Hallenbad und Sauna geschlossen, kein warmes Wasser in Turnhallen, weniger geheizte Gebäude: Viele Kommunen wollen angesichts eines drohenden Engpasses in der Gasversorgung Energie sparen. Am weitesten geht der Lahn-Dill-Kreis.

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hr-Reporter über Gaskrise: "Da wird sich noch einiges tun"

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Nordstream 1, die wichtigste Gaspipeline zwischen Russland und Deutschland, wird seit Montagmorgen gewartet, offiziell wird sie für rund zehn Tage abgeschaltet. Allerdings gibt es schon länger Befürchtungen, dass sie dauerhaft abgeschaltet bleibt, weil Russland damit Druck auf den Westen ausüben und sich Erleichterungen der Sanktionen erhoffen könnte.

Flösse kein Gas mehr durch die Ostseeröhre, könnte das auch für Hessen zum Problem werden. Nach wie vor ist auch Hessen auf russisches Gas zum Heizen, für die Stromerzeugung und auch in der Industrie angewiesen.

Eine Reaktion auf die Gaskrise ist, Energie zu sparen. Eine hr-Umfrage ergab, dass sich viele Kreise und Städte in Hessen derzeit viele Gedanken um eine nachhaltige Versorgung machen. Einige haben bereits Maßnahmen ergriffen.

Heizung und Warmwasser in Turnhallen abgeschaltet

Am weitesten geht bislang der Lahn-Dill-Kreis. In allen 86 Schulen und 60 Turnhallen sind seit 1. Juni die Heizungs- und Warmwassersysteme abgeschaltet. Innerhalb des 14 Wochen dauernden Tests bis Mitte September sollen rund 100.000 Euro gespart werden.

"Die Duschen in den Turnhallen werden kaum von Schülerinnen und Schülern genutzt. Es sind eher die Vereinssportlerinnen und -sportler, die regelmäßig von der Duschmöglichkeit Gebrauch machen. Hier bitten wir um Verständnis", sagte Vize-Landrat und Kreis-Schulbaudezernent Roland Esch (FWG).

Landrat Wolfgang Schuster (SPD) sprach angesichts der zeitlichen Befristung von einer verhältnismäßigen und zumutbaren Sparmaßnahme. Man wolle ein Zeichen setzen und gerade als Verwaltung deutlich machen, dass die eklatanten Preisanstiege im Energiesektor kaum tragbar seien. Ob sich dazu auch weitere öffentliche Gebäude des Kreises zum Energiesparen eignen, solle geprüft werden.

Räume im Landtag werden weniger geheizt

Im Kreis Darmstadt-Dieburg gibt es Überlegungen, Turnhallen nur noch auf 16 Grad zu erwärmen und dort das warme Wasser abzuschalten. Verwaltungsgebäude könnten nicht mehr so beheizt werden wie sonst, hieß es. Ähnliche Überlegungen gibt es unter anderem auch in Kassel, Hanau und Offenbach.

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Energiekrise – kalter Herbst für viele Mieter?

hessenschau vom 07.07.2022
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Als Konsequenz aus der Energiepreiskrise plant der Landtag in Wiesbaden, die Temperaturen während der nächsten Heizperiode abzusenken. Es werde derzeit ein Maßnahmenbündel zur Energieeinsparung geplant, teilte der Landtag am Sonntag mit. Zur Umsetzung der Pläne werde auch ein Energieberater beauftragt.

Wassertemperatur in Hallenbad etwas abgesenkt

In Gießen ist seit Montag vergangener Woche das Badezentrum in der Ringallee mit Hallenbad und Sauna geschlossen. Schul- und Vereinsschwimmen finde weiterhin statt, hieß es. Für den öffentlichen Badebetrieb soll das Schwimmbad bis zum Ende der Freibadsaison nicht mehr öffnen. Die Gießener Bäder würden so mithelfen, einen Engpass bei der Gasversorgung zu verhindern, teilten diese mit. Auch die Stadt Darmstadt denkt nach eigenen Angaben über die Schließung von Hallenbädern nach.

In Wiesbaden ist die Wassertemperatur in einem Hallenbad etwas abgesenkt worden. In Frankfurt sollen Bäder und Turnhallen möglichst nicht geschlossen werden. Aber auch hier wird überlegt, ob Öffnungszeiten reduziert werden und ob Temperaturen in öffentlichen Gebäuden und in Schulen vielleicht abgesenkt werden können.

Nachts in Vonovia-Wohnungen nur noch bis 17 Grad

Deutschlands größter Immobilienkonzern Vonovia, der in Hessen 24.000 Wohnungen hat, hatte kürzlich beschlossen, die Temperatur in den Wohnungen nachts abzusenken. Dort, wo es Gaszentralheizungen gibt, sollen demnach ab Herbst die Wohnungen zwischen 23 und 6 Uhr auf höchstens 17 Grad geheizt werden können.

Das warme Wasser will Vonovia nach eigenen Angaben in der Zeit nicht abstellen. Aber es gibt auch in Hessen schon erste Beschwerden von Mietern, der Vermieter habe ihnen das warme Wasser abgeschaltet, um Gas zu sparen.

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