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Audioseite Gastronomen schlagen Alarm

In einem Restaurant im Berliner Stadtteil Friedrichshain stehen die Stühle auf den Tischen.

Im Gastgewerbe ist die Angst vor einer Corona-Pleitewelle groß: Jedem fünften Betrieb drohe in diesem Jahr das Aus, warnen Branchenvertreter und fordern eine schnellstmögliche Öffnung. Unterstützung erhalten sie auch aus der Politik. Jetzt kommt das Thema auf die Landtagsagenda.

Während sich bei schönem Wetter schon jetzt Dutzende Menschen in Parks, auf öffentlichen Plätzen oder Flaniermeilen auf der Suche nach Gemeinsamkeit drängeln, herrscht in der Gastronomie weiterhin gähnende Leere. Die seit Anfang November geltenden Corona-Regeln machen den Betreibern von Restaurants, Kneipen und Bars im wahrsten Sinne des Wortes einen Strich durch die Rechnung – von Hotels ganz zu schweigen.

Bis auf Weiteres geschlossen, heißt es in der Branche, die sich vor dem erneuten Lockdown wie kaum eine andere um Hygiene- und Abstandskonzepte, Kapazitätsbeschränkungen und Namenserfassungen bemüht hatte. Anders als in den großstädtischen Freiluft-Hotspots wäre hier eine Kontrolle der Corona-Maßnahmen zumindest denkbar, argumentieren viele Gastronomen.

Gastronomen fordern "belastbaren Fahrplan"

Hotel- und Gaststättenverband Dehoga und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) forderten am Mittwoch in Wiesbaden einen "echten und belastbaren Fahrplan" für die vollständige Öffnung der Branche. Die Landesregierung müsse die Nöte der 18.000 Betriebe mit ihren rund 185.000 Beschäftigten in Hessen ernstnehmen und sich für einen erweiterten Stufenplan einsetzen.

In den von Bund und Ländern erarbeiteten Lockerungsschritten war die Gastronomie zuletzt kaum berücksichtigt worden. Bei gutem Pandemieverlauf ist laut aktuellem Plan demnach zunächst ein Betrieb der Außenbereiche unter Einschränkungen wie Terminbuchungen und Schnelltests vorstellbar. Von Innenräumen war bislang ebenso wenig die Rede wie von der Hotellerie. Ob es bei den nächsten Gesprächen zwischen Länderchefs und Kanzlerin am 22. März zu konkreteren Beschlüssen kommen wird, ist unklar.

Jedem Fünften droht die Pleite

Doch genau das fordert die Branche nun mit Nachdruck. Ansonsten drohe dem hessischen Gastgewerbe eine Pleitewelle, warnen Dehoga-Präsident Gerald Kink und der Geschäftsführer der NGG-Region Rhein-Main, Peter-Martin Cox. Der Anteil der insolvenzgefährdeten Unternehmen liege nach Berechnungen derzeit bei etwa 13 Prozent und könnte im laufenden Jahr noch auf rund 20 Prozent ansteigen. Jedem fünften Gastronomen droht damit die Pleite.

Die mögliche Öffnung der Außenbereiche reiche für die gebeutelte Branche nicht aus, kritisieren Kink und Cox – und erhalten in ihrer Forderung auch politische Unterstützung. "Mit jedem Tag, an dem die Gastronomie geschlossen bleibt, stehen mehr Existenzen und Arbeitsplätze auf dem Spiel", warnt der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Stefan Naas, und fordert eine sofortige Öffnung der Gastronomie. Das Thema soll auf Antrag der Liberalen kommende Woche im Landtag zur Sprache kommen.

FDP: Alle Mittel nutzen

Man brauche eine Öffnungsstrategie, die sich am tatsächlichen Infektionsrisiko und am Impffortschritt orientiere, so Naas. Wenn alle Mittel, wie die Einhaltung der AHA-Regeln, Testkonzepte oder elektronische Kontaktnachverfolgung vernünftig eingesetzt würden, "gibt es keinen Grund mehr, die Gastronomie geschlossen zu halten", fordert der FDP-Abgeordnete.

Bei Dehoga und NGG plädiert man zudem für eine schnellstmögliche Impfung in der Branche. Da in der dritten Impfgruppe die Beschäftigten des Lebensmitteleinzelhandels aufgeführt seien, könne diese Eingruppierung wegen einer ähnlichen Nähe zu den Kunden auch für die Mitarbeiter des Gastgewerbe gelten.

Sendung: hr-iNFO, 10.03.2021, 14 Uhr