...

    Das liegt aber fast ausschließlich an der Bus/Bahn Streckenführung...

  • Ich dachte immer Bahnfahrer dürfen Ihr Fahrrad nur mitnehmen, wenn ausreichend Platz ist und es während der Stoßzeiten verboten ist ein Fahrrad mitzunehmen. Mich würde es nicht wundern, wenn die Fahrradfahrer so frech sind, ( wie oben erwähnt ) und sich nicht um das Verbot kümmern. Die meisten Radfahrer sind ja auch farbenblind - Rote Ampeln kennen die überhaupt nicht - und von einer intakten vernünftigen Beleuchtung am Fahrrad haben die meisten auch noch nichts gehört. Hier sollte mehr kontrolliert werden und härtere Strafen ( Geldstrafen und Punkte für den Führerschein ) eingeführt werden
    Außerdem müsste das Bahnpersonal einschreiten und den Radfahrer der S-Bahn verweisen.Aber welches Bahnpersonal - an den meisten S-Bahnhöfen gibt es ja schon lange kein Personal mehr. Und die Fahrradbesitzer, die auch noch frech werden, gehören wahrscheinlich den unteren Schichten an - Manche Mitmenschen sind halt Proleten und haben keine gute Erziehung genossen.

  • Die Radfahrer blockieren gerne in S-Bahnen (S6) oder Stockheimer Lieschen mit Ihrern Rädern Sitze und Bänke, das Ein-und Aussteigen der Reisenden mit und ohne Rad wird dann bei sich füllender S-Bahn zur Chaos-Veranstaltung. Spricht man die Radfahrer darauf an, werden die auch noch frech.

    Merke: Ein Fahrrad ist zum Fahren auf der Strasse da und nicht um die S-Bahn zu verstopfen!

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