Es gibt Anzeichen dafür, dass der Industriepark Höchst im Frankfurter Westen den Besitzer wechseln könnte, die Betreibergesellschaft Infraserv soll wohl verkauft werden. Das verunsichert die Belegschaft und wirft Fragen auch an den Betriebsrat auf.

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Audioseite Große Unruhe im Industriepark Höchst

Der Industriepark in Frankfurt Höchst
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Nach Medienberichten über einen möglichen Verkauf des Industrieparks Höchst vergangene Woche ist die Aufregung beim dortigen Unternehmen Infraserv, das den Park betreibt, groß. Der zuständige Betriebsratschef Matthias Jahn berichtet, er sei in Folge von zahlreichen Mitarbeitern kontaktiert worden. "Sie alle sind von diesen Meldungen höchst beunruhigt." Auch die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie hat nach eigenen Angaben dadurch alle Hände voll zu tun.

Mehrere Medien berichten über möglichen Verkauf

Auslöser für die Aufregung war ein Artikel im Handelsblatt am vergangenen Freitag. "Chemiepark Höchst wird zum Verkauf gestellt", hieß es dort. Die Deutsche Bank sei damit beauftragt worden, einen Käufer für die Betreiberfirma Infraserv zu finden. Als Quelle nannte das Handelsblatt "mit der Angelegenheit vertraute Personen". Es folgten weitere Artikel, auch von anderen Zeitungen. Bislang wurden sie von keiner Seite offiziell bestätigt.

Der Industriepark Höchst ist nach eigenen Angaben einer der größten Standorte für Chemie und Pharma in Europa. Über 90 Firmen mit rund 22.000 Beschäftigten sind dort vertreten.

Betriebsrat will die Wogen glätten

Die Sorgen der Mitarbeiter kann Betriebsratschef Matthias Jahn gut verstehen. Er hält sie aber für unbegründet, weil auch die Infraserv-Geschäftsleitung einen solchen Verkauf bislang nicht bestätigt hat. Ein Argument, dass an den Gerüchten etwas dran sei könnte, könnte nach Jahns Einschätzung sein, dass Infraserv profitabel arbeitet. Deshalb könnten die Anteilseigner Sanofi, Clariant und Celanese auf die Idee kommen, ihre Anteile als Tafelsilber lukrativ weiter zu verkaufen, meint der Betriebsratsvorsitzende. "Allerdings müssten sich die drei dafür einig sein."

Infraserv bietet die Industriepark-Infrastruktur

Gleichzeitig gibt Jahn zu bedenken, dass alle drei Unternehmen am Standort Höchst eigene Produktionsanlagen betreiben. "Das heißt, sie sind darauf angewiesen, dass die Kosten dort für sie planbar bleiben." Denn Infraserv versorgt die Firmen im Industriepark mit Energie und Rohstoffen. Die Betreibergesellschaft bietet also die nötige Infrastruktur - von Stromleitungen bis hin zur Kläranlage. Sie sorgt für Sicherheit, etwa mit einer eigener Werkfeuerwehr. Doch für diesen Service müssen die Unternehmen auf dem Gelände monatlich Miete zahlen.

Verkauf könnte Rattenschwanz nach sich ziehen

Wie hoch eine Miete ausfallen würde, darauf hätten Sanofi, Clariant und Celanese keinen Einfluss mehr, würde der Industriepark an einen neuen Besitzer gehen. Und das Ganze könnte noch weitreichendere Folgen haben, speziell für die 2.700 Mitarbeiter, die bei Infraserv beschäftigt sind, meint Ralf Erkens von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie. "Wir haben schon öfter erlebt, dass in solchen Fällen Tarifverträge und Arbeitsbedingungen in Frage gestellt werden." Deshalb findet er die Sorgen, die nun viele Mitarbeiter umtreiben, "durchaus berechtigt". Er drängt darauf, dass die Gerüchteküche nicht länger brodelt und in der Sache schnell Klarheit geschaffen wird.

Die Zukunft der Industrieparkmitarbeiter wird auch in einer Facebook-Gruppe viel diskutiert, die sich mit den historischen Wurzeln des Frankfurter Stadtteils Höchst beschäftigt. Für die Nutzer spielt der Industriepark, der selbst auf eine über 150 Jahre lange Geschichte zurückblicken kann, eine große Rolle. "Mitarbeiter sind nur noch Manövriermasse für renditeorientierte, anonyme Konzerne", schreibt dort eine Teilnehmerin.

Kein Kommentar, kein Dementi

Zwar hatte die Infraserv-Geschäftsleitung Anfang dieser Woche ein Schreiben an die Beschäftigten verschickt, das dem hr vorliegt. Darin stellte Geschäftsführer Jürgen Vormann klar, der Geschäftsführung würden bislang keine Informationen vorliegen, dass ein derartiger Verkaufsprozess eingeleitet worden sei. Aber er sagte auch: "Es ist Privileg und Verpflichtung eines jeden Anteilseigners, sich zu jedem Zeitpunkt Gedanken über die Zusammensetzung seines Anteils-Portfolios zu machen." Das gelte auch für Anteilseigner von Infraserv.

Sanofi, Clariant und Celanese wollen die Verkaufsgerüchte gar nicht kommentieren. Auch die Deutsche Bank hält sich bedeckt. Ein klares Dementi gibt es nicht.

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