Solche Verkehrszeichen für Carsharing-Parkplätze gibt es in Frankfurt noch nicht - aber in Wien.
Solche Verkehrszeichen für Carsharing-Parkplätze gibt es zum Beispiel in Wien, wo das Foto aufgenommen wurde. Bild © picture-alliance/dpa

Carsharing liegt im Trend. Auch in Frankfurt. Doch reservierte Parkplätze für solche Mietautos gibt es auf den Straßen nicht - obwohl schon lange die gesetzliche Voraussetzung dafür vorliegt. Es hapert an verschiedenen Stellen an der Umsetzung.

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Per App ein Auto suchen, buchen, Tür aufschließen und losfahren. Carsharing kann so einfach sein. Weniger einfach ist oft das Abgeben des Fahrzeugs. Entweder an einer weit entfernten Station oder auf einem Parkplatz am Straßenrand, den man erst finden muss. Wie viel einfacher wäre es, wenn es feste Parkplätze für Carsharing gäbe.

Genau das hat sich auch der Gesetzgeber gedacht. Am 1. September 2017 verabschiedete der Bundestag ein Carsharing-Gesetz, das den Weg freimachte für speziell ausgewiesene Carsharing-Parkplätze im öffentlichen Raum. Doch die Tücke liegt im Detail.

Carsharing-Kunden in Deutschland
Carsharing hat in den vergangenen Jahren einen rasanten Aufschwung erlebt. Anfang 2019 waren nach Angaben des Bundesverband CarSharing bundesweit 2,46 Millionen Kunden bei einem Anbieter angemeldet, 350.000 mehr als im Vorjahr. Bild © Bundesverband CarSharing / Grafik hr

Das Gesetz findet sich bis heute in Hessen in keinem Landesgesetz. "Wir haben ein großes Interesse daran, Carsharing zu fördern und arbeiten im Moment an der Umsetzung in Landesgesetz", sagt Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Es gebe nur ein Problem: "Es fehlen noch die entsprechenden Verkehrsschilder. Die kann nur der Bund freigeben." Nur mit diesen Schildern könnten die Stellplätze tatsächlich ausgewiesen werden.

Auf diese Schilder wartet auch die Stadt Wiesbaden: Bereits im September 2018 hatte das Stadtparlament 300 Carsharing-Stellplätze im öffentlichen Raum beschlossen, davon 150 für Elektrofahrzeuge. Inzwischen überlegt man dort, über den Weg der Sondernutzung die Stellplätze auszuweisen - ein Weg, der im Prinzip auch anderen Städten offen steht.

"Alternativen zum individuellen Autoverkehr anbieten"

In Frankfurt will die örtliche CDU endlich mehr Aktion sehen. Frankfurt dürfe keine Zeit verlieren und müsse sich endlich Gedanken machen, wo solche Stellplätze entstehen könnten, fordert der CDU-Verkehrsfachmann Frank Nagel. Er bringt auch Mobilitätszentren ins Spiel, in denen Carsharing, Fahrradverleih und Elektromobilität zusammen kommen. "Uns ist wichtig, Alternativen zum individuellen Autoverkehr anzubieten, damit weniger Autos in der Stadt genutzt werden", sagt Nagel.

Auf insgesamt rund 1.000 Fahrzeuge wird die Flotte der Carsharing-Unternehmen in Frankfurt derzeit geschätzt. Platzhirsch ist book-n-drive mit rund 500 Wagen. "Unsere Autos werden von bis zu 20.000 Kunden genutzt. Damit ersetzen wir rund 10.000 Privatautos", sagt book-n-drive-Geschäftsführer Udo Mielke. Was Carsharing angeht, liegt Frankfurt beim aktuellen, aus dem Jahr 2017 stammenden Städteranking des Bundesverband CarSharing auf Platz 8. Darmstadt kommt auf Platz 13, Marburg auf Platz 20.

Carsharing-Städteranking
Carsharing-Städteranking Bild © Bundesverband CarSharing / Grafik hr

Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) gibt zu, noch kein Carsharing-Konzept für die Stadt zu haben. Derzeit werde gerade das Parkraum-Konzept der Stadt überarbeitet. Dann werde es auch Lösungen für Carsharing geben, sagt er.

Kein Konzept in Frankfurt

Ganz wichtig sei es, nicht mit dem Gießkannen-Prinzip die Stellplätze für Carsharing-Unternehmen zu verteilen, sagt Petra Schäfer, Professorin für Verkehrsplanung an der Frankfurter University of Applied Scienes. Nur irgendwelche Flächen auszuweisen, ergebe keinen Sinn. Wichtig sei auch, Rad- und Fußgängern keine Flächen wegzunehmen, sagt die Wissenschaftlerin: "Die Städte brauchen ein klares Konzept."

Solange es so ein Konzept - zumindest in Frankfurt - noch nicht gibt, ist es vielleicht gar nicht schlecht, dass noch kein Verkehrsschild für Carsharing-Stellplätze existiert. Aber das könnte sich ändern: Bei der nächsten Verkehrsministerkonferenz wolle er die Sache mit dem fehlenden Schild ansprechen, verspricht Minister Al-Wazir.

Weitere Informationen

Carsharing: Die Situation in Hessen

Neben book-n-drive konkurrieren in Frankfurt Flinkster, Stadtmobil und Car2go um die Gunst der Kunden. Rund 1.000 Carsharing-Fahrzeuge sind unterwegs. Die Stadt ist mittelbar (über den Versorger Mainova und das Wohnbauunternehmen ABG Holding) an book-n-drive beteiligt.
Auch Darmstadt hat über die städtische Heag Holding mit book-n-drive ein Joint Venture gegründet. Das Ziel: der Aufbau einer Flotte von 500 Fahrzeugen. Derzeit sind in der Stadt 220 Carsharing-Autos unterwegs (book-n-drive mit 205 Fahrzeugen, dazu Flinkster und Lincoln-Mobil).
In Kassel gibt es zwei Carsharing-Anbieter mit stationsgebundenem Carsharing: Stattauto und Scouter haben zusammen rund 100 Fahrzeugen.
In Wiesbaden gibt es derzeit 100 Carsharing-Fahrzeuge. Anbieter sind book-n-drive und Stadtmobil. Der Großteil ist stationsbasiert. (Quelle: Pressestellen der Städte Frankfurt, Kassel, Wiesbaden und Darmstadt)

Nicht vollständig, aber einen guten Überblick über Carsharing-Angebote in Hessen bietet der RMV.

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