Das Unternehmen Solorrow möchte Landwirten ihre Arbeit mit einer App erleichtern.

Das Darmstädter Unternehmen Solorrow möchte Landwirten helfen, ihre Ernte-Erträge zu steigern. Die Idee: Eine App, die in wenigen Schritten analysiert und erklärt, wie ein Landwirt seine Ernte verbessern kann.

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zum Video Fünf Fragen an Gründer Lionel Born

Solorrow-Gründer Lionel Born mit Produktmanagerin Laura Stephan
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Unternehmensidee

Ob auf dem Trecker oder im Kuhstall - Computer-Anwendungen sind längst in der Landwirtschaft angekommen. Automatisierte Fütterungsautomaten und Landmaschinen sind bei vielen Bauern vorhanden. "Für große Höfe gibt es viele Möglichkeiten", sagt Solorrow-Mitarbeiterin Laura Stephan. Für kleinere Höfe seien diese oft zu teuer oder zu kompliziert.

So entstand die Idee, eine moderne und möglichst einfache App für Landwirte zu entwickeln. "Wir möchten Processing Farming für jeden Landwirt möglich machen", sagt Produktmanagerin Stephan.

Konzept

Mithilfe von Satellitenbildern der vergangenen fünf Jahre ermittelt das System die Felder der Bauern. In einem ersten Schritt können Landwirte ihre Adresse eingeben oder ihr Feld auf der Landkarte suchen. Anschließend wird das Wachstumspotenzial des Felds anhand der Satellitenbilder analysiert. So kann der Nutzer sehen, an welchen Stellen viel produziert wurde und wo eher wenig.

Zonen, in denen die Wachstumsdichte in den vergangenen fünf Jahren hoch war, sind grün. Bereiche, in denen eher wenig wächst, werden braun dargestellt.

In einem nächsten Schritt können Landwirte ihre Maschine und die durchschnittliche Dosierung auswählen, die sie zum Beispiel beim Düngen verwenden. Im letzten Schritt soll die App dem Nutzer helfen, den Ertrag zu steigern und macht Vorschläge, wie das am besten passieren kann.

Bei dem "Fahrmodus" bekommen Landwirte ihren Standort und die Düngermenge angezeigt.

Hat der Landwirt eine computergestützte Maschine, kann er den erstellten Düngungsplan direkt dorthin übertragen. Ansonsten bietet die App einen "Fahrmodus". Die App zeigt dem Landwirt den GPS-Standort an und wie viel Ausbringungsmenge dort benötigt wird. Das Ziel: Die Bauern sollen ihre Ernte steigern und ihre Kosten senken können.

Der Download der App und das Einpflegen von bis zu zwei Feldern sind kostenlos. Für weitere Felder benötigt der Landwirt ein Abo: für 50 Euro im Monat oder knapp 400 Euro im Jahr.

Aktueller Stand und Blick in die Zukunft

Eine erste Version der App ist Ende 2017 an den Start gegangen. Seitdem hat sich die App stark verändert, bekommt mittlerweile monatlich ein Update. Aktuell haben über 5.400 Menschen Solorrow heruntergeladen. "Wir reden täglich mit Landwirten und besuchen sie auf ihren Höfen, um ein Feedback zu bekommen", sagt Produktmanagerin Laura Stephan.

Bei den Gesprächen seien auch die nächsten Ideen für die Zukunft entstanden. Man wolle bis Ende des Jahres zusätzlich zur App eine Webversion anbieten. Außerdem plane man den "Fahrmodus" weiterzuentwickeln und neue Maschinen einzuspeisen.

Aktuell kann die App in 22 europäischen Ländern genutzt werden. "Wir bekommen Anfragen aus vielen Ländern", sagt Laura Stephan. Die Gründer hoffen, dass Solorrow im kommenden Jahr weltweit verfügbar sein wird.

Team und Finanzierung

Das Team vom Darmstädter Start-up Solorrow.

Gegründet wurde Solorrow von vier Personen, die sehr unterschiedliche Kenntnisse mitbringen. Lionel Born kümmert sich um die Produktentwicklung, Riazuddin Kawser betreut die Satellitentechnologie und den Innovationsbereich. Jürgen Born ist für den Strategischen Vertrieb zuständig, Dietmar Schmidt ist seit Jahren Landwirt und betreut die Partner und Nutzer. Zusätzlich gibt es eine handvoll Mitarbeiter und regelmäßig Praktikanten.

2017 entstand die Idee für Solorrow. Damals noch in einem anderen Unternehmen von Gründer Jürgen Born. Doch man erkannte die Chance der App und gründete Anfang 2019 ein eigenständiges Start-up. Finanziell startete das Unternehmen mit Eigenkapital. Außerdem bekommt Solorrow eine Förderung von dem europäischen Copernicus Programm. Derzeit stehen sie im Halbfinale beim Hessischen Gründerpreis.

Einschätzung der Start-up-Expertin

Laut Katrin Burmeister-Lamp, Professorin für Entrepreneurship (Unternehmertum) an der EBS Universität in Wiesbaden, profitiert das Unternehmen von der Aufstellung des Gründerteams. "Das Team ist vielfältig, das ist positiv zu bewerten", sagt sie. Jeder Gründer bringe seine individuellen Kenntnisse mit in das Unternehmen. Die Anzahl der Gründer sei ideal. Eine Studie von 11.000 Technologie-Start-ups habe ergeben, dass ein Gründerteam von vier bis fünf Leuten die perfekte Größe habe.

Auch die Download-Zahl sei gut. "Allerdings zeigt das natürlich nicht, wie viele Nutzer tatsächlich ein kostenpflichtiges Abo abschließen", sagt Burmeister-Lamp. Apps habe man schließlich viele auf dem Handy. Sie sieht es als Herausforderung an, eine ausreichende Menge an Landwirten zu erreichen, die für das System zahlen.

Weitere Informationen

Serie: Vorgestellt - Junge Unternehmen in Hessen

In unserer Serie "Vorgestellt - Junge Unternehmen in Hessen" stellen wir vier Start-ups aus Hessen vor. Diese unterscheiden sich in der Unternehmensbranche und in der Phase, in der sie sich gerade befinden. Während zwei Unternehmen bereits an den Markt gegangen sind, steht eines kurz davor und ein anderes ist noch in der Gründungsphase.

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