Um die Luftqualität zu verbessern, hat sich Frankfurt ein strengeres Tempolimit in der Innenstadt verordnet. Wir zeigen, welche Bereiche davon betroffen sind - und weshalb die Umwelthilfe Tempo 40 für Unsinn hält.

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Frankfurts Autoverkehr wird eingebremst – zumindest ein bisschen. Wie Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) ankündigte, gilt in ausgewählten Innenstadt-Bereichen ab dem 1. Januar eine Höchstgeschwindigkeit von 40 Stundenkilometern. Betroffen seien "Straßen von erheblicher Verkehrsbedeutung", teilte die Stadt am Donnerstag auf Anfrage mit. Welche das sind, zeigen wir in der folgenden Karte. Die Zone reicht vom Main im Süden über die Friedberger Anlage im Osten und die Taunusanlage im Westen bis zum Eschenheimer Tor im Norden.

Karte mit den Straßen, auf denen ab 1.1.2021 ein Tempolimit von 40 km/h gelten soll: Hochstraße, Seilerstraße, Bleichstraße, Lange Straße, Mainkai, Braubachstraße, Battonnstraße, Börsenstraße, Junghofstraße, Stiftstraße, Konrad-Adenauer-Straße, Kurt-Schumacher-Straße, Theatertunnel, Berliner Straße.

Klagen in 30 Städten

Die Maßnahme ist nur bedingt freiwillig: Der Verwaltungsgerichtshof in Kassel hatte vor knapp einem Jahr entschieden, dass die Stadt zur Reduzierung des Stickoxid-Ausstoßes Fahrverbote in kleinen Zonen oder auf bestimmten Strecken prüfen und umsetzen muss.

Das geht auf die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zurück, die in mehr als 30 deutschen Städten Klagen eingereicht hatte. Fahrverbote konnte Frankfurt bislang vermeiden, ein Luftreinhalteplan des Landes Hessen soll dafür sorgen, dass die Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NO2) in Frankfurt auf Dauer und sicher eingehalten werden.

Umwelthilfe fordert Tempo 30 statt 40

Die Umwelthilfe hält die nun angekündigten Maßnahmen für unzureichend, wie ein Sprecher auf Nachfrage erklärte. So fordert die DUH eine innerstädtisch flächendeckende Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h. Eine Reduzierung nur auf 40 Stundenkilometer sei aus Gründen des Lärmschutzes und der Verkehrssicherheit nicht nachvollziehbar. Dabei entspricht dies der Linie von Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne), die argumentiert, man fahre bei Tempo 40 niedertouriger als mit 30 und sorge damit letztlich für weniger Schadstoffbelastung.

Der erlaubte Wert liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft und wurde in der Vergangenheit an einigen Stellen deutlich übertroffen - zuletzt entspannte sich die Lage wegen der Corona-Pandemie aber deutlich. Die Umwelthilfe glaubt nicht daran, dass der Luftreinhalteplan des Landes in Frankfurt entscheidend dagegensteuern kann: "Auch bei der Umsetzung aller geplanten Maßnahmen im Jahr 2021 verbleiben noch 62 Abschnitte mit Grenzwertüberschreitungen." Ein von der DUH gefordertes Fahrverbot für ältere Diesel sei damit noch lang nicht vom Tisch.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 12.11.2020, 16.45 Uhr