Bad Homburg Sommertour
Mehr Umdrehungen dank App-Unterstützung. Bad Homburg braut Bio-Bier. Bild © hessenschau.de

Der Kronenhof setzt in Sachen Landwirtschaft voll auf Hightech, alternative Energien und ein bundesweit einmaliges Messsystem. Die Produktion eines stimmungserhellenden Nebenprodukts beginnt beim hofeigenen Pferdemist.

Videobeitrag
Die Felder des Kronenhofs in Bad Homburg stehen unter High-Tech-Beobachtung.

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zum Video Dieser Bauernhof setzt voll auf High-Tech

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Innovative Orte in ganz Hessen machen den Alltag ihrer Bewohner mit ausgefallenen Ideen lebenswerter und könnten damit vielen als Vorbild dienen. hessenschau.de und hessenschau waren im Land unterwegs und haben dabei unter anderem solarbetriebene Tuk-Tuks für Tonga, Bio-Bier und eine geplante Insel mit Sandstrand entdeckt. Im Innovations-Check: Bad Homburg.

Ortsbesuch: Der Kronenhof in Bad Homburg

Die Frankfurter Skyline im Blick, die Natur vor der Haustür: Das Hochtaunus-Städtchen Bad Homburg vor der Höhe erfüllt auf den ersten Blick die Wünsche eines jeden Doppelhaushälften-Besitzers: Die Großstadt in fahrbarer Nähe, dazu jede Menge Ruhe und Auslauf für die Kinder. Kurzum: "Ein begehrter Wohnort mit urbanem Leben und dem Charme einer Kurstadt", wie die Stadt auf ihrer Webseite für sich selbst wirbt.

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Vor den Toren der 50.000-Einwohner-Gemeinde steht der Kronenhof. Ein Hofgut mit Pensions-Pferdehaltung, Landwirtschaft und einer eigenen Brauerei. "Die Besonderheit ist, dass wir unser Bier aus eigener Gerste brauen", erklärt Juniorchef Stefan Wagner. Doch dazu später mehr.

Die innovative Idee Nummer eins: Nachhaltigkeit

Seit nun mehr fünf Generationen wird der Kronenhof landwirtschaftlich betrieben. Nachdem das Bestellen der Felder in früheren Zeiten noch den einzigen und über Jahrzehnte hinweg auch wichtigsten Teil der Arbeit einnahm, haben sich die Prioritäten inzwischen etwas verschoben. Das Bild des Hofes wird geprägt von einem großen Biergarten, der Reitanlage und einer Location für Hochzeitsfeiern. Der Hof ist moderner geworden, und mit ihm die Energieversorgung.

"Ich habe Kinder in die Welt gesetzt. Und die sollten mir nicht irgendwann den Vorwurf machen, dass ihr Papi das ganze Öl verbraucht hat", berichtet Seniorchef Hans-Georg Wagner, der "Alternative Energien" als sein Hobby bezeichnet und den Hof nach und nach umrüstete. Ein zunächst mit Rapsöl und bald mit Erdgas betriebenes Blockheizkraftwerk versorgt den Gastronomie-Bereich mit Wärme. Die mit einer 1.645 Quadratmeter großen Photovoltaikanlage bedeckten Dächer bringen den (Öko-)Strom. Alle Reststoffe, die im Stall, der Brauerei oder anderen Gebäuden entstehen, werden wiederverwertet. "Inzwischen sind wir energetisch sehr gut aufgestellt", so Wagner.

Die innovative Idee Nummer zwei: Bauernregeln widerlegen

Bei so viel Pioniergeist in der Energiegewinnung ist es fast schon zwangsläufig und folgerichtig, dass auch das langjährige Kerngeschäft auf den umliegenden Äckern nicht mehr mit überholten Methoden betrieben wird. Heißt: Die gute, alte Bauernregel hat auf dem Kronenhof ausgedient. "Früher hieß es: Ist der Mai kühl und nass, füllt’s dem Bauer Scheun und Fass", sagt Wagner junior schmunzelnd. Er selbst habe zwar auch noch lange an diese Theorie geglaubt, und befreundete Landwirte versuchten ihn noch heute von der Gültigkeit zu überzeugen. "Aber mittlerweile wissen wir eben, dass es nicht mehr so ist."

Die wissenschaftliche Widerlegung der von Wagner zitierten Bauernregel liefert dem Kronenhof die bundesweit einzigartige Ökosystem-Messstation Agroflux der benachbarten Firma LI-COR. Mit einer Kombination aus Ultraschall und Kameraaufzeichnungen "schauen wir den Pflanzen beim Atmen zu", erklärt Projektleiter Frank Grießbaum. Wie viel Wasser verdampft? Wie viel CO2 nehmen die Pflanzen auf? Welche Temperatur hat der Boden? Und vor allem: "Warum sind die Pflanzen an dieser oder jener Stelle so oder so gewachsen? Das können wir erklären."

Frei übersetzt bedeutet das, dass Grießbaum und seine Kollegen genau zeigen können, an welchem Fleck auf dem Feld mehr oder weniger Dünger hin muss und vor allem mehr oder weniger Wasser. Weniger Ressourcen, mehr Ertrag. "Eine klassische Effizienzsteigerung", nennt das der Fachmann. "Und jetzt wissen wir, dass zu viel Wasser und eine zu niedrige Temperatur eben nicht gut sind. Wir haben mit der Bauernregel aufgeräumt", so Wagner.

Die innovative Idee Nummer drei: Biobier aus Pferdemist

Und da trotz fleißiger Mithilfe aus der Wissenschaft jeder Feierabend hochverdient ist und für viele erst dann zu einem echten Feierabend wird, wenn ein frischgezapftes Bier auf dem Tisch steht, schafft der Kronenhof auch an dieser Stelle CO2-neutrale Abhilfe. Der als "Hessens erstes Solarbier" angepriesene Gerstensaft entsteht komplett aus betriebseigenen Ressourcen, die Produktionskette beginnt im Stall und endet im Glas.

Aber der Reihe nach: Die handelsüblichen und von mehreren Vierbeinern freiwillig "hergestellten" Pferdeäpfel dienen als Dünger für die Gerste. Aus der Gerste wird Malz gewonnen. Der Malz wird mit Strom aus der bereits erwähnten Solaranlage zu hellem und dunklem Bier gebraut. Das Bier landet von Menschenhand getragen auf den Tischen und in den Kehlen der Gäste. "Und lecker ist das auch noch", betont Wagner senior.

Unser Fazit: Biergenuss für Mutter Natur

Weniger Wasser verbrauchen, und trotzdem mehr Bier trinken können. Was klingt wie der etwas ausgelutschte Saufen-für-den-Regenwald-Werbeslogan einer überregionalen Biermarke, ist in Bad Homburg Realität. Mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und der Hilfe einer benachbarten Firma schützen Hans-Georg  und Stefan Wagner die Natur, sparen Ressourcen und räumen nebenbei mit Bauernregeln auf. Unser Fazit: Wenn dir die Umwelt dankbar ist, entstand dein Bier aus Pferdemist.