Die Gründer vom Start-up mAIdical: v.l. Pauline Polka und Marvin Kreft.

Beim Augenarzt die Netzhaut scannen lassen - und diese Daten dann mit 80.000 anderen abgleichen, um frühzeitig Augenkrankheiten zu erkennen. Das ist die Geschäftsidee eines Frankfurter Gründerteams. Es setzt dabei voll auf Künstliche Intelligenz.

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Pauline Polka, Gründerin von mAIdical
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Unternehmensidee

Pauline Polka möchte Augenkrankheiten schneller erkennen. "Der Augenarzt ist ein echter Mangelberuf", sagt die 32-Jährige. Die Ausbildung von Augenärzten steige zwar, die Risikogruppe nehme aber doppelt so schnell zu. An der Goethe-Universität in Frankfurt hat sie gesehen, dass Künstliche Intelligenz ein Lösungsansatz ist. Bei einem Seminar lernte sie mithilfe von Künstlicher Intelligenz Lungenkrankheiten zu identifizieren. Das motivierte sie, sich auch andere Bereiche anzuschauen.

Deshalb sprach sie mit einem befreundeten Augenarzt und fragte ihn, ob Künstliche Intelligenz nicht auch in der Augenheilkunde helfen könnte. Der fand ihre Idee gut. Daraufhin gründete Polka gemeinsam mit Medizin-Student Marvin Kreft ihr eigenes Unternehmen: mAIdical. Der Name mAIdical soll die medizinische Seite mit der Künstlichen Intelligenz, englisch Artificial Intelligence (kurz: AI), verbinden.

Das Unternehmen konzentriert sich auf die Makuladegeneration- eine weit verbreitete Augenkrankheit, bei der der Sehnerv im hinteren Bereich des Auges angegriffen wird. Im Verlauf der Krankheit kommt es zu einem fortschreitenden Sehverlust.

Konzept

Mithilfe Künstlicher Intelligenz möchte mAIdical diese Erkrankung erkennen. Dazu muss der Patient sich vor ein so genanntes OCT-Gerät setzen, das einen Scan des Auges erstellt. Dieser Scan wird mit 80.000 Bildern von gesunden und kranken Patienten verglichen. Dafür hat das Gründerteam ein neuronales Netz trainiert. Die Künstliche Intelligenz klassifiziert diese Netzhautscans und schaut, ob ein Patient gesund, krank oder gefährdet ist.

Ein digitaler Anamnese-Bogen überprüft zusätzliche Risikofaktoren wie Diabetes oder rauchen. Wenn eine grüne Ampel leuchtet, ist der Patient gesund. Bei einer orangenen Ampel sollte er regelmäßig zur Vorsorge, bei einer roten möglichst schnell zum Arzt. So sollen nur noch die Patienten einen Augenarzt sehen, die krank oder gefährdet sind. Augenärzte sollen damit entlastet werden. "Wir erreichen mehr als 96 Prozent Genauigkeiten. Das ist besser als der Augenarzt", sagt Gründerin Pauline Polka.

Schon jetzt stehen die benötigten OCT-Geräte bei vielen Augenärzten. "Sie lassen sich aber auch beim Optiker oder im Seniorenheim einsetzen", sagt Polka. Ein solches Gerät koste ab 55.000 Euro. Die Überprüfung der Augenkrankheit inklusive Auswertung dauere um die zehn Minuten.

Aktueller Stand und Blick in die Zukunft

Zurzeit befindet sich mAIdical noch in der Gründungsphase. Die beiden Gründer sind auf der Suche nach Ärzten, Geräteherstellern und Optikern. "Wir möchten natürlich unseren ersten Kunden bekommen", sagt Polka.

Außerdem möchte sie gerne eine Forschungskooperation finden. Denn neben der Makuladengeneration soll auch der Grüne Star mithilfe des Systems erkannt werden.

Team und Finanzierung

Ein Portrait der GründerInnen von Maidical.

Gründerin von mAIdical ist Pauline Polka. Sie hat als Umweltingenieurin gearbeitet und zuletzt ihr Zweitstudium der Wirtschaftswissenschaften abgeschlossen. Sie arbeitet aktuell Vollzeit im Unternehmen. Mitgründer Marvin Kreft studiert Medizin im 7. Semester. Der 21-Jährige hat schon während der Schulzeit Kontakt zu Pharmazie und Medizin aufnehmen können.

Finanziert wird das Unternehmen durch das Hessen Ideen Stipendium mit monatlich 2.000 Euro. Für andere Stipendien möchten sich die beiden Gründer bald bewerben. Außerdem ist MAIdical einer der Halbfinalisten beim Hessischen Gründerpreis.

Einschätzung der Start-up-Expertin

Katrin Burmeister-Lamp, Professorin für Entrepreneurship (Unternehmertum) an der EBS Universität in Wiesbaden, sieht in der Idee Potenzial. "Die Technologie und das System scheinen gut zu funktionieren", sagt sie.

Die größte Herausforderung sei es, geeignete Partner zu finden. "Wenn man etablierte Ärzte und Kliniken überzeugen kann, dann folgen schnell andere", sagt Burmeister-Lamp. Dazu müsse man das Geschäftsmodell eventuell anpassen. "Eine Idee wäre, die OCT-Geräte leasen zu können. Dann sind die Investitionskosten verteilt", sagt sie.

Weitere Informationen

Serie: Vorgestellt - Junge Unternehmen in Hessen

In unserer Serie "Junge Unternehmen in Hessen" stellen wir vier Start-ups aus Hessen vor. Diese unterscheiden sich in der Unternehmensbranche und in der Phase, in der sie sich gerade befinden. Während zwei Unternehmen bereits an den Markt gegangen sind, steht eines kurz davor und ein anderes ist noch in der Gründungsphase. Bisher sind erschienen:
- Frankfurter will Werbung in Games revolutionieren
- Darum ist Offenbach für Start-ups ein besseres Pflaster als Kassel
- Wo Kinder Roboter programmieren lernen
- Mehr Ernte mit Darmstädter App

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