Condor-Maschine neben Lufthansa-Maschine

Der Lufthansa droht Ärger vom Bundeskartellamt: Im Kampf um touristische Langstrecken-Passagiere missbraucht die Airline ihre Marktmacht gegenüber Condor, wie eine vorläufige Prüfung durch das Amt ergab.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kartellamt: Lufthansa missbraucht ihre Marktmacht

Fahnen mit dem Logo der Lufthansa wehen im Wind
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Aus Sicht des Bundeskartellamts missbraucht die Lufthansa ihre Marktmacht im Wettstreit um Fernreise-Passagiere. Das bestätigte Kartellamtspräsident Andreas Mundt der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag nach einer vorläufigen Prüfung durch die Behörde.

Der Ferienflieger Condor hatte Mitte Januar Beschwerde bei der Behörde eingelegt. Die Lufthansa flog jahrelang Zubringerflüge zu Condor-Fernreisen. Den pauschalen Vertrag zwischen den Airlines kündigte die Lufthansa im November auf. Dadurch wird es für Urlauber schwieriger, einen Anschlussflug von Condor zu buchen.

Lufthansa hält Entscheidung offen

"Wir sind nach vorläufiger Prüfung der Auffassung, dass die Kündigung einen Missbrauch von Marktmacht darstellt", sagte Mundt. Die Behörde stehe jetzt mit der Lufthansa in Gesprächen über die weiteren Schritte. "Es wäre natürlich zu begrüßen, wenn die Lufthansa den Vertrag mit der Condor nun doch weiter laufen lassen würde", sagte Mundt.

Der Lufthansa-Konzern erklärte am Dienstag, er könne die Aussagen des Kartellamtes nicht kommentieren: "Uns liegt aktuell noch keine finale schriftliche Entscheidung des Bundeskartellamtes vor - auch läuft derzeit noch die Frist zur Stellungnahme."

Vorher hatte ein Sprecher gesagt, die Lufthansa ziehe in Erwägung, den Vertrag mit Condor vorerst weiterlaufen zu lassen. "Eine finale Entscheidung gibt es bisher nicht", sagte er. Im Februar hatte der Konzern seinen harten Kurs gegen Condor hingegen verteidigt.

Kartellamt: Langstrecke ohne Zubringer nicht wirtschaftlich

Dem Kartellamt zufolge nutzt im Schnitt jeder vierte Passagier der Condor-Langstrecken einen Zubringerflug nach Frankfurt. "Ohne diese Zubringerpassagiere kann die Langstrecke der Condor nach den bisherigen Ermittlungsergebnissen nicht wirtschaftlich betrieben werden", erklärten die Wettbewerbshüter.

Die Lufthansa hatte argumentiert, dass Condor auch ohne den Vertrag weiter Zubringerflüge bei Lufthansa buchen könne. Laut Bundeskartellamt kann Condor so aber nicht verbindlich planen. Die Lufthansa darf noch bis zum 7. April Stellung nehmen. Danach entscheidet das Bundeskartellamt über mögliche Maßnahmen.

Neue Lufthansa-Tochter für touristische Flüge

Um sich nach der Krise schneller zu erholen, will die Lufthansa vermehrt auf Touristen setzen. Der Konzern plant, selbst stärker in das Geschäft mit touristischen Langstreckenflügen einzusteigen und hat dafür den neuen Betrieb Eurowings Discover gegründet, in dem die touristischen Flüge gebündelt werden sollen.

Condor reichte zudem beim Gericht der Europäischen Union in Luxemburg Klage ein. Hierbei geht es um die EU-Auflagen für die staatlichen Milliardenhilfen an die Lufthansa.

Beide Airlines wurden in der Corona-Krise vom Staat gerettet. Condor war früher selbst eine Lufthansa-Tochter. Seit der Pleite von Thomas Cook steht sie mit Hilfe eines großen Staatskredits auf eigenen Füßen.

Sendung: hr-iNFO, 30.03.2021, 13 Uhr