ICE in Kassel Wilhelmshöhe

Bauarbeiten auf der ICE-Strecke zwischen Kassel und Göttingen bringen den Bahnverkehr für fast drei Monate durcheinander. Pendler müssen sich umstellen, Reisen nach Berlin oder Hannover dauern deutlich länger.

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Jules Verne schickte einst einen englischen Traveller in 80 Tagen um die Welt. Die Deutsche Bahn schickt viele hessische Bahnreisende 84 Tage lang in die nordhessische und südniedersächsische Pampa: Ab Samstag wird die ICE-Strecke zwischen Kassel und Göttingen aufgrund von Bauarbeiten nämlich für fast drei Monate gesperrt, wie das Unternehmen mitteilte. Vom 24. April bis zum 16. Juli sind die Schienen für Züge jeglicher Art tabu, die Auswirkungen sind bis Frankfurt spürbar.

Es dauert 40 Minuten länger

Was das genau heißt? Laut Ankündigung der Bahn werden alle Fernverkehrszüge, die für die Strecke von Kassel nach Göttingen im Normalfall rund 20 Minuten brauchen, über Witzenhausen und Eichenberg (Werra-Meißner) umgeleitet. Was nach Spaß und schöner Aussicht klingt, beinhaltet viele Kurven und eher wenige Hochgeschwindigkeits-Passagen. Folge: Alle Passagiere müssen sich auf ein Fahrtzeit-Plus von 40 Minuten einstellen. Betroffen sind unter anderem die Verbindungen Frankfurt-Berlin und Frankfurt-Hannover. Und umgekehrt.

Doch damit nicht genug. Das 40 Kilometer lange Modernisierungsprojekt, das rund 114 Millionen Euro kostet, verändert auch die Gewohnheiten der Berufspendler. Die RegionalExpress-Züge, die Kassel mit Halle, Erfurt, Düsseldorf oder Hagen verbinden, halten ab sofort nicht mehr in Wilhelmshöhe, sondern nur noch am Kasseler Hauptbahnhof. Gleiches gilt für die Regionalbahnen von und nach Korbach (Waldeck-Frankenberg). Etwas durchgeschüttelt werden zudem die RE-, RB- und RegioTram-Fahrpläne. Hier müssen sich die ÖPNV-Nutzer auf veränderte Abfahrtzeiten einstellen, Abweichungen von bis zu 20 Minuten sind möglich.

Die ICE-Trasse Kassel-Göttingen ist wegen Bauarbeiten bis Juli gesperrt.

Bahn saniert das Schienennetz

Und warum das alles? Die Bahn verspricht, künftig noch mehr Menschen und Waren umweltschonend durch ganz Deutschland zu kutschieren. Ein großer Teil der dafür benötigten Sanierungen fällt auf die Schnellfahrstrecke Hannover-Würzburg, nun ist eben das Teilstück Kassel-Göttingen an der Reihe. Sobald die 72.000 Neuschwellen und 95.000 Tonnen Schotter verbaut sind, soll es im Hochsommer wieder in gewohnter Geschwindigkeit vorangehen. Bis dahin sollten sich alle Reisenden vielleicht ein Buch einstecken.

Sendung: hessenschau, 24.04.2021, 19.30 Uhr