Der Standort des Klinikums Hersfeld-Rotenburg in Rotenburg an der Fulda

Die Gesellschafterversammlung des Klinikums Hersfeld-Rotenburg hat sich für die Verlagerung der Akutmedizin des Herz-Kreislauf-Zentrums nach Bad Hersfeld ausgesprochen. Die Pläne treffen auf Widerstand.

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Die Gesellschafterversammlung des defizitären Klinikums Hersfeld-Rotenburg hat am Montagabend den umstrittenen Strukturmaßnahmen zugestimmt und damit auch der Verlagerung der Akutmedizin des Herz-Kreislauf-Zentrums (HKZ) nach Bad Hersfeld. Das teilte das Klinikum mit.

"Die schwierige Lage des Klinikums ist nur durch eine schnellstmögliche Bündelung aller Kräfte, das zügige Heben von Synergien und den entschlossenen Abbau von Doppelvorhaltungen erreichbar", hieß es in der Mitteilung weiter. Die Entscheidung der Gesellschafter berücksichtige dabei insbesondere auch die Empfehlungen der Chefärzte des Unternehmens.

Menschenkette gegen Klinik-Pläne geplant

Doch die Pläne treffen auf Widerstand. Die Initiative Bürger-Herz hat bereits Tausende Unterschriften für den vollständigen Erhalt des Standorts und der Arbeitsplätze gesammelt und treibt den Protest voran.

Gegner der Pläne haben für Dienstagabend zu einer Menschenkette - mit coronagerechtem Abstand - aufgerufen. Sie soll vom Herz-Kreislauf-Zentrums (HKZ) in Rotenburg zum Bürgersaal am Bahnhof führen. Dort tagt der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt im Bürgersaal.

Kardiologische Reha-Abteilung soll in Rotenburg bleiben

Der Aufsichtsrat des Klinikums hatte bereits vor einigen Tagen die Empfehlung gegeben, das von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft aufgestellte Zukunftskonzept zu beschließen.

Dieses sieht demnach "keineswegs vor, das HKZ in Rotenburg zu schließen", hieß es in der Mitteilung des Klinikums nach der Gesellschafter-Entscheidung vom Montagabend. So soll die kardiologische und neurologische Reha-Abteilung des HKZ am Standort in Rotenburg bestehen bleiben. "Die Akutmedizin soll nach einer mehrjährigen Übergangsphase mit den Angebotsspektren in Bad Hersfeld angepasst werden."

Landrat pro Strukturmaßnahmen

Landrat Michael Koch betonte laut Klinik-Mitteilung vom Montag, dass ohne Veränderungen eine große Zahl an Arbeitsplätzen an beiden Klinik-Standorten unmittelbar auf dem Spiel stehe. "Die Zukunftsperspektive ist düster: wenn wir heute nichts ändern, sind künftig jährlich zweistellige Millionendefizite vorprognostiziert, das Ende eines Klinikums in kommunaler Trägerschaft mit 3.000 Arbeitsplätzen vorprogrammiert."

Eine Sanierung der Häuser sei nach Aussage der Experten daher allein durch einschneidende Strukturmaßnahmen zu schaffen.

Der Schuldenberg des Klinikums ist groß. Im vergangenen Jahr machte das Klinikum standortübergreifend laut vorläufigen Zahlen mehr als 13 Millionen Euro Verlust. Vor einigen Monaten gab der Landkreis eine Finanzspritze von 15 Millionen Euro.  

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 08.09.2020, 19.30 Uhr