Die USA sind der wichtigste Handelspartner Hessens. Bleiben sie das trotz der protektionistischen Handelspolitik unter Präsident Trump? Antworten von Unternehmern, die Ministerpräsident Bouffier auf dessen Nordamerikareise begleiten.

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US-Präsident Donald trump hält eine von ihm unterschriebene Urkunde in die Luft

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Trump und seine Politik - ein Risiko für die Zukunft

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US-Präsident Donald Trumps Politik der Drohungen und Hemmnisse - geheuer ist die keinem der Unternehmer und Politiker in der Delegation bei der Nordamerikareise von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Doch offen kritisch mag sich keiner äußern.

So versichert Dietmar Rieg, der Chef der Außenhandelskammer in New York, die Stimmung bei deutschen Unternehmern sei gut. Allerdings: "Was die Handelspolitik betrifft, ist es schon so, dass es relativ große Unsicherheiten hervorruft." Und in unsicheren Zeiten hielten sich Unternehmen gerne mal mit Investitionen zurück.

Freude über Trumps Steuersenkungen

Trump und seine Politik - also ein Risiko für die Zukunft. Aber noch läuft der Laden, auch für die Hessen. Sagt Ulrich Caspar, der den Hessischen Industrie- und Handelskammertag auf der Delegationsreise vertritt: Er betont, bisher habe Trump im Wesentlichen nur gedroht, nicht gehandelt: "Was ebenfalls positiv ist: Die Steuersenkungspolitik in den Vereinigten Staaten hat die Wirtschaft in den USA zusätzlich befeuert." Damit gebe es eine stärkere Nachfrage nach Produkten aus Hessen.

Vitronic will expandieren, Eckelmann orientiert sich neu

Das spürt auch der Maschinenbauer Vitronic. Mit 1.000 Mitarbeitern ist das Wiesbadener Unternehmen auf Bildverarbeitung spezialisiert. Es baut unter anderem Geräte zur Paketerkennung, die bei großen Paketdiensten zum Einsatz kommen. Verkaufschef Daniel Scholz-Stein sieht sich als Profiteur der Trump'schen Politik: "Wir haben nahezu zehn Prozent Umsatzanteil, den wir in Amerika erwirtschaften. Und wir hegen mit den aktuellen Tendenzen der Reindustrialisierung in den USA sehr große Hoffnung, dass wir dort mehr Potenzial heben können."

Philipp Eckelmann von der Wiesbadener Eckelmann AG, spezialisiert auf Maschinen- und Anlagenautomation, dagegen ist skeptisch: "Damit wir als mittelständisches Unternehmen in den USA mehr Geschäft machen, würden wir uns einfach wünschen, dass sich Handelshemmnisse in der Zukunft abbauen. Das ist in der aktuellen Lage nicht zu erwarten." Eckelmann orientiere sich daher stärker nach Asien und habe derzeit nicht vor, nennenswert in den USA zu investieren.

Werben um Dependancen von US-Banken

Für Ministerpräsident Bouffier bleibt die Verbindung zwischen Hessen und den USA eng - unabhängig vom jeweiligen Präsidenten. "Die USA sind unser stärkster Handelspartner. Über die Hälfte unseres Wohlstands bekommen wir in Hessen durch den Export", sagt Bouffier: "Wenn wir den erhalten wollen, müssen wir uns darum kümmern."

Also wirbt der hessische Regierungschef, wo er kann. Sein Ziel: Geschäft und Arbeitsplätze nach Hessen holen. Bouffier hat deshalb erneut Vertreter der US-amerikanischen Großbanken getroffen. Damit sie - Stichwort Brexit - Arbeitsplätze von London nach Frankfurt verlagern.

Bouffier träumt vom Quanten-Computer

Aber Bouffier will mehr: "Inhaltlich geht es um Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, da sind wir hier am Ort des Geschehens." In den USA und in Kanada wollen Bouffier und seine Delegation herausfinden, in welchen Bereichen man dort der Heimat voraus ist und wovon heimische Unternehmen profitieren können.

Das gilt zum Beispiel für das Geschäft mit Daten und Rechnern, das Bouffier fördern will. Schon jetzt liege rund ein Viertel der Rechnerkapazitäten Deutschlands in Hessen, berichtet der Ministerpräsident. Er hofft darauf, dass bald der erste Quanten-Computer Europas in seinem Bundesland stehen wird.

hr-iNFO, 11.07.2019, 15.20 Uhr