Verdi-Vizevorsitzende Christine Behle und Innenminister Peter Beuth (CDU) beim Beginn der zweiten Verhandlungsrunde am Donnerstag.

Die rund 45.000 Beschäftigten im öffentlichen Dienst in Hessen bekommen nächstes Jahr 2,2 und übernächstes 1,8 Prozent mehr Geld. Darauf haben sich das Land und die Gewerkschaften geeinigt - und auf Corona-Prämien.

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Die Einigung kam nach der zweiten Verhandlungsrunde: Für die rund 45.000 Beschäftigten im öffentlichen Dienst in Hessen gibt es stufenweise mehr Geld. Darauf verständigten sich das Land und die Gewerkschaften in Dietzenbach (Offenbach), wie beide Seiten am Freitag mitteilten. Es seien schwierige Verhandlungen gewesen, die bis tief in die Nacht gedauert hätten.

Laut dem Tarifergebnis steigen die Gehälter im ersten Schritt ab August 2022 um 2,2 Prozent. Ein Jahr später, im August 2023, gibt es eine weitere Erhöhung um 1,8 Prozent oder mindestens 65 Euro. Dazu kommen zwei Sonderzahlungen von jeweils 500 Euro für das laufende und das kommende Jahr. Die zweite Sonderzahlung soll bis März 2022 ausgezahlt werden. Die Laufzeit des Tarifvertrags beträgt 28 Monate.

Beuth und Behle: Schwierige Zeiten

Innenminister Peter Beuth (CDU) sprach von schwierigen Verhandlungen. Es sei aber ein fairer Kompromiss und ein ordentliches Ergebnis in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gefunden worden. Bedingt durch die Corona-Pandemie habe das Land geringere Einnahmen und höhere Ausgaben. Zugleich träfen die Preissteigerungen die Beschäftigten. Vereinbart worden seien unter anderem auch Regelungen zur Ausweitung des Homeoffice und zur Fortbildung in Sachen Digitalisierung.

Auch Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle sprach von schwierigen Zeiten. Land und Beschäftigte zueinander zubringen, sei dennoch gut gelungen, auch wenn das Ergebnis nicht in jedem Punkt den Verdi-Vorstellungen entspreche. Man habe eine kürzere Laufzeit, eine frühere Erhöhung und ein größeres Plus gewünscht. Erreicht worden sei dafür eine unbefristete Übernahme für Auszubildende ab der Abschlussnote 3 sowie eine verbesserte Einstufung nach bestandener Ausbildung.

Auch andere Gewerkschaften einverstanden

Das Ergebnis soll auf die Beamten übertragen werden. Der Beamtenbund (dbb) betonte, dass der Abschluss jungen Menschen eine Perspektive biete - damit ihnen das Land im Wettbewerb mit der privaten Wirtschaft ein Angebot machen könne.

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Mit am Tisch saßen auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP), die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die GEW betonte, dass eine tarifliche Regelung zur Eingruppierung der rund 11.000 angestellten Lehrkräfte erreicht worden sei. Bisher habe es in Hessen dazu nur einen Erlass des Landes gegeben.

Proteste im Vorfeld

Verdi und die anderen Gewerkschaften waren mit der Forderung von fünf Prozent mehr Geld, mindestens aber 175 Euro in die Verhandlungen gegangen. Vor den entscheidenden Gesprächen hatte es an mehreren Tagen landesweit Protestaktionen gegeben. Daran beteiligten sich einige tausend Menschen. Die größten Aktionen gab es in Wiesbaden, Kassel, Gießen und Darmstadt.

Hessen ist im Jahr 2004 als einziges Bundesland aus der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) ausgetreten und verhandelt seitdem in Eigenregie. Mittlerweile ist auch die Tarifrunde der übrigen Bundesländer mit den Gewerkschaften angelaufen. Nach der vergangenen Tarifrunde hatten die rund 45.000 Beschäftigten des Landes Hessen stufenweise am Ende acht Prozent mehr Geld bekommen.

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Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst

Die rund 45.000 Beschäftigten des Landes Hessen arbeiten in den unterschiedlichsten Berufen der Landesverwaltungen, Straßenmeistereien, Forst- und Abfallwirtschaft, Polizei, bei Gerichten, im Justizvollzugsdienst, im Gesundheits-, Sozial- und Erziehungsdienst sowie Schulen und anderen Landeseinrichtungen. Der neue Tarifvertrag soll auch auf die rund 95.000 Beamtinnen und Beamten in Hessen übertragen werden.

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