Impulssohle für Parkinson-Patienten

Wenn die Beine außer Kontrolle geraten: Parkinson-Patienten straucheln oft, verletzen sich bei Stürzen. Um das zu verhindern, haben junge Ingenieure aus Wiesbaden eine intelligente Schuhsohle erfunden.

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"Mein Opa ist Parkinson-Patient. Er ist noch sehr aktiv, allerdings hat er Probleme beim Gehen." Wenn der Ingenieur Patrick Scholl von seinem Opa spricht, spürt man die Liebe, aber auch die Sorge. Denn sein Opa ist schon oft gestürzt. Patrick Scholl war sicher, dass er ein technisches Gerät entwickeln könnte, das den Opa beim Laufen unterstützt und damit das Unfallrisiko reduziert.

Das Problem bei Parkinson-Patienten: Sie verlieren das Gefühl für Ihre Körperfunktionen. Wird ein Fuß nachgezogen oder bei einer Schwelle nicht genug angehoben, droht der Kranke zu stürzen. Also vermeiden viele Betroffene jede überflüssige Bewegung, bleiben monatelang zu Hause in der vermeintlichen Sicherheit und ziehen sich zurück.

Forschungsförderung für ein Jahr und ein kleines Team

Patrick Scholl studierte Ingenieurwesen an der TU Darmstadt. Gerade fertig geworden, stellte er einen Antrag auf Forschungsförderung und bekam für ein Jahr Geld vom Bund und dem europäischen Sozialfonds. Er wollte eine Sohle für Schuhe entwickeln, die quasi jeden Schritt seines Opas dokumentiert. Sensoren in der Sohle reagieren auf den Druck und sollen bei Bedarf elektrische Impulse senden.

Ingenieure

Einen Mitstreiter, der sich mit Elektronik auskennt, fand Scholl durch Zufall bei einem Feierabendbier. Lukas Braisz, ein Elektroingenieur, mit dem er am Kneipentresen saß, ließ sich von Scholl die Idee mit den elektrischen Impulsgebern in der Sohle erklären und bot sofort seine Expertise und Mitarbeit an dem Projekt an. Der dritte Ingenieur, Simon Staffa, war auch schnell gefunden und übernahm alle Aufgaben rund um wirtschaftliche Fragen.

Prototyp aus dem 3D-Drucker

Mit dem Fördergeld mieteten die Jungingenieure ein kleines Büro an, das sie sich mit einem anderen Start-up teilen. Am "Bastelplatz" werden Platinen geschraubt, direkt daneben steht ein kleiner 3D-Drucker. Dieser druckt das Gehäuse, mit dem der Sender an den Schuh geklemmt wird. Die Sohle muss dick genug sein, um Platz für Sensoren und einige Kabel zu bieten. Nach ein paar Monaten war der Prototyp fertig. Eine Sohle, voll mit Elektronik, die sofort reagiert und einen Impuls sendet, wenn der Parkinson-Patient den Fuß verzögert bewegt.

Als Testperson fanden die Tüftler den 52 Jahre alten Detlef Kolrust. Kolrust fühlt sich mit seiner Parkinson-Erkrankung, wie er selbst sagt, im Alltag oft hilflos. Monatelang habe er sich nicht aus dem Haus getraut. Sein Testurteil fällt positiv aus: "Ich kann mehr laufen als vorher, ich kann mich überall bewegen, einfach sicherer und ich stolpere nicht mehr." Denn bevor er stolpere, bekomme er einen Impuls von der Sohle, der das verhindere.

Technik am Schuh im Praxistest für die Impulssohle

Auf der Suche nach Geldgebern für die Unternehmensgründung

Der Prototyp ist gebaut, der Praxistest läuft – nun suchen die drei Erfinder Geldgeber, etwa auf dem Innovationskongress in Wiesbaden. Aufwendige und kostspielige Tests liegen vor ihnen, die jedes medizinische Produkt in Deutschland durchlaufen muss, bis es auf dem Markt eingeführt werden kann. Und bis es soweit ist, so sagen sie, werden sie sich wohl andere Jobs auf dem Ingenieurmarkt suchen müssen, damit sie ihre laufenden Kosten tragen können.

Sendung: hessenschau, hr-fernsehen, 30.10.2019, 19.30 Uhr