Der Standort des Klinikums Hersfeld-Rotenburg in Rotenburg an der Fulda

Das Klinikum Hersfeld-Rotenburg steht womöglich vor dem "tiefgreifendsten Einschnitt seiner Geschichte". Eine Gesellschafterversammlung entscheidet über die Zukunft des Klinikums, das in finanzielle Schieflage geraten ist. Die Belegschaft befürchtet den Abbau von Arbeitsplätzen.

Wegen anhaltender Verluste in Millionen-Höhe zeichnet sich am Klinikum Hersfeld-Rotenburg ein groß angelegter und umstrittener Struktur-Umbau ab. Es gibt Pläne, die Akutmedizin des kommunalen Klinikverbunds künftig in Bad Hersfeld zu zentralisieren.

Der Standort weiter nördlich in Rotenburg an der Fulda würde geschwächt werden. Das trifft auf Widerstand. Die Initiative Bürger-Herz hat bereits Tausende Unterschriften für den vollständigen Erhalt des Standorts und der Arbeitsplätze gesammelt und treibt den Protest voran.

Gegner der Pläne haben für Dienstag ab 18 Uhr zu einer Menschenkette - mit coronagerechtem Abstand - aufgerufen. Sie soll vom Herz-Kreislauf-Zentrums (HKZ) in Rotenburg zum Bürgersaal am Bahnhof führen. Dort tagt ab 18.30 Uhr der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt im Bürgersaal.

Wegweisende Gesellschafterversammlung

Eine wichtige Weichenstellung steht noch am Montagnachmittag an. Dann wollte sich die Gesellschafterversammlung des Klinikums zusammensetzen. Sie will in nicht-öffentlicher Sitzung über die Umbau-Pläne beraten. Der Landkreis oder das Klinikum Hersfeld-Rotenburg wollte dazu am Abend noch eine Mitteilung zum Stand der Dinge abgeben.

Sollte die Gesellschafterversammlung die Umbau-Pläne befürworten, stünde laut Klinikum-Geschäftsführer Rolf Weigel der "tiefgreifendste Einschnitt in der Geschichte des Klinikums" bevor.

Der Aufsichtsrat hatte bereits vor einigen Tagen die Empfehlung gegeben, das von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft aufgestellte Zukunftskonzept zu beschließen. Es soll übrigens 200.000 Euro gekostet haben. Das hatte der AfD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Peter Fricke, laut Medienberichten gesagt. Ein Klinikum-Sprecher machte dazu auf Anfrage keine Angaben.

"Radikalumbau" soll sich über Jahre erstrecken

Die Pläne, die die HNA als "Radikalumbau" bezeichnete, besagen, in den nächsten drei bis vier Jahren die akutmedizinischen Abteilungen des HKZ nach Bad Hersfeld zu verlagern. Das betrifft die Kardiologie und Herzchirurgie. Einige hundert Mitarbeiter seien davon betroffen, sagte ein Kliniksprecher am Montag dem hr. In Rotenburg blieben die kardiologische und die neurologische Rehabilitation übrig.   

Wieso die Umbau-Pläne? Das Klinikum ist finanziell enorm unter Druck geraten. Der Schuldenberg ist groß. Im vergangenen Jahr machte das Klinikum standortübergreifend laut vorläufigen Zahlen mehr als 13 Millionen Euro Verlust. Vor einigen Monaten gab der Landkreis eine Finanzspritze von 15 Millionen Euro.  

Arbeitsplatz-Verluste unklar

Das Klinikum begründet den Umbau damit, dass die Verlagerung der Akutmedizin nötig sei, um die kommunale Trägerschaft des Klinikums zu erhalten. "Wir müssen den Klinikkonzern fit machen für die Zukunft", erklärte ein Sprecher. Was das für die Belegschaft bedeutet, sei noch unklar – auch mit Blick auf die Arbeitsplätze.

Der Klinik-Sprecher sagte: "Stand heute ist mit keinem Arbeitsplatzverlust zu rechnen." In einer Erklärung des Klinikums heißt es aber auch: "Wenn wir Prozesse verändern wollen, kann das grundsätzliche viele Mitarbeiter betreffen. Alle Abteilungen müssen hierfür auf den Prüfstand." Das Klinikum hat 3.100 Mitarbeiter.

Strukturen doppelt und dreifach vertreten

Das Klinikum verspricht sich vom Umbau Einsparungen: "Unser Ziel ist es, doppelte Einrichtungen im Landkreis abzubauen und die Zusammenarbeit verschiedener Herzspezialisten an einem Ort zu ermöglichen." Diese Konzentration solle zu einer Stärkung führen. "

Über den Umbau sollen Kosten gesenkt werden, ohne medizinische Leistungen zu reduzieren, wie das Klinikum erklärte. Entstanden sei die finanzielle Schieflage durch den bundesweit zu beobachtenden Rückgang der stationären Patientenzahlen.