IAA Besucher
Besucher in einer der IAA-Hallen. Bild © picture-alliance/dpa

Ziviler Ungehorsam mit Vorlauf: Linke Gruppen rufen schon jetzt zu Sitzblockaden auf der Automobilmesse IAA auf, die Mitte September in Frankfurt stattfindet. Die Autoindustrie ist alarmiert.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Linke wollen auf der IAA "Auto-Party crashen"

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Sie stellen sich gegen "Premiumschlitten, fette Spritschlucker und Stadtpanzer", die dem Klima schaden: Das Bündnis "Sand im Getriebe", darunter die Gruppierungen Attac, Climate Justice Frankfurt und Critical Mass Mainz, plant Protestaktionen auf der Automobilmesse IAA in Frankfurt. Die IAA findet in diesem Jahr vom 12. bis zum 22. September statt.

SAND IM GETRIEBE ist eine offen angekündigte Blockade: vom 13. - 15. Sept. werden wir die Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt blockieren und ihren reibungslosen Ablauf stören. Unsere Aktionen sehen sich in der Tradition des friedlichen zivilen Ungehorsams.

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Die Autoindustrie stelle "ihr klima- und umweltzerstörerisches Verkehrssystem von Gestern aus", schreibt das Bündnis auf seiner Webseite. Die Show der Autoindustrie sei "Profitgier auf dem Rücken der Ärmsten und zukünftiger Generationen". Es sei höchste Zeit, dem "Automobilismus" Sand ins Getriebe zu streuen.

Es werden auch radikale Gruppen erwartet

Unter anderem sind eine Fahrrad-Sternfahrt und eine große Demonstration vor den Toren des Messegebäudes geplant. Es soll an den Aktionstagen vom 13. bis zum 15. September auch größere Blockaden geben: "Wir wollen mit einer öffentlich angekündigten Aktion zivilen Ungehorsams die IAA blockieren", so die Initiatoren. Laut Bild-Zeitung soll es auch im Inneren der Messe "Regelübertritte" geben.

Zu den Unterstützern des Bündnisses gehören auch radikalere Gruppen wie "Ende Gelände". Die linke Gruppe war etwa an den gewalttätigen Protesten im Hambacher Forst gegen den Kohleabbau beteiligt.

VDA-Sprecher: "Wünsche mir konstruktiven Dialog"

Der Protest hat damit für die Organisatoren der IAA eine neue Dimension. "Wir verfolgen die Aufrufe sehr aufmerksam", sagte Eckehart Rotter, Sprecher des Verbands der Automobilindustrie (VDA). "Es gab auch in den vergangenen Jahren schon Protestaktionen, aber klare Aufrufe zu Blockaden und zivilem Ungehorsam sind eine neue Qualität."

Rotter wünscht sich nach eigenen Angaben von den diesjährigen Gruppen einen konstruktiven Dialog. Die IAA sei längst mehr als eine Autoshow, die Messe sei eine Plattform, auf der über die Mobilität der Zukunft diskutiert werde. Beim Klimaschutz sieht er sogar "große Gemeinsamkeiten" mit den Demonstranten. "Die Automobilindustrie steht zum Klimaschutzziel von Paris und bringt viele Elektrofahrzeuge auf die Straße. Das E-Modellangebot verfünffacht sich bis 2023 auf über 150", meinte der VDA-Sprecher.

Polizei: "Wir haben unseren Blick drauf"

Die Frankfurter Polizei wollte auf Nachfrage nicht konkret auf die geplanten Aktionen eingehen. "Die IAA ist eine internationale Messe, da haben wir sowieso unseren Blick drauf", sagte ein Polizeisprecher. Der geplante Protest sei nur ein Teil, der bei den Sicherheitsmaßnahmen zu berücksichtigen sei. "Wir sind nicht unvorbereitet."

Einen so starken Zulauf wie einst hat die Autoschau inzwischen nicht mehr. Im Februar hat der japanische Autohersteller Toyota angekündigt, auf die Messe in Frankfurt zu verzichten. Auch andere Hersteller wie Renault, Nissan, Madza und Mitsubishi werden der IAA fernbleiben.

Sendung: hr1, 22.07.2019, 08:40 Uhr