Teilnehmer der Frankfurter Webweek
Teilnehmer einer Veranstaltung der Frankfurter Webweek. Bild © Marvin Mendel

Auf der Webweek Rhein-Main treffen sich bis Sonntag Erfinder, Kreative und Menschen aus der IT-Branche. Warum er das Rhein-Main-Gebiet inzwischen für eine Art "Mini-Silicon-Valley" hält, erzählt Mitinitiator Adam Siwy im Interview.

Die Begriffe der Webweek klingen sperrig und sind zumindest für Menschen, die nicht aus der Szene kommen, schwer zu verstehen: Lean Startup Circle, Agile Konferenz, Hacking Work. Doch wer einen Blick in das Innenleben der Tech-Szene des Rhein-Main-Gebiets wirft, wird belohnt.

Zur Tech-Szene gehören PC-Bastler und Software-Programmierer ebenso wie die gehypte FinTech-Szene: Finanz-Startups, die sich auf Innovationen im Banken- und Versicherungssektor konzentrieren. Beim Webmontag Frankfurt trifft sich die digitale Szene alle zwei Monate in der Hausener Brotfabrik und tauscht sich aus. Ein Höhepunkt der Community ist nun die Webweek. Denn für Adam Siwy, einem der Initiatoren, ist "Rhein-Main eine Art Mini-Silicon-Valley".

hessenschau.de: Herr Siwy, was bedeutet die Webweek für Sie?

Adam Siwy: Vernetzung. Communities. Coole Menschen zusammenbringen und kennenlernen, die man bislang vielleicht gar nicht so auf dem Schirm hatte. Mit Leuten aus dem digitalen Raum zum ersten Mal persönlich Bekanntschaft schließen, ins Gespräch kommen, sich zu Fachthemen austauschen. Und das kann auch durchaus ein wenig nerdy werden.

hessenschau.de: Lean, Blockchain - ständig fallen Fremdwörter und Anglizismen. Wie soll man da noch durchblicken?

Siwy: Das ist wirklich ein riesiges Problem. Viele verstehen gar nicht, was diese Wörter bedeuten. Unsere Mission von der Webweek ist es, diese Stichwörter begreifbar zu machen. All die Themen wie "agile Arbeit" oder "Blockchain" kann man hier erleben, bis hin zum “Makertum”, also die Tüftler und Bastler.

Das Schöne an den Communities ist, dass sie in Kontakt mit anderen kommen wollen, und so findet sich immer jemand, der unterstützt und technische Vokabeln übersetzt. So wird auch jemand, der vielleicht fachfremd ist, gut in den Kreis aufgenommen.

hessenschau.de: Immer wieder fällt der Begriff "agil". Was heißt das überhaupt?

Siwy: Die Frage habe ich in den letzten Tagen schon öfter gestellt bekommen. Es bedeutet für mich eine moderne Arbeitsmethodik. Früher gab es eine Vorgabe, bei der die Schritte nach und nach abgearbeitet wurden, und Jahre später war das Produkt fertig. In der modernen Welt kommt er mehr auf Geschwindigkeit an, weswegen beim agilen Arbeiten mehrere Prozesse gleichzeitig bearbeitet und unterschiedlich priorisiert werden.

Das führt dazu, dass man relativ schnell Produkte unters Volk bringt. Man kann somit schneller prüfen, wie der Nutzer das Produkt verwendet und ob das, was man gemacht hat, erfolgreich ist. Zusätzlich arbeitet man dann an dem schon bestehenden Produkt kontinuierlich weiter. Ein wenig so wie bei einer App, die ja auch ständig geupdatet wird.

hessenschau.de: Und was bedeutet der viel gehypte Begriff "Blockchain"?

Siwy: Das Internet verändert sich massiv von einem zentralen Internet mit großen Riesen hin zu einem dezentralen Internet. Und beim dezentralen Internet sind Sicherheit und Vertrauen untereinander wichtig. Die Blockchain ist eine große Datenbank, die viele Transaktionen dezentral speichert und für jeden einsehbar dokumentiert.

Wenn ich Dir beispielsweise Geld überreiche, wird das dort hinterlegt und ist in der Blockchain immer und ewig gespeichert. Die Blöcke sind so aufgebaut, dass sie nicht angreifbar sind.

hessenschau.de: Was zeichnet das Rhein-Main-Gebiet als Standort aus?

Siwy: Wir waren letztes Jahr noch mit der Webweek Frankfurt am Start, doch da haben wir gemerkt, dass wir in einer Region leben, in der auch viel im Äußeren passiert. Darmstadt, Wiesbaden, Gießen ... Die Digitalisierung kann man nicht nur auf einen Standort trimmen, das komplette Rhein-Main-Gebiet vereint sich zu einer Art "Mini-Silicon-Valley".

hessenschau.de: Jetzt mal ehrlich: Ist Frankfurt wirklich mehr als nur eine finanzstarke Spielwiese für Techies?

Siwy: Natürlich ist die FinTech-Szene hier stark, aber es gibt noch viel mehr, was hier drinsteckt. Vieles kommt aus der Finanzwelt, das heißt aber nicht, dass es da nicht noch anderes gibt, schließlich entstanden hier Communities aus den unterschiedlichsten Bereichen, sei es im Bereich der Bastler, Tüftler, aber auch Software-Entwicklung.

Weitere Informationen

Die Webweek Rhein-Main 2018

Die Webweek verteilt sich mit Frankfurt, Gießen, Darmstadt, Wiesbaden, Offenbach und sogar Aschaffenburg auf insgesamt sechs Städte. Sie läuft noch bis zum 27. Mai. Den krönenden Abschluss macht die MAKE Rhein-Main, eine zweitägige Bastlermesse mit Drohnen, Robotern und einer Vorführung durch die Welt der virtuellen Realität. Wer Interesse hat, kann sich noch bis Sonntag selbst ein Bild machen.

Ende der weiteren Informationen

Das Gespräch führte Marvin Mendel.