Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kritik an Krediten: Studenten haben Angst vor Schuldenbergen

Student am Laptop

In der Krise brechen oft Jobs weg und fallen Eltern als Geldgeber aus: So droht vielen Studenten das Geld auszugehen. Sie können zwar Förderkredite bekommen, doch das ist nicht ohne Risiko.

Die Corona-Krise hat bei Tobias Büttner voll zugeschlagen. Er studiert an der Goethe-Universität Frankfurt Politik und Religion auf Lehramt - noch. Denn ob er sich dieses Studium weiter leisten kann, ist für den 23-Jährigen völlig ungewiss: "Die Krise hat meine Existenzgrundlage zerstört. Ich habe keine Arbeit mehr und weiß nicht, wie es weitergeht."

Bisher hat sich Büttner sein Studium mit zwei Nebenjobs finanziert: Er hat in einer Frankfurter Bar gekellnert und Nachhilfe geben. Das alles darf er mittlerweile nicht mehr. Auch seine Eltern unterstützen ihn kaum, erzählt der 23-Jährige, "einfach, weil sie es nicht können".

Großstädte in Corona-Zeiten fast unbezahlbar

Dabei ist das Leben gerade in einer Großstadt wie Frankfurt teuer. Allein für sein Zimmer in einer WG zahlt Tobias Büttner inklusive Nebenkosten jeden Monat 550 Euro. "Dafür brauche ich meine Ersparnisse auf und habe mir Geld von Bekannten geliehen, aber lange halte ich das nicht durch", sagt der Lehramtsstudent.

Für Studenten in Not bietet die Förderbank KfW seit einer Woche ein zunächst zinsloses Darlehen an. Es geht dabei um einen Betrag von bis zu 650 Euro im Monat. Bisher sind nach Angaben der Bank mit Sitz in Frankfurt mehr als 1.500 Anträge mit einem Kreditvolumen von circa 50 Millionen Euro eingegangen.

Angst vor hohen Schuldenbergen

Man freue sich über die große Nachfrage, heißt es dazu bei der KfW. Und die Förderbank rechnet mit noch mehr Andrang, wenn sich in zwei Wochen auch ausländische Studenten dafür anmelden können. Obwohl er es längst könnte, will Tobias Büttner das Darlehen jedoch nicht beantragen - aus Angst, dass er es nicht zurückzahlen kann: "Ich will mich nicht bis über beide Ohren verschulden."

Das Problem sehen auch die Studentenvertretungen in Hessen. Das machen sie in einem Papier mit Forderungen an Bund, Land und die hessischen Hochschulen deutlich, das dem hr vorliegt. Kyra Beninga, Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der Uni Frankfurt, kritisiert: "Kredite stellen immer eine immense Schuldenfalle dar."

Über vier Prozent Zinsen zu zahlen

Außerdem stören sich Studierendenausschüsse daran, dass die Kredite nicht komplett zinsfrei sind. Tatsächlich fallen dafür ab April 2021 sogar über vier Prozent Zinsen an. Das begründet die Förderbank damit, dass sie mit diesen Krediten ein entsprechend hohes Risiko eingehe. Es bestehe die Gefahr, dass Studenten die Kredite nicht zurückzahlen würden. Denn oft hätten diese kein geregeltes Einkommen, dazu verlange die Bank keinerlei Sicherheiten.

Eine bessere Alternative ist aus Sicht der Studentenvertreter das BAföG: Damit würden Studierende monatlich bis zu 853 Euro bekommen. Dieses Darlehen sei wirklich zinslos, am Ende müssten Studenten nur die Hälfte des Geldes zurückzahlen, betont Beninga: "Deshalb fordern wir, dass das BAföG für alle Studenten geöffnet wird."

Studentenvertreter fordern BAföG-Öffnung

Zum Zuge kommen sollen aus Sicht des AStA zum Beispiel Studenten, die ein Zweitstudium aufgenommen oder die Regelstudienzeit bereits überschritten haben. Sie waren vom BAföG bislang ausgenommen. Allerdings heißt es beim Bundesministerium für Bildung und Forschung, wer die Regelstudienzeit überschreite, weil die Prüfung wegen der Corona-Pandemie ausfalle, bekomme die Förderung in den allermeisten Fällen weiter. Auch ausländische Studenten sollten uneingeschränkt BAföG bekommen, findet AStA-Sprecherin Beninga.

Dazu fordern die Studentenvertreter von Bund und Land Zuschüsse in Höhe von mindestens 3.000 Euro. Einmalig 200 Euro hätten Studenten zwar beim Land beantragen können, aber damit könnten sie ihre Kosten nicht ansatzweise decken. Außerdem seien die Soforthilfen nach wenigen Stunden vergriffen gewesen. Nach Auskunft des Wissenschaftsministeriums profitierten davon knapp 2.000 Studenten.

Ministerium zeigt sich offen für Kritik

Das Ministerium in Wiesbaden findet die Kritik der ASten am Hilfsprogramm des Bundes berechtigt. Es habe sich mit anderen Bundesländern gegenüber der Bundesregierung schon vor Wochen für eine Ausweitung des BaföG stark gemacht, sagt ein Sprecher. Es habe dabei ein Modell vorgeschlagen, das Zuschüsse und Darlehen kombiniere - alles aus einer Hand.

In Bezug auf die Forderungen nach weiteren Zuschüssen verweist das Wissenschaftsministerium allerdings auf den Bund: "Studienfinanzierung ist klar als seine Aufgabe geregelt", erklärt der Sprecher. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung kündigte Ende April weitere Überbrückungshilfen an. Man arbeite mit Hochdruck daran, sie ab 1. Juni anbieten zu können, informiert ein Sprecher.

Aus Sicht der ASten dauert das alles viel zu lange. Sie sehen die Gefahr, dass die finanzielle Unterstützung für viele Studenten zu spät kommt.

Sendung: hr-iNFO, 18.05.2020, 8.16 Uhr