Stoßstange an Stoßstange: geparkte Reisebusse unweit des Frankfurter Hauptbahnhofs
Stoßstange an Stoßstange: geparkte Reisebusse unweit des Frankfurter Hauptbahnhofs Bild © hr

Dutzende Reisebusse stehen zeitweise in einer Straße unweit des Frankfurter Hauptbahnhofs. Die Anwohner sind genervt. Die Stadt will nun für einige Teilstrecken ein Parkverbot aussprechen. Ob das hilft?

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Reisebusse unweit des Frankfurter Hauptbahnhofs

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Reisebus-Chaos in Frankfurt - die Gutleutstraße ist zum wilden Busbahnhof geworden

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Die Gutleutstraße hinter dem Frankfurter Hauptbahnhof. Mehr als 50 Reisebusse stehen allein an diesem Abend am Straßenrand. Meistens seien es aber doppelt so viele, sagt einer, der hier in der Wurzelsiedlung wohnt. Vor allem abends hielten die ständigen Pips-Geräusche der rückwärtseinparkenden Busse alle wach, sagt Anwohner Wolfgang Pirner.

Dazu ließen die Fahrer oft die Motoren laufen, um die Heizung in Gang zu halten, erzählen andere. Das ist regelrechter Terror", sagt Nachbar Gerald Stütz. Die Busse stünden Stoßstange an Stoßstange mit den Autos der Anwohner, so dass sie kaum noch aus der Lücke kämen.

Auch von illegalen Übernachtungen in den Bussen ist die Rede. Aber nicht nur das. Viel schlimmer ist für viele das Müll- und Exkrementeproblem. Die Busfahrer entsorgten die Hinterlassenschaften ihrer Reisenden oft auf der Straße. Mülleimer oder andere Möglichkeiten für das Reinigen der Toiletten gibt es hier nicht. Deshalb seien auch schon Ratten unterwegs.

Verkehrsdezernent für Parkverbotszonen für Busse

Seit Monaten geht das nun so. Nun hat die Politik das Problem aufgegriffen. Die Römer-Koalition hat einen Antrag auf Parkverbot gestellt. Dem will Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) auch nachkommen. Allerdings nur in dem Bereich, in dem tatsächlich auch Menschen wohnen. Oesterling vermutet, dass es sich bei diesen Bussen um Arbeitsmigranten handelt, die aus Polen, Tschechien, Ungarn und anderen Nachbarländern zu ihren Jobs nach Frankfurt gefahren werden. Deshalb parken einzelne Busse auch schon mal ein bis zwei Wochen am Stück dort.

Eigentlich wünscht sich Verkehrsdezernent Oesterling einen richtigen Busbahnhof. "Frankfurt hat es aber in der Vergangenheit versäumt, ausreichend Brachflächen dafür zur Verfügung zu stellen", erklärt er. Am alten Hauptgüterbahnhof, dem heutigen Europa-Viertel oder auch am Ost- und Westhafen hätte es welche gegeben. Doch dort hätten andere ökonomische Interessen Vorrang gehabt, wie Wohnungsbau, Gewerbeflächen und Büros.

Viele Reisebusse auch in der Innenstadt

Das Reisebusproblem betrifft in Frankfurt nicht nur die Gutleutstraße. In der Innenstadt macht sich der Boom für Städtereisen bemerkbar. Neben der Paulskirche stehen die Busse oft in zwei Reihen. Auch am Eisernen Steg stehen mitunter bis zu 25 Busse. Der zuständige Ortsbeirat hat sich schon beschwert. Nun sollen längerfristigere Lösungen her. Dafür macht sich auch der Verein Frankfurter Stadt- und Gästeführer stark.

Im Dezember hatte der Verein den Verkehrsausschuss zu einer Rundfahrt eingeladen und Vorschläge gemacht: Strenge Regeln für das Kurzzeitparken und Gebühren gehören dazu, aber auch alternative Stellplätze. Die sollten aber nicht allzu stadtfern sein, fordert Vorstandsmitglied Mikael Horstmann. Denn das erzeuge zusätzlichen Verkehr.

Bis zur Sommerpause will das Verkehrsdezernat nun weitere Lösungen finden. Denn wie das Müllproblem in der Gutleutstraße gelöst werden kann, ist noch lange nicht klar. "Vielleicht könnte die Stadt Gebühren erheben, um Entsorgungsmöglichkeiten zu finanzieren", überlegt Verkehrsdezernent Oesterling.

Vielleicht kommt aber ja auch irgendwann in Frankfurt ein richtiger Busbahnhof mit richtigen Versorgungseinrichtungen.