Chefin bei einer Präsentation

Frauen sind in den Topetagen kommunaler Unternehmen noch immer stark in der Minderheit. Nicht so in Offenbach: Die Stadt am Main ist bundesweit Spitzenreiterin in Sachen Frauenanteil. Andere hessische Städte schneiden deutlich schlechter ab.

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Offenbach hat einer Studie zufolge bundesweit den höchsten Frauenanteil in den Topetagen kommunaler Unternehmen größerer Städte. Mit 54,5 Prozent ist sogar die Mehrheit der Posten mit Managerinnen besetzt. Das geht aus einer Untersuchung der Zeppelin Universität Friedrichshafen hervor.

Drei hessische Städte schneiden schlecht ab

Die anderen hessischen Städte schnitten deutlich schlechter ab. Während es Kassel noch auf überdurchschnittliche 29 Prozent bringt, waren in Frankfurt im Untersuchungszeitraum April und Mai gerade einmal 10,5 Prozent der Chefposten mit Frauen besetzt. Wiesbaden kam auf 19,2 Prozent, Darmstadt auf 15,2 Prozent.

Damit liegen Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt noch unter dem Bundesschnitt von 19,3 Prozent. Der liegt 1,3 Prozentpunkte höher als noch im Frühjahr 2018.

"Psychologisches Problem" in Frankfurt

Frankfurts Frauenreferentin Rosemarie Heilig (Grüne) kennt die Problematik und führt das schlechte Abschneiden ihrer Stadt auf ein grundlegendes psychologisches Problem zurück: "Gleiche suchen Gleiche." Will heißen: Männer, die in Führungspositionen sind, suchen auch Männer als Nachfolger. Deswegen sei es umso wichtiger, mehr Frauen als Multiplikatoren in diese Positionen zu bringen, sagte sie dem hr.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Offenbach Spitze bei Frauenanteil in kommunalen Chefetagen

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Das gehe aber nur über ein Quotierung. Ziel der Stadt sei es, mittelfristig 30 Prozent aller Führungsstellen mit Frauen zu besetzten, Heilig fordert aber 50 Prozent: "Schließlich sind wir auch die Hälfte." Um dieses Ziel zu erreichen, ermuntert Heilig Frauen, die jetzt schon in Führungspositionen sind, Männern lauter und selbstbewusster entgegenzutreten und für eine bessere Quote zu kämpfen.

Darmstadt rennt eigenem Anspruch hinterher

Auch Darmstadt hinkt den eigenen Ansprüchen weit hinterher: Ein Beschluss der Stadtverordneten aus dem Jahr 2012 sieht vor, den Frauenanteil in den Vorständen und Aufsichtsräten auf 50 Prozent anzuheben. Mit dem Bauverein, dem Energieversorger Entega und dem Eigenbetrieb für kommunale Aufgaben und Dienstleistungen (EAD) sei jedoch bereits ein "wesentlicher Teil der Entscheidungskompetenz" in weiblicher Hand, wie ein Sprecher der von einem grünen OB regierten Stadt dem hr auf Anfrage mitteilte.

In Wiesbaden gibt es ebenfalls noch viel zu tun. "Frauenarbeit hatte bei uns in letzter Zeit nicht die höchste Priorität", erklärte die Frauenbeauftragte Saskia Veit-Prang dem hr das schlechte Abschneiden. Bislang hätten sich die kommunalen Unternehmen lediglich selbst verpflichtet, 30 Prozent der Posten in Aufsichtsräten und Geschäftsführungen mit Frauen zu besetzen.

Das sei allerdings nicht passiert, so Veit-Prang. Dennoch sei sie "guter Dinge", aktuell befasse sich eine Arbeitsgruppe mit der Ausarbeitung eines neuen Verfahrens, um die 30 Prozent auch wirklich zu erreichen. Der neue Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) habe bereits Signale gesendet, das Thema Frauenarbeit höher gewichten zu wollen.

Besonders häufig sind Top-Managerinnen der Studie zufolge in den Bereichen Zoologische Gärten, Landschaftspflege und Naturschutz, Gesundheit und Soziales sowie in Krankenhäusern zu finden. Deutlich geringer ist ihr Anteil unter anderem bei Banken und im Finanzwesen, in Stadtwerken oder in der Abfall- und Entsorgungswirtschaft.

Großer Unterschied zwischen Ost und West

Bei den untersuchten Städten gibt es insgesamt ein deutliches Gefälle zwischen Ost und West. Die östlichen Bundesländer (ohne Berlin) kamen demnach in der Summe auf einen Frauenanteil von 23,8 Prozent (Vorjahr: 22,5 Prozent). Im Westen ohne die Stadtstaaten Hamburg und Bremen waren es 14,3 Prozent (13,5). Die Gründe dafür wurden nicht untersucht.

Weitere Informationen

Studie

Ausgewertet wurden bundesweit 1.463 öffentliche Unternehmen aus 69 Städten, an welchen die Stadt mit mindestens 50 Prozent beteiligt ist. Das sind etwa Stadtwerke oder Krankenhäuser. Verglichen wurden Stadtstaaten, Landeshauptstädte und die vier größten Kommunen je Bundesland. Hier geht's zur Studie.

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Sendung: hessenschau, 16.7.2019, 19.30 Uhr