Die ehemalige Zentrale des Versandhändlers Neckermann in Frankfurt wird inzwischen als Flüchtlingsunterkunft genutzt.
Die ehemalige Zentrale des Versandhändlers Neckermann in Frankfurt Bild © picture-alliance/dpa

Das Neckermann-Areal ist eine der größten Gewerbeflächen Frankfurts. Nach der Pleite des Versandhändlers griff ein türkischer Investor zu und schmiedete große Pläne. Jetzt soll alles verkauft werden.

Als das Versandhaus Neckermann längst am Ende war, kaufte 2014 der türkische Sinpas-Konzern das rund 24 Hektar große Gelände im Frankfurter Stadtteil Fechenheim. Mit der Betreibergesellschaft OSWE Real Estate wollte er auf dem Areal ein internationales Handelszentrum entstehen lassen. Doch nun bahnt sich ein Verkauf der Gewerbefläche an, die zu den größten in der Stadt zählt.

Auf dem türkischen Wirtschaftsportal businessht.com.tr kündigte das Unternehmen seine Absicht an. Man habe mittelfristig eigentlich gar nicht verkaufen wollen, hieß es dort Ende Juni. Nun aber wolle man in Verhandlungen einsteigen, da es mehr als ein Kaufangebot gebe.

Verhandlungen laufen

OSWE in Frankfurt bestätigt den Inhalt der Meldung. Zum Stand der Verkaufsgespräche will sich die Betreibergesellschaft des Neckermann-Areals aber nicht äußern. Der Name OSWE sollte als Abkürzung Programm sein: Ost und West wollte der Mutterkonzern mit seinem Handelszentrum in Frankfurt verbinden. Dazu hatte er für knapp 50 Millionen Euro das Gelände gekauft, auf dem zu Neckermann-Spitzenzeiten bis zu 6.000 Menschen Arbeit fanden.

Innerhalb von zwei Jahren wollte Servet 95 Prozent des Areals vermietet haben, kündigte Geschäftsführer Mahmut Sefa Çelik bei einer Pressekonferenz im März 2014 an. Derzeit liegt die Vermietungsquote nach Unternehmensangaben bei 70 Prozent.

Mietvertrag als Flüchtlingsunterkunft läuft aus

Ein Teil der Auslastung geht auf die vom Land angemietete Erstaufnahme für Flüchtlinge zurück. In einem der Gebäude wurde Wohnraum für bis zu 6.000 Flüchtlinge geschaffen. Der Mietvertrag mit dem Land Hessen läuft Ende des Jahres aus. Seit 2016 wohnen dort schon keine Flüchtlinge mehr.

Prominentester Mieter ist Crytek, einer der größten Entwickler für Computerspiele in Deutschland. Erst vor kurzem hat das Unternehmen seinen Hauptsitz an die Hanauer Landstraße aufs Neckermann-Areal verlegt. Etliche andere Unternehmen wurden durch die vergleichsweise günstigen Mieten für Büroflächen angelockt.

Mehr als ein Haken

Doch das Areal bleibt für jeden Eigentümer eine Herausforderung. Eine angrenzende Chemiefabrik verhindert wegen der vorgeschriebenen Mindestabstände den Bau von Wohnungen, die in Frankfurt so dringend gebraucht werden. Und der nach seinem Architekten Egon Eiermann benannte Haupttrakt steht unter Denkmalschutz. Er kann nur bedingt unter Auflagen heutigen Erfordernissen angepasst werden.

Für die Stadtentwicklung bleibt das Gelände wichtig. "Wir würden uns über jemanden als neuen Eigentümer freuen, der die Industrie- und Gewerbefläche professionell weiter entwickelt", sagt der Frankfurter Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) auf Anfrage.

In der Frankfurter Stadtverwaltung hatte der Kauf durch Servet GYO seinerzeit zu Irritationen und Skepsis geführt. Trotz der Größe der Objekts hätten die Investoren keinerlei Erkundigungen über die Rahmenbedingungen für einen Weiterentwicklung und Bebauung des Areals eingeholt, berichtete etwa die FAZ. Der Kaufpreis habe allerdings geradezu "wie ein Schnäppchen" gewirkt.