Wohnhäuser Sportsfield Hanau
Sollen bald abgerissen werden: die Wohngebäude Sportsfield Hanau. Bild © Stadt Hanau

Hanau braucht Wohnraum. Auf einem ehemaligen Militärgelände ist Platz, dort stehen sogar moderne Wohngebäude. Doch statt diese zu nutzen, reißt die Stadt die Häuser ab und macht aus dem Gelände ein Industriegebiet. Bundesrecht verlangt es so.

Audiobeitrag
Wohnblocks Sportsfield Hanau aus der Luft fotografiert

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Sportsfield: Industriegebiet statt Wohnungen

Ende des Audiobeitrags

Das Rhein-Main-Gebiet boomt und Wohnraum ist knapp. Um dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden, versuchen Städte und Gemeinden, neue Wohngebiete zu erschließen. Konversion ist dabei ein wichtiges Thema, also die Umwandlung von ehemaligen Militärarealen in Wohnraum.

Die Stadt Hanau etwa plant, das Gelände "Sportsfield" im Stadtteil Wolfgang zu kaufen, das ist so ein ehemaliges Militärgelände. Doch rechtlich ist es nicht möglich, dort Wohnungen zu bauen – auch wenn sie noch so dringend benötigt werden.

22 Wohnhäuser sollen abgerissen werden

Auf Sportsfield stehen zwar Wohnblocks, in denen früher US-Soldaten mit ihren Familien wohnten. Und diese sind auch relativ modern, denn die Stadt ließ 13 Wohnblocks für einen hohen einstelligen Millionenbetrag zu Flüchtlingsunterkünften umbauen. Anstatt diese Unterkünfte auch in Zukunft als günstigen Wohnraum zu nutzen, sollen insgesamt 22 Gebäude nach Angaben der Stadt abgerissen werden.

Zum Unverständnis vieler Hanauer Bürgerinnen und Bürger. "Schwachsinn! Die Häuser sind doch gut in Schuss", meint zum Beispiel ein Hanauer, der mit seinem Fahrrad an der ehemaligen Kaserne vorbeikommt. Hanaus Stadtentwickler Martin Bieberle zeigt Verständnis: "Ich kann die Leute verstehen. Das ist schon grotesk und mit gesundem Menschenverstand nicht zu fassen."

Wohnblocks liegen zu nahe am Dunlop-Werk

Bieberle betont, die Stadt wolle die Häuser nicht abreißen lassen - sie müsse, die Rechtslage verlange das. "Unser ursprünglicher Plan war es, die Häuser als bezahlbaren Wohnraum zu nutzen. Das Problem ist: Laut Bundesbaurecht werden Konversionsflächen angesehen wie eine grüne Wiese". Und auf der grünen Wiese dürften neue Wohngebiete nicht in unmittelbarer Nähe zu Industrieanlagen ausgewiesen werden, wenn von den Anlagen Lärm- oder Geruchsbelästigungen ausgehen.

In direkter Nachbarschaft zu Sportsfield liegt jedoch das Hanauer Werk des Reifenherstellers Dunlop Goodyear. Weil zudem direkt an Sportsfield die Bahnstrecke Hanau-Fulda verläuft, wären weitere Lärmschutzmaßnahmen notwendig. "Planungsrechtlich ist es deshalb nicht machbar, Sportsfield als Wohnraum zu nutzen", sagt Stadtentwickler Bieberle.

Das Sportsfield soll nun zu einem Industriegebiet werden

Momentan leben in zehn der 13 umgebauten Flüchtlingsunterkünfte noch 815 Menschen. "Der Betrieb dieser Einrichtung wird auch weiterhin aufrechterhalten, so lange es nötig ist", bestätigt Bürgermeister und Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel (SPD). Wo diese Menschen in Zukunft unterkommen sollen, ist noch unklar.

Bis Ende des Jahres will die Stadt das Gelände gekauft haben, 2021 könnten dann die ersten Bagger rollen. Entstehen soll laut Bieberle ein neues Industriegebiet. Denkbar wäre ein Umzug des städtischen Bauhofs mit Sperrmüll- und Wertstoffannahme sowie der Verkehrsbetriebe HSB mit ihrem Busdepot vom Hauptbahnhof auf Sportsfield. Alternativ könnte auch ein Nahversorgungszentrum für die künftigen Bewohner des benachbarten Pioneer-Parks entstehen. Sicher ist nur: Wohnraum wird es auf Sportsfield keinen geben.