Klimaaktivisten am Haupteingang der IAA.

Sieben Messestädte wollen die IAA 2021 ausrichten. Die Vorentscheidung fällt am Mittwochnachmittag. Frankfurt bangt um einen Eckpfeiler der regionalen Wirtschaft und will den Verband der Automobilindustrie mit einem modernen Mobilitätskonzept überzeugen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found VDA trifft Vorentscheidung um zukünftige IAA

Besucher auf der IAA.
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"Besser geht es nicht. Ich habe ein gutes Gefühl", sagt Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) nach der Präsentation des Frankfurter IAA-Konzepts beim Verband der Automobilindustrie (VDA) in Berlin. Gemeinsam mit Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), Messechef Uwe Behm und Stefan Weil von der Kommunikationsagentur Atelier Markgraph warb Frank zuvor für den Messestandort Frankfurt als Standort auch für künftige Internationale Automobil-Ausstellungen.

Ob Franks Gefühl nicht trügt und ob es für Frankfurt reicht, um unter die letzten drei Bewerber im Wettbewerb um die zuletzt schwächelnde Messe zu kommen, entscheidet sich am Mittwochnachmittag. Die Konkurrenz ist groß. Berlin, Hamburg, Köln, Hannover, Stuttgart und München - sie alle wollen die IAA 2021 ebenfalls.

VDA nicht erfreut über Proteste von Umweltschützern

Die IAA im vergangenen Jahr am traditionellen Standort Frankfurt lief anders ab als vom VDA erhofft. Zunächst schauten die Beobachter auf auffällige Aussteller- und Besucherrückgänge. Die IAA als PS-Protzshow sei nicht mehr zeitgemäß, hieß es. Dann gab es Ärger, weil Oberbürgermeister Feldmann bei der Eröffnung anders als in den Vorjahren keine Rede halten durfte. Feldmann, OB einer vom Dieselfahrverbot bedrohten Stadt, nutzte die Sozialen Medien und veröffentlichte seinen vorbereiteten autokritischen Text im Internet.

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zum Video Frankfurt im Konkurrenzkampf um IAA

hessenschau vom 26.01.2020
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Nach dem Zoff zum Messestart waren die Verantwortlichen des VDA Tage wieder wenig amüsiert, als rund 25.000 Radfahrer vor den Frankfurter Messetoren anhielten, um für eine Verkehrswende zu demonstrieren. Die Berichterstattung drehte sich überwiegend um die Proteste, die geforderte Verkehrswende und den Schaden für die Umwelt durch neue teure SUVs, die in den Messehallen prominenter als E-Autos präsentiert wurden und von deren Verkauf die Autobranche lebt. Der VDA geriet unter Druck.

VDA nutzt die Krise für einen möglichen Neustart

Doch der Verband nutzte in der Krise den Umstand, dass die Verträge mit der Frankfurter Messe ausliefen. Die Auto-Bosse überlegten sich, dass die IAA einen Neustart brauche. Sie riefen einen Wettbewerb unter deutschen Messestädten aus.

Bei der Suche nach einem neuen IAA-Standort backt der VDA keine kleinen Brötchen. Er forderte die Städte vielmehr auf, ein Konzept vorzulegen. Die IAA soll künftig nicht mehr nur in Messehallen stattfinden. E-Autos, autonome Fahrzeuge und andere Mobilitätsformen sollen in der Innenstadt der Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Stadt, die letztlich zum Zug kommt, soll die von vielen geforderte Mobilitätsmesse umsetzen helfen.

Die Frankfurter Wirtschaft braucht die IAA

Frankfurt und die IAA, das war jahrzehntelang eine feste Verbindung. Taxifahrer, Hotels, Bars, Restaurants, Clubs und das Handwerk verdienten bislang viel Geld mit der IAA. "Allein das Handwerk in Frankfurt und der Region macht mit der Messe rund 100 Millionen Euro", erklärt der Präsident der Handwerkskammer Bernd Ehinger zur wirtschaftlichen Bedeutung der IAA. Im Römer beauftragte Oberbürgermeister Feldmann Wirtschaftsdezernent Frank damit, ein Konzept für die Bewerbung auf die Beine zu stellen.

Modernes Mobilitätskonzept gesucht

Frank holte Kreative, Vertreter von städtischen Ämtern, Politiker und Wirtschaftsförderer an einen Tisch. Gemeinsam erarbeiteten sie in nur sechs Wochen ein Konzept. Unter anderem soll auf einem Teil des Messegeländes eine Auto-Fachmesse mit deutlich mehr Ausstellern als zuletzt stattfinden. Der restliche Teil des Geländes soll für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Die Zäune vor der Festhalle sollen abgeschraubt werden. So soll ein öffentlicher Ort entstehen, an dem Mobilität präsentiert werden kann.

Auf zentralen Plätzen in der Innenstadt wie Hauptwache, Römerberg und Roßmarkt sollen dem Konzept zufolge Testfahrten und Präsentationen stattfinden. "Wir schaffen Raum für eine moderne Mobilitätsmesse bis hin zum öffentlichen Nahverkehr. Dort können sich auch Umweltschützer und die Autoindustrie versöhnen", sagt Markus Frank.

Viele Player ziehen bei der Frankfurter Bewerbung mit. Das Land, verschiedene Verbände, Universitäten, Nachbarkommunen und die regionale Wirtschaft wollen die IAA an ihrem traditionellen Standort halten. Sie verweisen auf die Erfahrung des größten deutschen Messestandorts.

Beim Endkampf geht's ums Geld

Wie der VDA das zukunftsweisende Konzept der Stadt Frankfurt bewertet und ob er sich einen Neustart auch an alter Stätte vorstellen kann, wird sich am Mittwochnachmittag zeigen. Dann legt der Verband der Automobilindustrie fest, welche drei Messestandorte in den Endkampf um die IAA einziehen werden.

In diesem Endkampf geht es vor allem um eins: ums Geld. Der VDA finanziert sich durch die IAA. Er wird also nicht allein darauf achten, wie zukunftsweisend das neue Konzept ist. Er wird auch schauen, an welchem Standort die geringsten Kosten entstehen und der größte Profit zu erzielen ist.

Sendung: hr1, 29.01.2020, 8 Uhr