Autofahrer in Kassel, Darmstadt, Gießen und Wetzlar müssen im kommenden Jahr mit höheren Haftpflicht-Tarifen rechnen. Denn dort mussten die Versicherer in der Vergangenheit mehr Schadensfälle ausgleichen. An anderen Orten könnten die Tarife günstiger werden.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Teure Kfz-Regionalklassen

Autounfall mit drei beteiligten Autos
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Hessische Großstädte sind für dort lebende Autofahrer ein besonders teures Pflaster. Neben Offenbach und Wiesbaden wird zum kommenden Jahr nun auch Kassel bei der Kfz-Haftpflicht in der ungünstigsten Regionalklasse 12 geführt, wie der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Donnerstag in Berlin mitteilte.

Anlass war die neue Festlegung der Regionalklassen für mehr als 100 Städte und Regionen deutschlandweit im Jahr 2020. Die Regionalklasse ist ein wichtiger Faktor zur Festlegung des Versicherungsbeitrags. Die Einstufung richtet sich nach dem Wohnort und dem dortigen Schadensverlauf in der Vergangenheit. Generell gilt: Wo die Versicherer besonders viel zahlen mussten, steigen in der Folge die Beiträge.

Schadens-Hochburg Offenbach

Hessenweit spitze bei der Summe der Haftpflichtschäden war erneut Offenbach. Hier lag die Schadensbilanz 32 Prozent über dem Bundesschnitt und damit fast auf dem Niveau des Bundesspitzenreiters Berlin. Nicht viel besser sind die Frankfurter Autofahrer, die unverändert in die Regionalklasse 11 eingestuft werden.

Daneben bringt die jährliche Neueinteilung der Regionalklassen, die gesondert auch für Teil- und Vollkaskoversicherungen berechnet wurden, den Hessen nur wenige Änderungen. Bei 83 Prozent der Versicherten ändere sich nichts, erklärte der Verband.

Neben den Kasselern müssen noch Autohalter aus Darmstadt (künftig Klasse 7), Gießen (7) und Wetzlar (9) mit höheren Haftpflicht-Tarifen als bisher rechnen. Zurückgestuft werden der Lahn-Dill-Kreis und der Landkreis Kassel, der mit Regionalklasse 3 deutlich günstiger ist als die benachbarte nordhessische Großstadt.

Kennzeichen-Trick hilft nichts

In der günstigsten Haftpflicht-Regionalklasse 1 sind auch 2019 die Autofahrer aus den ländlichen Kreisen Hersfeld-Rotenburg und Vogelsberg unterwegs. Dafür gilt im Vogelsberg Hessens höchste Teilkaskoklasse. Auch hier richtet sich die Einteilung nach dem Schadensverlauf, wie ein GDV-Sprecher erläutert. Diese Police reguliert unter anderem Stein- und Hagelschläge sowie Wildschäden, die auf dem Land häufiger auftreten.

Es bringt übrigens nichts, bei einem Umzug in die Ballungsgebiete das Heimatkennzeichen zu behalten. Die Versicherungen stufen die Verträge allein anhand des Wohnortes ein, nicht nach dem Kennzeichen des Autos, wie der GDV erläuterte.

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Die meisten profitieren

5,1 Millionen Fahrer in Deutschland werden in eine bessere Regionalklasse eingestuft, 4,2 Millionen Fahrer in eine schlechtere. Die Regionalklassen sind für die Versicherer zwar nicht verbindlich, bilden aber in aller Regel eine wichtige Berechnungsgrundlage für den jeweiligen Tarif. Die neuen Klassen können bei Neuverträgen ab sofort angewendet werden. Bei Altverträgen greifen sie in der Regel zum Hauptfälligkeitstermin, der meist am Jahreswechsel ist. Eine höhere Regionalklasse bedeutet für den einzelnen Versicherten oft, aber nicht zwangsläufig höhere Kosten. Andere Faktoren wie die Schadensfreiheitsklasse oder die Typklasse des Autos spielen auch eine Rolle.

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Sendung: hr-iNFO, 29.08.2019, 16.40 Uhr