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Audioseite Kahlschlag bei Kasseler Sparkasse

Ein Leuchtschild eines Sparkasse SB-Service an einer Fassade spiegelt sich in der Glasfläche.

Die Kasseler Sparkasse baut in der Stadt und im Landkreis mehr als 20 Geldautomaten ab. Für Bewohner mancher Dörfer ist das besonders frustrierend. Protest kommt auch aus einem Seniorenwohnheim.

Seit Jahren dünnen Banken ihr Filialnetz aus und setzen auf Online-Banking. In Kassel wird es künftig auch weniger Möglichkeiten geben, Bargeld abzuheben. Ab Mittwoch werden 21 von zuletzt 53 Selbstbedienungs-Stationen und Geldautomaten der Kasseler Sparkasse abgeschaltet.

Sie seien zu teuer und würden zu wenig genutzt, lautet die Begründung. Im Corona-Jahr 2020 seien die Transaktionen um 24 Prozent zurückgegangen, die Kundschaft setze zunehmend auf bargeldlose Bezahlung. Nun würden die SB-Standorte "optimiert", heißt es von der Bank - also eingespart.

Altenheim-Bewohner protestieren

Gerade für ältere Menschen entstehen so neue Hürden: Renate Krebs wohnt in der Kasseler Seniorenresidenz Augustinum mit insgesamt 360 Bewohnern und Bewohnerinnen. Praktischerweise war ein Geldautomat bisher direkt vor der Tür - der wurde nun ersatzlos abgeschaltet. Für Krebs ein Unding: "Das war hier ein großer Aufschrei, das können die doch nicht machen."

Die Nachricht von der drohenden Abschaltung verbreitete sich wie ein Lauffeuer unter den Bewohnern. Krebs engagierte sich für eine Unterschriftenaktion, die wurde dann an die Sparkasse geschickt. "Allerdings gab es bisher keinerlei Reaktion", erzählt die Altenheimbewohnerin. Der nächste Geldautomat sei nun drei Straßenbahn-Stationen entfernt. Für viele sei der Weg zu weit, gerade auch für jene, die etwa auf einen Rollstuhl angewiesen sind.

Weitere Fahrten zum Bargeld

Aber nicht nur die Stadt Kassel ist betroffen, auch manche Dörfer im Umkreis werden künftig keinen Geldautomaten haben: In den Hofgeismarerer Stadtteilen Hombressen und Hümme im Landkreis Kassel etwa müssen die Menschen nun kilometerweit in die Stadt nach Hofgeismar fahren, um an Bargeld zu kommen. Das sorgt für Kritik in den Orten, gegen die sich die Sparkasse verteidigt: Man habe seit Jahren Rückgänge an Transaktionen, sagt Sprecherin Kathrin Westphal.

Mit dem Abschalten der Automaten machten die Sparkassen also "nichts anderes, als auf dieses veränderte Kundenverhalten zu reagieren", sagt Westphal. "Die betroffenen Standorte lassen sich nicht mehr wirtschaftlich betreiben." Nicht nur die Kasseler Sparkasse kürzt, auch die Frankfurter Sparkasse plant bis 2024 von 45 Filialen insgesamt 17 zu schließen, allerdings bleiben vorerst die Geldautomaten.

Gerade um die Möglichkeit, Bargeld zu holen, geht es aber den Bewohnern der Seniorenresidenz Augustinum. Deren Direktor, Ludwig Graf zu Solms, ist enttäuscht. Für die Kasseler Sparkasse sei die Entscheidung zwar nachvollziehbar, für seine Einrichtung aber nicht: "Ich habe gefragt: Was gibt es für Lösungen für unsere Bewohnerinnen und Bewohner?" Eine Antwort gibt es bisher noch nicht.

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