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Audioseite Bußgeld wegen illegaler Preisabsprachen bei Musikinstrumenten

Zwei Keyboards sind übereinander auf Stativen montiert - zu sehen ist der Schriftzug von Keyboard-Hersteller Roland und darunter eines von Yamaha.

Händler und Hersteller von Musikinstrumenten müssen 21 Millionen Euro Bußgeld wegen illegaler Preisabsprachen zahlen. Auch ein Keyboard-Hersteller mit Sitz in Rüsselsheim ist darunter.

Es geht um E-Pianos, Effektgeräte für Gitarren, Synthesizer - alles, was ein Musikerherz höher schlagen lässt. Doch die Freude wird getrübt von illegalen Preisabsprachen. Weil Hersteller und Händler über Jahre hinweg Preisabsprachen getroffen oder Mindestpreise kommuniziert haben, verhängte das Bundeskartellamt am Donnerstag ein Bußgeld in Höhe von 21 Millionen Euro. Die Entscheidung ist rechtskräftig.

Die beschuldigten Händler Thomann und Music Store gehören zu den Marktführern in Deutschland. Auch die Hersteller tragen große Namen: Instrumentebauer Yamaha, die für ihre Gitarren bekannte Marke Fender und die Firma Roland, die besonders Keyboards und Gitarreneffektgeräte herstellt. Roland hat seinen deutschen Sitz in Rüsselsheim.

Zu sehen ist eine sehr benutzte, historische braune Stratocaster-Gitarre - auf dieser Gitarre hat früher Jimi Hendrix gespielt

Systematisch Preiswettbewerb über Jahre eingeschränkt

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, teilte mit, Hersteller und Händler hätten über Jahre hinweg systematisch darauf hingewirkt, den Preiswettbewerb gegenüber den Endverbrauchern einzuschränken. "Die Hersteller haben zumindest die führenden Fachhändler Thomann und Music Store dazu angehalten, festgesetzte Mindestverkaufspreise nicht zu unterschreiten", so Mundt in Bonn.

Darüber hinaus haben Händler laut Bundeskartellamt untereinander Absprachen über Preiserhöhungen getroffen - etwa über den Verkaufspreis von Gitarren. Das Verfahren habe nach Hinweisen aus der Branche im April 2018 mit einer Durchsuchung begonnen. Die Behörde lobte, dass die Hersteller und Händler mit den Ermittlungsbehörden kooperiert hätten.

Roland setzte Price-Tracking-Software ein

Keyboard-Hersteller Roland verlangte nach Auskunft des Bundeskartellamts, dass sich Händler an Mindestpreise halten und die Produkte nicht günstiger verkaufen. Dafür habe Roland auch sogenannte Price-Tracking-Software eingesetzt, ein Tool, das Preisschwankungen in Online-Shops aufzeichnet und überwacht. All das dokumentiert der Bericht des Bundeskartellamts über den Fall.

Wenn der Mindestverkaufspreis unterschritten wurde, hätten Mitarbeiter von Roland häufig die Händler Thomann und Music Store gebeten, ihre Verkaufspreise wieder nach oben anzupassen - was diese wohl auch taten. Hätten sich die Händler geweigert, sei in einzelnen Fällen ein Lieferstopp oder eine Änderung oder sogar eine Beendigung des Liefervertrags angedroht worden. Manchmal sei es auch dazu gekommen.

Roland: Nehmen Kartellrecht ernst

Welcher Hersteller oder Händler wie viel von den 21 Millionen Euro Bußgeld zahlen muss, hänge von vielen Faktoren ab, teilte das Bundeskartellamt mit. Wie viel Bußgeld Roland überweisen muss, ist demnach unbekannt.

Die Rüsselsheimer Zentrale von Roland ließ Nachfragen von hessenschau.de am Donnerstag unbeantwortet. Das Unternehmen verwies darauf, dass man das Kartellrecht ernst nehme, und lobte die eigene Kooperation mit den Ermittlungsbehörden.

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