Menschen mit IGM-Fahnen und -Westen stehen und sitzen vor dem Continental-Werk in Karben.

Der Konflikt um die mögliche Schließung des Continental-Werks in Karben eskaliert. Das Werk des Autozulieferers wird seit Donnerstagmorgen bestreikt. Es geht um die Zukunft von fast 1.100 Beschäftigten.

Videobeitrag

Video

zum Video Streik bei Continental

Bei Continental wird gestreikt.
Ende des Videobeitrags

Seit Donnerstagmorgen stehen die Bänder beim Autozulieferer Continental in Karben (Wetterau) still. Die Gewerkschaft IG Metall rief zu einem 24-Stunden-Streik gegen die Schließung des Werks auf, nachdem die dritte Verhandlungsrunde über einen Sozialtarifvertrag am Dienstag ohne Ergebnis zu Ende gegangen war. Die Arbeit soll bis 6 Uhr am Freitag möglichst in allen Abteilungen ruhen.

Nach Gewerkschaftsangaben wurden die Beschäftigten aufgefordert, aufgrund der Corona-Pandemie zu Hause zu bleiben, um eine größere Menschenmenge vor dem Werk zu verhindern. "Die merken heute erst, dass wir wirtschaftlichen Druck machen können", sagte der Frankfurter IG-Metall-Bevollmächtigte, Michael Erhardt.

Gewerkschaft wirft reine "Profitgier" vor

Continental will den Elektronik-Standort mit rund 1.100 Beschäftigten bis 2023 schließen. Die Gewerkschaft wirft dem Unternehmen vor, Arbeitsplätze aus "reiner Profitgier" in Billiglohnländer verlagern zu wollen und fordert für die Beschäftigten einen Sozialtarifvertrag.

Gewerkschaft und Betriebsrat lehnen die Schließung eigentlich rundweg ab, verhandeln aber gleichzeitig über den Sozialtarifvertrag. Dies schafft die rechtliche Grundlage für Arbeitskampfmaßnahmen wie den 24-Stunden-Streik.

Unbefristeter Streit möglich

"Die nächste Schippe, die wir drauflegen, wird keine Kinderschaufel sein", sagte Erhardt. Vom Gewerkschaftsvorstand der IG Metall liege inzwischen die Genehmigung für einen unbefristeten Streik vor. Für kommenden Montag ist laut Continental eine weitere Verhandlungsrunde geplant, die bei Bedarf auch noch um den Dienstag verlängert werden könne.

Im südhessischen Continental-Werk in Babenhausen (Darmstadt-Dieburg) hatten die dortigen Beschäftigten in den Verhandlungen um einen Sozialtarifvertrag eine Verlängerung der Produktion um drei Jahre erreicht. In Karben verlangt die Gewerkschaft Qualifizierungsangebote und Abfindungen von bis zu 250.000 Euro für langjährig Beschäftigte.