Trockener Waldboden mit Fichtenbestand

Rund 200 Millionen Euro sollen bis 2023 in die Wiederaufforstung des hessischen Waldes fließen. Am Freitag präsentierte die Landesregierung in Wiesbaden einen Zwölf-Punkte-Plan, mit dem der hessische Forst fit für die Folgen des Klimawandels gemacht werden soll.

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Es sind dramatische Worte, mit denen Experten derzeit den Zustand der hessischen Wälder beschreiben: Katastrophe, Tragödie, Waldsterben. Die Hitzesommer 2018 und 2019, langanhaltende Trockenheit sowie Borkenkäfer und andere Schädlinge haben dem hessischen Forst schwer zugesetzt. Erst vor Kurzem hatte der Waldbesitzerverband von der Landesregierung Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro gefordert, um der Lage Herr zu werden.

Klimastabiler Wald als Ziel

Nun reagiert Wiesbaden. Am Freitag stellten Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) einen Zwölf-Punkte-Plan zum Schutz der Wälder im Klimanwandel vor. Bis 2023 sollen demnach 200 Millionen Euro in die Aufforstung und die Beseitigung von Waldschäden investiert werden. Im selben Zeitraum sollen 100 Millionen Bäume gepflanzt werden. Ziel sei der Aufbau eines "klimastabilen Mischwaldes", erklärten Bouffier und Hinz.

Den allergrößten Teil - 170 Millionen Euro - steuert das Land Hessen selbst bei. Weitere 30 Millionen Euro kommen vom Bund. Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen:

  • Der Landesbetrieb HessenForst erhält für die Jahre 2018 und 2019 jeweils 20 Millionen Euro, von 2020 bis 2025 jeweils 30 Millionen Euro pro Jahr
  • Für Kommunen und private Waldbesitzer werden Soforthilfen in Höhe von 5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt
  • Einrichtung eines Härtefallfonds von einer Million Euro zur Unterstützung von Waldbesitzern bei der Umsetzung zusätzlicher Verkehrssicherungspflichten
  • Die Waldbewirtschaftungs-Gebühren des Landesbetriebs HessenForst für Kommunen werden für die kommenden drei Jahre eingefroren

Zusätzlich will sich die Landesregierung dafür einsetzen, EU-Förderverfahren im Bereich Forstwirtschaft zu vereinfachen. Sie will ein Wiederbewaldungsprogramm für den Staatswalt erarbeiten und die Bundesregierung zu einer Modernisierung des Forstschädensaugleichgesetzes auffordern. Beim Landesbetrieb HessenForst soll die personelle Ausstattung überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

FDP und Linke unzufrieden

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Zwölf-Punkte-Plan soll hessischen Wald retten

11.07.2019, Rheinland-Pfalz, Koblenz: Die Luftaufnahme mit einer Drohne zeigt geschädigte Fichten im rechtsrheinischen Stadtwald von Koblenz. Dürre, Hitze und Schädlinge bringen nicht nur Nadel-, sondern zunehmend auch Laubbäumenden Tod.
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Der Opposition im hessischen Landtag geht der Plan von Schwarz-Grün indes nicht weit genug. Die Linke im Landtag warf in einer Stellungnahme der Landesregierung vor, durch "Versagen bei der Umsetzung der erforderlichen klimapolitischen Maßnahmen" und einer personellen "Kahlschlagspolitik bei HessenForst" den hessischen Wald an den Rand der "ökologischen Insolvenz getrieben" zu haben. Der nun vorgestellte Plan werde dieser Situation nicht gerecht, betonte der forstpolitische Sprecher der Linken, Torsten Felstehausen.

Die FDP gesteht der Landesregierung immerhin "einige sinnvolle und richtige Vorschläge" zu. Dennoch bliebe der Zwölf-Punkte-Plan "hinter unseren Erwartungen und den derzeit gegebenen Notwendigkeiten zurück", erklärte die forstpolitische Sprecherin der Liberalen, Wiebke Knell. Der Plan vernachlässige die privaten und kommunalen Waldbesitzer, obwohl diese 60 Prozent der Waldflächen in Hessen bewirtschafteten.

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Der hessische Wald in Zahlen

Die Waldfläche in Hessen beträgt nach Zahlen des Umweltministeriums etwa 894.000 Hektar - was etwa 42 Prozent der gesamten Landesfläche entspricht. Damit liegt Hessen gemeinsam mit Rheinland-Pfalz an der Spitze der Bundesländer.
Ein Großteil des Waldes gehört dem Land selbst, nämlich 38 Prozent der Fläche. 36 Prozent des Waldes besitzen die Kommunen und ein Viertel ist Privatwald. Insgesamt gibt es in Hessen rund 60.000 Waldbesitzer. Viele davon bewirtschaften nur kleine Waldstücke.

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 23.08.2019, 16.45 Uhr