Eine Frau bemalt eine Tasse aus der Höchster Porzellanmanufaktur mit einem historischen Blumenmotiv

Rettung für die Höchster Porzellanmanufaktur: Das Land kauft Teile des Traditionsunternehmens und hat sich mit dem Insolvenzverwalter auf ein zukunftsweisendes Konzept geeinigt.

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Land rettet insolvente Porzellanmanufaktur aus Frankfurt

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Der Insolvenzverwalter der Höchster Porzellanmanufaktur, Frank Schmitt, und das Land Hessen haben sich auf eine Übernahme der Vermögenswerte des Unternehmens geeinigt. Das teilten Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) und Schmitt am Mittwoch mit. Damit solle das historische Erbe der Manufaktur von 1746 erhalten bleiben. Insolvenzverwalter Schmitt sprach von einem "wichtigen Meilenstein in der langen Geschichte der Höchster Porzellanmanufaktur".

Die Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach wird den Angaben zufolge den Betrieb im Frankfurter Stadtteil Höchst mit neuem Konzept weiterführen. Geplant sei die Gründung eines "Institute for Advanced Material Studies". Die Hochschule übernimmt auch den Mietvertrag sowie vier Porzellanmalerinnen und -maler. Vier weitere Beschäftigte aus Verkauf und Verwaltung hingegen müssen gehen.

Für die Vermögenswerte wie zum Beispiel Öfen und die bereits im Juli erworbenen Markenrechte der Manufaktur zahlt das Land nach eigenen Angaben knapp 300.000 Euro. Zusätzlich werde der Etat der HfG um jährlich 1,5 Millionen Euro aufgestockt. Damit würden die Löhne der Belegschaft der Manufaktur und die Miete für das Werksgebäude finanziert, teilte das Land mit.

Insolvenzverwalter: "Wichtiger Meileinstein"

Das Unternehmen stand schon mehrfach vor dem Aus und meldete zuletzt im Juni dieses Jahres Insolvenz an. Die Suche nach einem Investor war danach fehlgeschlagen. 2018 hatte ein asiatischer Investor die Porzellanmanufaktur zunächst gerettet. Unklar blieb am Mittwoch zunächst, wie viele Mitarbeitende dort tätig sind. 2018 waren es noch zehn Beschäftigte.

Die Höchster Porzellanmanufaktur ist nach Meißen die zweitälteste ihrer Art in Deutschland. Nach der aktuellen Vereinbarung soll der Verkauf von Porzellan aus dem Frankfurter Westen in abgespeckter Form fortgeführt werden.

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Für Forschung und Lehre: Land übernimmt Höchster Porzellanmanufaktur

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"Das Land Hessen steht zu seinen Traditionen", sagte Ministerpräsident Rhein. Er sei froh über den Erhalt der weltbekannten Manufaktur, die fortan ein wichtiger Teil der HfG sein werde. Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) betonte, das Wissen um altes Handwerk sei ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung für Gestalterinnen und Gestalter von morgen. Die HfG wolle die langjährige Tradition der Porzellanmanufaktur mit zeitgenössischem Design und moderner Kunst verbinden, den Erhalt der überlieferten Formen und Techniken mit der Entwicklung neuer Ideen und Gestaltungsmöglichkeiten.

HfG-Präsident: "Jahrhundertchance und ein Novum"

Das Konzept sei "ein bislang einzigartiger und zukunftsgerichteter Ansatz, die Tradition und den reichen Erfahrungsschatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Porzellanmanufaktur mit dem Ideenreichtum und der Forschungsarbeit einer Hochschule zu verbinden", sagte Schmitt. Privatwirtschaftlich hätte die Manufaktur kaum überleben können.

Der Weiterbetrieb der Manufaktur sei für die HfG Offenbach "eine Jahrhundertchance und eine einzigartige Zukunftsperspektive", sagte Hochschulpräsident Bernd Kracke. Man sei bereit "für die so spannende wie komplexe Aufgabe, eine traditionsreiche historische Manufaktur mit vitaler Kreativität aus Kunst und Design zu beleben". Für die Lehre und Forschung an der Offenbacher Hochschule sei das ein Novum.

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