Frankfurt Hauptbahnhof Vorhalle

Ob er kommt, ist noch unklar. Doch wenn er kommt, wird es teuer: Bund und Bahn wollen prüfen lassen, ob ein Fernbahntunnel mit unterirdischen Gleisen am Frankfurter Hauptbahnhof machbar ist.

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hs
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Es wäre ein Projekt, das nicht nur kostentechnisch an Stuttgart 21 erinnern würde. Das Bundesverkehrsministerium und die Deutsche Bahn haben am Montag bekanntgegeben, den Bau eines unterirdischen Fernbahntunnels samt angeschlossener Bahnsteige unterhalb des Frankfurter Hauptbahnhofs prüfen zu lassen.

Eine Machbarkeitsstudie soll die Kosten und technischen Voraussetzungen klären sowie Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen. Mit Ergebnissen der Studie wird im Frühjahr 2021 gerechnet.

Vom Kopf- zum Durchfahrtsbahnhof

Das derzeitige Konzept sieht den Bau eines neuen Tunnels vor, der den Hauptbahnhof von West nach Ost unterqueren und dort an vier neue, unterirdische Gleise angeschlossen werden soll. Diese sind als Ergänzung der bisherigen oberirdischen Gleise gedacht.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Frankfurt 21? Bahn und Bund planen Fernbahntunnel in Frankfurt

Gleise vor dem Hauptbahnhof Frankfurt
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Nach Vorstellung von Bahn und Bund soll damit der Frankfurter Hauptbahnhof von einem Kopf- zu einem Durchfahrtsbahnhof werden. Die Fahrzeit für Fernverkehrszüge, die Frankfurt passieren, könnte damit um bis zu acht Minuten verkürzt werden.

Vorteile auch für den Nahverkehr

Außerdem, so die Theorie, stünden durch die Verlagerung des Fernverkehrs unter die Erde oberirdisch größere Kapazitäten für den Nah- und Regionalverkehr zur Verfügung. Derzeit teilen sich Fernzüge und Regionalbahnen noch das Bahnhofsvorfeld. Probleme im Fernverkehr führen daher des Öfteren auch zu Verspätungen im Frankfurter ÖPNV.

Eine der Fragen, welche die Machbarkeitsstudie klären soll, ist die nach der Verbindung des Tunnels in Richtung Osten. Möglich wären sowohl Varianten nördlich des Mains über Hanau als auch südlich des Mains über Offenbach. Bereits jetzt steht jedoch fest, dass die Pläne ihren Preis haben. Mit 3,5 Milliarden Euro rechnen die Planer - laut erster Schätzung.

Einsparung von 140 Tonnen CO2 pro Tag

Nachdem das Bundesverkehrsministerium den Fernbahntunnels im Herbst 2018 im Bundesverkehrswegeplan zu einem Vorhaben der höchsten Dringlichkeit hochgestuft hatte, ließ es von einem Planungsbüro die möglichen Vorteile zusammenstellen. Zahlen aus dem Gutachten wurden am Montag präsentiert.

Demnach würden 17.500 Bahnfahrgäste mehr den Schienenknoten Frankfurt passieren, gleichzeitig 516.000 Pkw-Kilometer und 90 Tonnen CO2 vermieden - pro Tag. Im Güterverkehr könnte der Fernbahntunnel laut Gutachten 1.400 Tonnen zusätzliche Fracht auf die Schiene bringen helfen. 92.000 Lkw-Kilometer und 140 Lkw-Fahrten würden vermieden, noch einmal 50 Tonnen CO2 eingespart - ebenfalls pro Tag.

Die Gutachten basieren auf der Annahme, dass im Bau befindliche Langfristprojekte wie der Ausbau der S6-Strecke nach Friedberg und der S-Bahnhof Gateway Gardens dann fertig sind.

Fertigstellung 2036 angepeilt

Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CSU), zeigte sich optimistisch, dass der Tunnel im Jahr 2036 fertig sein könnte - eine Prognose, die Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) mutig nannte.

Ferlemann störte sich auch nicht daran, dass das Gutachten für den Tunnel nur einen Kosten-Nutzen-Faktor von 1,2 errechnete und eigentlich Projekte erst ab Faktor 1,0 und darüber als profitabel gelten. Der prognostizierte Faktor liegt recht knapp über dieser Marke und sollte aus Sicht des mit dem Gutachten beauftragten Planungsbüros besser noch steigen. Ferlemann bezeichnete den Faktor am Montag nichtdestotrotz als sehr gut.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 16.09.2019, 19.30 Uhr

Anmerkung: In einer früheren Version stand irrigerweise, der Kosten-Nutzen-Faktor müsse unter 1,0 liegen, um als profitabel zu gelten. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen. Richtig bleibt, dass ein Faktor von 1,2 nicht besonders profitabel wäre.