Flugreisende stehen Schlange am Frankfurter Flughafen

Der Chaos-Sommer am Frankfurter Flughafen hat nicht nur Fluggäste gestresst. Verspätete Landungen und Abflüge haben dem Amtsgericht eine Flut von Klagen eingebrockt.

Mehr als 9.000 Klagen wegen verspätet startenden oder landenden Flugzeugen am Frankfurter Flughafen sind im vergangenen Jahr beim Amtsgericht eingegangen. Damit sei die Zahl der Prozesse im Vergleich zum Vorjahr um rund zwei Drittel gestiegen, teilte das Gericht am Freitag mit. Nach dessen Schätzungen gehen rund 90 Prozent zu Gunsten der Fluggäste aus. Das Gericht ist für das Gebiet des Rhein-Main-Flughafens zuständig.

250 Euro ab drei Stunden Verspätung

Hintergrund ist nach Darstellung von Gerichtspräsident Erich Fischer die vom Europäischen Parlament verabschiedete und seit 2005 geltende Fluggastrechteverordnung. Diese spricht Fluggästen bei Verspätungen ab drei Stunden eine Ausgleichszahlung von 250 Euro zu.

Wie Fischer am Freitag erläuterte, lassen es Luftfahrtunternehmen vor allem dann auf Gerichtsprozesse ankommen, wenn die Ursachen der Verspätung auf "außergewöhnliche Umstände" zurückzuführen sei. Bei bestimmten Wetterbedingungen, Vogelschlag oder aggressiven Mitreisenden müsse der Ausgleich nicht geleistet werden.

2018 besonders viele Verspätungen

Besonders im vergangenen Sommer hatte die Flugbranche stark mit Verspätungen und Ausfällen zu kämpfen. Nach einer Analyse des Internet-Portals AirHelp hat sich die Zahl der gestrichenen und verspäteten Flüge in Deutschland im vergangenen Jahr gegenüber 2016 um 55 Prozent auf 240.000 erhöht. Dabei sei das Flugaufkommen im selben Zeitraum lediglich um fünf Prozent gestiegen.

Fast zwei Millionen Flugreisende hätten ihr Ziel gar nicht oder mit mehr als drei Stunden Verspätung erreicht, doppelt so viele wie 2016.